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Geplante Badestelle am Kanal erntet Zuspruch und Ablehnung / Zweifel an Kosten, Wasserqualität und Nutzen

Diskussion
Flussbad-Projekt stößt auf Kritik

Karikaturen zum Thema Baden in Schwedt: Stilles Gedenken am Totensonntag an das ehemalige Waldbad vor der geretteten Walross-Rutsche sowie die schonungslose Vorbereitung auf die Schwedter Freibadsaison.
Karikaturen zum Thema Baden in Schwedt: Stilles Gedenken am Totensonntag an das ehemalige Waldbad vor der geretteten Walross-Rutsche sowie die schonungslose Vorbereitung auf die Schwedter Freibadsaison. © Foto: Michael Schmoldt
Michael Dietrich / 05.12.2018, 06:45 Uhr
Schwedt (MOZ) Der geplante Bau einer Badestelle an der Uferpromenade stößt auf Kritik. Die Stadt will für 245 000 Euro die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße zum Baden ausbaggern. Kritiker bezweifeln den Nutzen, befürchten hohe Folgekosten und sehen sich um ein erhofftes neues Freibad betrogen.

Am Donnerstag steht der Beschluss der Badestelle auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Die 32 Parlamentarier plus Bürgermeister Jürgen Polzehl entscheiden im Foyer der Uckermärkischen Bühnen darüber, ob die Stadt 245 000 Euro dafür ausgibt, eine kleine Badestelle am heutigen Liegeufer neben der Pizzerie Pane e Piu einzurichten. Dafür soll der Kanal, dessen Wassertiefe an der Stelle streckenweise nur 1,20 Meter tief ist, auf einer Fläche von rund 40 mal 50 Metern auf 2,25 Meter Tiefe ausgebaggert und vom Schlamm befreit werden.

Eine erneute Entschlammung könnte nach Erfahrungen der Stadt mit den Schwedter Schiffsanlegern in acht bis zehn Jahren wieder notwendig werden. Dafür sind Folgekosten von 70 000 Euro angegeben. Eingeweiht werden soll die Badestelle schon in der Badesaison 2019. Der Beschluss gilt als sicher, im Bau- und Finanzausschuss gab es zuvor klare Zustimmung.

Der pensionierte Stadtplaner Eckehard Tattermusch meldete sich jedoch in der Einwohnerfragestunde im Bauausschuss und bekräftigte, dass es Aufgabe der Stadt sei, für solche Möglichkeiten der Freizeit und Erholung für die Bürger zu sorgen. Er bezweifelte jedoch die Kostenangaben und dass die Pläne den notwendigen Anforderungen genügen. Laut Tattermusch fehlen ein wasserrechtliches Gutachten, eine öffentliche Toilette und ein Gesamtkonzept, in das sich die Badestelle einordnet. Nach seiner Schätzung müsse man mindestens mit 500 000 Euro Kosten rechnen und die Einleitung des Abwassers flussaufwärts sowie die geringere Selbstreinigung des Wassers berücksichtigen, die bei sinkender Fließgeschwindigkeit zu erwarten sei, wenn der Klimawandel den Wasserspiegel der Ostsee steigen lässt.

Auch im Finanzausschuss der Stadt regte sich vorsichtiger Widerstand. FBI-Fraktionschef Bertram Webert führte die unkalkulierbaren Kosten und die geringe Größe für maximal 50 Badegäste als Begründung für die Ablehnung des Projektes an.

Im öffentlichen Diskurs in sozialen Netzwerken erntet die Kanalbadestelle derweil eher Häme und Spott. Vor allem die Wasserqualität, nach Angaben der Stadt Schwedt zum Baden geeignet, wird immer wieder bezweifelt und die Vorstellung verspottet, dass dort viele Schwedter baden gehen werden. Kritische Kommentare erinnern immer wieder an den Abriss des Schwedter Waldbades vor acht Jahren und das nicht eingehaltene Versprechen der Politik, für Ersatz zu sorgen. Weder die Außenanlage des Schwedter Freizeitbades Aquarium, die dafür teuer ausgebaut wurde, noch die geplante Flussbadestelle erfüllen das, so der Vorwurf.

Der Verein Neues Waldbad, der eine Freibadstudie über das Bürgerbudget erstritt, sieht den Bau der Flussbadestelle als Beerdigung aller Hoffnungen auf ein neues Freibad. „Mit diesen Stadtverordneten ist das einfach nicht zu machen, deshalb werden wir selbst zur nächsten Kommunalwahl antreten“, sagt der Vereinsvorsitzende Axel Reineke.

Initiiert wurde das Projekt der Badestelle am Kanalufer durch den Freundeskreis Flussbadestelle des Landtagsabgeordneten Mike Bischoff. Der Kreis will am Standort der ehemaligen Schwedter Badesanstalt eine kleine, naturnahe Flussbadestelle betreiben. Er begrüßt die geplante Badestelle als zusätzliche Möglichkeit, bei schönem Wetter in Schwedt baden gehen zu können. Die Mitglieder kümmern sich seit mehreren Jahren um die Anlage und Pflege einer Liegewiese, regelmäßige Wasserproben und Spenden für Gutachten und Genehmigungen. Laut Stadtverwaltung liegt die erforderliche Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes für das Vorhaben bereits vor.

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