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B 198 nach 15 Monaten Vollsperrung wieder für Verkehr freigegeben / Ergebnis des Ausbaus ernüchternd

Straßenbau
Mit Aufatmen und Kopfschütteln

Materialprüfung: Kurz vor der Öffnung der B198 entnimmt Enrico Schönfeldt vom Prüfbüro Asphalta Bohrkerne der erneuerten Fahrbahn.
Materialprüfung: Kurz vor der Öffnung der B198 entnimmt Enrico Schönfeldt vom Prüfbüro Asphalta Bohrkerne der erneuerten Fahrbahn. © Foto: Michael Dietrich/MOZ
Michael Dietrich / 06.12.2018, 20:15 Uhr
Schwedt (MOZ) Aufatmen in der Region. Die B 198, Lebensader Richtung Berlin, ist am Donnerstag nach 15 Monaten Vollsperrung wieder für den Verkehr freigegeben worden. Neben Erleichterung über das Ende der Umleitung herrschte aber bei vielen Kraftfahrern auch Ärger über das Ergebnis.

Der Verkehr rollt wieder. Unerlaubterweise sind viele Pendler in den zurückliegenden Monaten schon durch die gesperrte Baustelle gefahren, der ewigen Umleitung überdrüssig. Jetzt müssen sie nicht mehr bangen, von der Polizei angehalten zu werden und womöglich 20 Euro Ordnungsgeld für die verbotene Durchfahrt zu zahlen. Die Sperrschilder an der Bundesstraße wurden am Donnerstagnachmittag abmontiert. Die 15 Monate lange Vollsperrung ist Geschichte.

Das Ergebnis ist jedoch mehr als ernüchternd. Zuerst das Positive: Die komplette Fahrbahn der gesperrten Strecke ist erneuert. Der Rest klingt für die lange Bauzeit wie ein schlechter Scherz. Eine Strecke von 1,5 Kilometern in Richtung Autobahn hat jetzt eine Überholspur. In der Gegenrichtung gibt es dafür weniger Überholmöglichkeiten als vorher, entlang der 1,5 Kilometer Überholstrecke herrscht im Gegenverkehr Überholverbot.„Der ganze Bau war völlig umsonst. Man kann nur den Kopf schütteln über so viel Unfähigkeit. Es ist beschämend, wie viel Geld ausgegeben wurde für nichts und wieder nichts. Erst waren fünf Stellen zum Überholen geplant, jetzt gibt es eine. Eine einfache Fahrbahnerneuerung hätte mehr gebracht“, macht Stefan Kolb von der Firma GSH Kolb seinem Ärger Luft.

Auch Ulrich Gnauck, Geschäftsführer des Asklepios Klinikums, kann der neuen Straße wenig Begeisterung abgewinnen: „Allenfalls Erleichterung, dass die für die ganze Region geschäftsschädigende Umleitung endlich vorbei ist. Es fällt wirklich schwer, bei dem Thema nicht in Sarkasmus abzugleiten. Der Bürger muss staunen, wenn er sieht, was in der Zeit passiert ist. Nicht viel. Wenn es nicht zu traurig wäre, müsste man sich bei der Ministerin bedanken für den Mut, dem Elend wenigstens ein Ende gesetzt zu haben.“

Vor einem Monat hatte Gnauck der Ministerin noch einen geharnischten Brief geschrieben und sich über die blamable Verkehrssituation in der Uckermark beschwert, die zunehmend zum Problem werde, Fachärzte zu gewinnen.

Felix Lösch, Chef von Leipa Logistik, bezeichnet das Ergebnis des Ausbaus schlicht als einen Witz. „Wir werden der Ministerin am Freitag zum Treffen in Schwedt die Zahlen vorlegen, was allein unserem Unternehmen die 15 Monate Vollsperrung gekostet haben“, sagte Lösch.

Der Arbeitskreis Nord der IHK trifft sich heute in Schwedt mit Verkehrsministerin Kathrin Schneider zum Thema.

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