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Ursula und Heribert Gollasch beenden jahrzehntelanges Engagement bei UBV-48-Akrobaten

Vereinsleben
Start beim Arbeiter-Varieté

Jörg Matthies / 09.02.2019, 05:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Eine anderthalb Jahrzehnte währende Ära ist beim Uckermärkischen Boxverein zu Ende gegangen – sie hat mit den Faustkämpfern aber nicht unmittelbar etwas zu tun. Vielmehr zogen Ursula und Heribert Gollasch einen Schlussstrich unter ihr Engagement bei der Akrobatik-Gruppe.

Akrobatik in der Oderstadt – die Gollaschs haben hier seit den 80er-Jahren ihre Spuren hinterlassen. Zunächst an der Musik- und Kunstschule, später im Boxverein. Doch der Ursprung ihres Engagements liegt viel weiter zurück, stammt aus der Zeit beim „Bau der Jugend“ in Spremberg und einer Kunstkraftsport-Gruppe in Trattendorf. Ursula war schon in der ersten Klasse den akrobatischen Künsten verfallen, für Heribert begann es eigentlich erst in der Lehrzeit – dort gelangte das Arbeiter-Varieté Trattendorf Ende der 50er-/Anfang der 60er-Jahre zu allgemeiner Bekanntheit.

Dann verging reichlich Zeit. Gollaschs heirateten, zogen nach Schwedt. Erst 1987 begann ihr Einstieg an der Musik- und Kunstschule (MuK) in der Oderstadt. Zuvor schon beim Pionier- und FDJ-Ensemble als Betreuer im Einsatz, wuchs nun wieder die Begeisterung: „Uns hat es an nichts in Sachen Rahmenbedingungen gefehlt“, erinnert sich Ursula Gollasch. Kugel- und Leiter-Akrobatik habe man genauso unterrichtet wie Trapez-Artistik. Ein besonderes Erlebnis sei das Pioniertreffen 1988 mit Auftritten im damaligen Karl-Marx-Stadt gewesen. Bis 2002 waren die Gollaschs dann Übungsleiter an der MuK.

Wieder folgte eine kleine Pause – „doch wir wollten uns bald auch wieder bewegen“ (Heribert Gollasch). Das fand offene Ohren beim Boxsportverein, denn „wir wollten neben Tanz auch das immer stärker aufkommende Cheerleading bei uns etablieren. Wen konnten wir uns da Bessere als Übungsleiter für die solide Grundausbildung wünschen als Heribert und Ursula“, erzählt der UBV-48-Vorsitzende Ernst Urban.

„Bestimmt an die 80 Kinder und Jugendliche haben wir in all den Jahren bei den Akros unter unseren Fittichen gehabt – zuletzt waren es allerdings nur noch vier bis maximal sechs“, begründet das Ehepaar Gollasch (beide 74), warum jetzt ein Schlussstrich gezogen wurde. „Immer wieder mussten wir von Neuem anfangen, weil uns die Jugendlichen durch andere Interessen verließen, Jüngere nachkamen. Aber immer weniger. Die Auswahl war immer schwieriger, auch das Niveau konnten wir so insgesamt nicht mehr halten, muss man ehrlich eingestehen“, sagt Heribert Gollasch.

„Es war wirklich immer schön abwechslungsreich“, erinnert sich Ursula Gollasch auch ein bisschen traurig an das nun Vergangene zurück. Sie habe sich über die ganzen Jahre immer um Kostüme und Musik, auch um nötige Absprachen und die Choreografien gekümmert, ihr Mann sei derjenige gewesen, der dies mit den kleinen Akrobatinnen dann im akribischen, wöchentlichen Training umsetzte und auch bei Auftritten im Ring oder mit auf der Bühne war. Beispielsweise sogar bei der Grünen Woche noch im vergangenen Jahr oder eben bei Sportfesten, bei Box-Veranstaltungen sowieso und bei der Messe Inkontakt. „Wir haben immer gute Unterstützung durch den Verein erhalten – ein großes Dankeschön gebürt da vor allem Frau Bauer“, sagt Ursula Gollasch.

Die Akro-Gruppe ist (zunächst) Geschichte. „Wir müssen auch insgesamt aufpassen, dass wir im Verein nicht überaltern“, sagt der fast 70-jährige Vorsitzende. Als es 1990 erste Ideen zum Aufbau einer Cheerleader-Gruppe gab, entstand ein regelrechter Boom, zwischenzeitlich existierten drei Gruppen. Jetzt werden nicht nur die Interessenten rarer, auch Betreuer finden sich immer schwerer.

„Selbst ehemalige Sportler lassen sich schwer für längere Zeit binden“, weiß Urban aus Erfahrung. Nun existiere nur noch eine Cheerleader-Gruppe bei den Großen und eine Übungsleiterin. „Wir haben aber absolut nicht vor, die Sache einschlafen zu lassen. Viele Zuschauer und Faustkämpfer kennen die Stimmung, die in der Halle damit erzeugt werden kann. Aber ganz ehrlich: Im Moment sind wir noch ein bisschen ratlos, wie es weitergehen kann.“ Ein kompletter Kostümfundus und die umfangreiche Ausrüstung für Auftritte seien vorhanden.

Heribert Gollasch bleibt dem Verein in der Senioren-Sportgruppe auf jeden Fall weiter treu. Mit Rat und Tat würde das Ehepaar auch beim Neuanfang einer Gruppe wieder zur Stelle sein.

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