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Wichtige Anlagen zur Wasserregulierung sind ab sofort unter Regie des Wasser- und Bodenverbands Welse

Streitfall
Ende der herrenlosen Schöpfwerke

Komplett sanierungsbedürftig: Martin Lippski, Leiter des Bauhofs vom Wasser- und Bodenverband Welse, steht im alten Schöpfwerk von Angermünde. Weil die Anlage undicht ist, drückt das Pumpwasser immer wieder in den Mündesee zurück. Niemand weiß, wer die Kosten in solchen Fällen übernehmen soll.
Komplett sanierungsbedürftig: Martin Lippski, Leiter des Bauhofs vom Wasser- und Bodenverband Welse, steht im alten Schöpfwerk von Angermünde. Weil die Anlage undicht ist, drückt das Pumpwasser immer wieder in den Mündesee zurück. Niemand weiß, wer die Kosten in solchen Fällen übernehmen soll. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 11.02.2019, 17:34 Uhr
Passow (MOZ) 25 Jahre lang waren sie herrenlos – jetzt ist der Wasser- und Bodenverband Welse für alle Schöpfwerke und auch für Stauanlagen in seinem Bereich zuständig. Doch noch immer steht nicht fest, wer die Kosten für Reparaturen und notwendige Sanierungen bezahlen soll.

Mit der Neuregelung des brandenburgischen Wassergesetzes soll wieder Ordnung einziehen in die Wasserregulierung der Uckermark. Das Land will damit den seit der Wende schwelenden Streit um die Zuständigkeit von herrenlosen Staubauwerken und Schöpfwerken beenden. Die waren zu DDR-Zeit im Auftrag der Wasserwirtschaftsdirektion über die Räte der Kreise in wasserreichen Gegenden errichtet worden, um Wasserstände in Seen und Flüssen zu regulieren, um Gräben anzustauen oder überschüssiges Wasser ableiten zu können. Es handelt sich um ein flächendeckendes System von teils uralten oder auch neueren Anlagen unterschiedlichster Bauart.

Mit der politischen Wende im Osten Deutschlands fühlte sich plötzlich niemand mehr dafür zuständig. Einige wurden weiterbetrieben, andere bewirtschaftete das Land in Eigenregie, wieder andere wurden von Bauern, Landnutzern oder dem Wasser- und Bodenverband bedient. Sogar Kinder machten sich daran zu schaffen. Notwendige Instandsetzungen blieben aus. Etliche Anlagen gelten als total marode.

Das größte Problem sind sieben Schöpfwerke in Zichow, Angermünde, Landin, Gartz, Pinnow, Heinersdorf und Meyenburg. Auch hier gab es in den vergangenen Jahren ein ewiges Hickhack um Zuständigkeiten und Betrieb. Keiner wollte die Kosten übernehmen. Manche stehen auf unterschiedlichen Privatgrundstücken. Zwischenzeitlich musste der Landkreis die Verantwortung übernehmen und beteiligte Kommunen und Landnutzer an den Kosten. Durch das neue Wassergesetz haben die Eigentümer und Betreiber die Anlagen an den Wasser- und Bodenverband Welse übergeben können. Gartz wird durch das hohe öffentliche Interesse vom Land selbst finanziert. Die anderen sechs Schöpfwerke bewirtschaftet der Verband. Allerdings nur im Rahmen des laufenden Betriebs. Fällt eine Pumpe aus, dann bleibt die Frage der Kosten. „Vieles ist noch unklar“, so Geschäftsführerin Christine Schmidt. „Wir sind eigentlich nur Dienstleister, kein Eigentümer.“

Beispiel Angermünde: Das Schöpfwerk am Mündesee ist so kaputt, dass es eigentlich ständig läuft. Das in die Dievenitz gepumpte Wasser fließt wieder zurück. Schon 2012 musste eine große Pumpe repariert werden. Nun gab es wieder einen Ausfall. Unklar ist, ob das Land Zuschüsse zahlt oder ob alle Landeigentümer über die Gebühren dafür aufkommen müssen. Der Wasser- und Bodenverband Welse beteiligt sich mit weiteren vier Verbänden in einer Landesarbeitsarbeitsgruppe, um den weiteren Umgang zu klären.

Doch damit nicht genug. Seit Januar ist der Verband auch für Stauanlagen zuständig. 350 davon gibt es in den Niederungsgebieten von Randow, Welse, Sernitz und entlang der Oder. Nur für 46 besteht ein Wasserrecht. Wichtig sind sie vor allem für den Landschaftswasserhaushalt und bei solchen Ereignissen wie dem Binnenhochwasser 2017. Bisher waren viele Staue ebenso herrenlos wie die Schöpfwerke. Andere bedienten die Verbandsingenieure aus eigenem Interesse. Das Durcheinander lässt sich nicht in wenigen Monaten klären, sagt Christine Schmidt. Daher werden jetzt Beiräte für jeden Staubereich gebildet mit Vertretern der Kommunen, des Landkreises und mit den Nutzern. Ziel: Zu jeder Zeit das richtige Wasserverhältnis.

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