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In Brandenburg könnte es Schulmilch bald nur noch pur geben / Lieferant Hemme-Milch befürchtet Ablehnung

Schulmilch
Kakao und Vanillemilch bald auf dem Index?

Milch in der Frühstückspause: In der Klasse 1b der Puschkinschule trinken fast alle Kinder Schulmilch von Hemme, am liebsten Schoko und Vanille.
Milch in der Frühstückspause: In der Klasse 1b der Puschkinschule trinken fast alle Kinder Schulmilch von Hemme, am liebsten Schoko und Vanille. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 22.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 22.01.2019, 08:11
Angermünde (MOZ) Am Becher Milch zum Pausenfrühstück reibt sich derzeit die Politik. Brandenburg und Berlin wollen gesüßte Milchgetränke aus dem Schulmilchprogramm streichen. Hemme-Milch befürchtet, dass dann viele Kinder die Schulmilch ganz verschmähen.

Frühstückspause in der 1b der Puschkinschule. Auf allen Tischen stehen Milchbecher von Hemme-Milch. Fast alle Kinder trinken hier täglich Schulmilch, hauptsächlich Kakao und Vanille. Das sind die Lieblingssorten der Kinder. Nicht nur in der 1b.

Schulmilchproduzent Gunnar Hemme aus Schmargendorf liefert rund 50 000 Liter Schulmilch an Grundschulen der Region, von Schwedt bis Bernau, von Templin, Prenzlau bis Strausberg. Im vergangenen Jahr waren das insgesamt 200 000 Portionen. 80 Prozent davon sind Schoko-, Vanille- und Erdbeermilch. Nur 20 Prozent werden als pure Vollmilch bestellt.

Das könnte sich bald ändern, wenn die Landesregierung der Änderung des Schulmilchprogramms und der damit verbundenen Förderung zustimmt. Dann wird es keine Milchmischgetränke als Schulmilch mehr geben. Hintergrund ist die Forderung der Verbraucherorganisation Foodwatch, die Subventionierung gezuckerter Milch für Schulen zu stoppen. Mit vier Cent wird derzeit eine Portion Schulmilch mit Geschmack gefördert, Vollmilch pur mit zehn Cent. Es sind EU-Mittel des Europäischen Schulmilchprogramms.

Für den Schmargendorfer Milchmann Gunnar Hemme ist die geplante Gesetzesänderung politischer Aktionismus. „Dass man sich Gedanken machen muss, dass viele Kinder zu dick sind, ist klar. Doch jetzt den Zucker in der Schulmilch dafür verantwortlich zu machen, klingt, als würden wir kiloweise Zucker in die Milch werfen. Dabei setzen wir den Mischgetränken nur Schokopulver und Fruchtzusätze zu“, so Hemme. Wenn der politische Wille so durchgeht, müssten die bei Kindern beliebten Sorten teurer werden. Ich befürchte, dass viele Kinder dann gar keine Schulmilch mehr trinken und sie ein Auslaufmodell wird“, so Gunnar Hemme.

Das sieht auch Romy Succow, Leiterin der Angermünder Puschkinschule, skeptisch. Viele Kinder würden morgens ohne Frühstück in die Schule kommen. Der Becher Schulmilch sei oft die erste Mahlzeit, die Energie liefere. „Wir haben sehr viele Milchtrinker, vor allem bis zur 3. Klasse, und die gemeinsame Milchpause ist ein schönes Ritual im Schulalltag“, sagt die Schulleiterin.

Hemme versorgt auch die Bruhnschule täglich mit 200 Portionen und liefert Frisch- statt H-Milch. Seitdem ist die Zahl der Milchtrinker deutlich gestiegen.

Nachteil: Für Schulen sind nur abgepackte Portionen praktikabel, weil die Milch nicht vor Ort portioniert werden kann. Kitas in der Region beliefert er mit frischer Vollmilch im Mehrwegsystem. Hier können sie die Erzieherinnen selbst nach Bedarf portionieren.

Schulmilchproduktion ist für Hemme durch die Portionierung, Logistik und auch durch die engmaschigen Kontrollen aufwändig und wenig lukrativ. „Für mich gehört das aber zur nachhaltigen Unternehmens-Philosophie, als regionaler Erzeuger auch die Einrichtungen vor Ort zu versorgen. Und natürlich kann man so die Kinder auch mit der Milch von hier vertraut machen. Wir haben sehr oft Kitas und Schulklassen zu Besuch, die sich anschauen, wo ihre Schulmilch hergestellt wird und wie regionale Kreisläufe funktionieren.“

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