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Spezialisten der Firma Schuke reparieren eine Pfeife der historischen Wagner-Orgel

Königinnenreparatur
Drei Tage ohne großen Gustav

Zum Orgel-Doktor: Hartmut Beyer von der Firma Alexander Schuke in Potsdam nimmt die Orgelpfeife vorsichtig entgegen, die sein Kollege Hans Scheffler hinter den Kulissen gelockert hat.
Zum Orgel-Doktor: Hartmut Beyer von der Firma Alexander Schuke in Potsdam nimmt die Orgelpfeife vorsichtig entgegen, die sein Kollege Hans Scheffler hinter den Kulissen gelockert hat. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 13.12.2018, 06:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Eine betagte Königin musste zum Zahnarzt. Eine Pfeife der  Wagner-Orgel in der Angermünder Marienkirche hat eine Delle und wird derzeit in der Werkstatt der Potsdamer Orgelbau-Firma Schuke repariert.

Am Montag rückten die Spezialisten mit ihrem Transporter an. Der Pfeifenmacher Hans Scheffler und der Orgelbauer Hartmut Beyer kennen das 274 Jahre alte historische Instrument in der Marienkirche in- und auswendig. Sie haben die Orgel schon öfter auseinandergenommen und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Diesmal nagte der Zahn der Zeit am „großen Gustav“, wie die riesige Orgelpfeife vom Prinzipal Bass 16-Fuß in Fachkreisen genannt wird. Immerhin rund 70 Kilogramm bringt das wertvolle Teil auf die Waage.

Die Pfeife hat seit einiger Zeit eine Delle, die jetzt beseitigt werden muss. Das Material hat nachgegeben, erklärt Hartmut Beyer. „Vor rund 300 Jahren wurde für die Orgelpfeifen Englischsilber aus Cornwell bezogen. So, wie das Erz aus der Erde kam, verfügte es über die Eigenschaften, die Prospektpfeifen brauchen. Das war stabil. Viele Pfeifen sind später dem Krieg zum Opfer gefallen und zu Munition verarbeitet worden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie durch Zinn ersetzt.“

Die englische Mine ist längst stillgelegt. Spätere Orgelbauer hätten ganz saubere Legierungen für nötig gehalten. „Heute wissen wir, dass das purer Unfug ist. Nebenmetalle wie Kupfer und Wismut in ganz kleinen Mengen bringen die Stabilität“, erläutert Hartmut Beyer.

Die Angermünder Prospektpfeife wird nun seit Dienstag restauriert. Dazu wird sie auf eine große Form gesteckt.  „Wir schauen, ob wir eine Verstärkung einbauen müssen. Dann wird die Beule rausgemacht“, sagt Hans Scheffler. Er und seine Kollegen haben derzeit alle Hände voll zu tun. Zu Weihnachten sollen die Orgeln überall erklingen. Zum Ende dieser Woche wird auch die Angermünder Wagner-Orgel wieder komplett sein und die Kirchengemeinde bei den Christvespern zu Heiligabend um 16 und 17.30 Uhr musikalisch begleiten. Um 22 Uhr wird auf ihr ein weihnachtliches Orgelkonzert gespielt.

Eigentlich wäre eine komplette Erneuerung des Prospektes in Originalbauweise nötig, meint der Potsdamer Orgelbauer. Die hat die Kirchengemeinde schon längst auf dem Wunschzettel, berichtet Kirchenrendant Torsten Schünemann. „Wir sammeln bereits über Jahre Spenden, auch Kantor Rainer Rafalsky bei seinen Orgelführungen.“ Die Restaurierung koste allerdings zwischen einer viertel und einer halben Million Euro.

Nachdem die große Orgelpfeife im Auto verstaut war, schauten die beiden Spezialisten noch einmal nach, ob alles gesichert ist, damit niemand zu Schaden kommt. Hans Scheffler setzte sich ans Instrument und spielte ein Ständchen. Das gehörte nicht zum Auftrag. „Aber an so einem Instrument ist man extrem selten. Das muss man schon mal ausnutzen“, meinte er.

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