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Teilhabe
„Eine für alle“ - unabhängige Beratung

Kleines Büro, große Hilfe: Andreas Schwarze von der Teilhabeberatungsstelle in Schwedt und seine Kollegin Sina Jaensch von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.
Kleines Büro, große Hilfe: Andreas Schwarze von der Teilhabeberatungsstelle in Schwedt und seine Kollegin Sina Jaensch von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 25.01.2019, 05:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Behinderte Menschen haben es doppelt schwer, sich im Wust von Behörden zurechtzufinden. Gerade durch ihr Handicap sind sie häufig auf Hilfe angewiesen, wenn es um notwendige Leistungen geht, um Schulprobleme, um Unterstützung im Haushalt oder um Pflege. Um die Unabhängigkeit von Betroffenen zu stärken, hat die Bundesregierung ab 2018 neue Beratungsangebote flächendeckend einrichten lassen. Unter dem komplizierten Namen „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) befindet sich das einzige Büro dieser Art in der Uckermark in der Schwedter Handelsstraße. Dort sitzt seit September Andreas Schwarze. Er ist Anlaufpunkt für die unterschiedlichsten Probleme behinderter Menschen. Noch eine Beratung, obwohl es schon viele Vereine, Verbände, Stellen und freie Träger gibt? „Der Schwerpunkt liegt auf unabhängig“, erklärt Schwarze. „Zu mir kommen Menschen, denen ein Grad der Behinderung droht oder die behindert sind. Ich übernehme dabei eine Lotsenfunktion, um sie zu Ansprechpartnern zu schicken oder ihnen selbst zu helfen.“ Betroffene sollen auf Augenhöhe selbstbestimmt Entscheidungen treffen können, unabhängig von Trägern und speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten.

In der Praxis sieht das so aus: Ein behinderter Mann hat ein Problem mit dem Fahrdienstunternehmen, weil sein Assistenzhund nicht mit in den Transporter darf. Andreas Schwarze sucht nach einer Ersatzfirma, die den Mann samt Hund transportiert. Ein anderer Fall: Ein junges Mädchen ist dauerhaft sehr krank, schämt sich aber, einen Schwerbeschädigtenausweis zu beantragen. Der aber ist notwendig, wenn man bestimmte Leistungen in Anspruch nehmen will, die das Mädchen benötigt. Also spricht Andreas Schwarze mit ihr, beruhigt sie, nimmt ihr die Sorge. Oder ein freier Träger bietet einem Behinderten ein Mittagessen an, das der aber nicht will. Ihm steht das Recht zu, die Geldleistung selbst zu bestimmen und sich ein Essen auf Rädern kommen zu lassen.

Das Problem: Viele Betroffene wissen noch nicht, dass es die Beratungsstelle überhaupt gibt. Schon gar nicht Leute in Templin oder Prenzlau. Daher will Andreas Schwarze Sprechstunden einrichten lassen und Öffentlichkeitsarbeit leisten. Jobcenter, Arbeitsagentur und Sozialamt sind informiert, schicken schon häufig Menschen mit besonderen Problemen zu ihm. Einige Ärzte ebenso. „Manchmal ist es auch nur ein komplizierter Antrag, mit dem ein Behinderter nicht zurechtkommt.“ Helfen kann er bei Widersprüchen, bei Akteneinsicht, bei abgelehnten Leistungen. „Bedarf ist vorhanden“, sagt Andreas Schwarze. „Der steigende Altersdurchschnitt bringt viele neue Erkrankungen und Behinderungen mit sich.“ (os)

EUTB, Beratungsstelle Schwedt, Handelsstraße 11, Kontakt: Telefon 03332 8334924

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