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Zwei uckermärkische Firmen wollen das Rotlicht der Windfelder durch Radarschirme beenden. Doch es gibt behördliche Unklarheiten.

Nachtkennzeichnung
Probleme beim Abschalten der Rotlichter

Oliver Schwers / 04.06.2019, 06:30 Uhr
Prenzlau (MOZ) Ab Juli 2020 soll die Uckermark wieder dunkel sein. Das von vielen Menschen heftig kritisierte nächtliche Dauerblinken der riesengroßen Windkraftanlagen könnte dann tatsächlich ein Ende haben. So zumindest schreibt es die neue Regelung im Energiesammelgesetz vor. Bundesweit betrifft es rund 18 000 Anlagen. Sie müssen nun mit einer bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung (BNK) ausgerüstet werden, und zwar neue wie auch bestehende Windräder.

Das heißt: Nähert sich in der Dunkelheit ein Flugobjekt, muss sich die Befeuerung für die Dauer des Überflugs wieder einschalten, um die Sicherheit des Luftraums zu gewährleisten. Obwohl die Zeit drängt, herrscht aber ausgerechnet bei den rechtlichen Vorgaben immer noch einige Unklarheit. Und genau das behindert einheitliche technische Lösungen, kritisiert die Branche.

Alle unter einen Schirm

Beispiel Uckermark. Eigentlich wollte die hier ansässige Firma Enertrag aus Dauerthal längst ein flächendeckendes Radarsystem für alle Windfelder der Uckermark installiert haben. Dark Sky sollte alle Betreiber unter einen Schirm bringen. Kommt ein Flugzeug, schaltet sich die Befeuerung an. Es blinkt wieder. Ansonsten bleibt die Landschaft in rotlichtfreie Finsternis getaucht. Der Bürger kann schlafen.

Allerdings herrscht immer noch Zurückhaltung bei anderen Windfeldbetreibern. Die Mehrheit habe sich noch nicht vertraglich gebunden, informiert Thomas Herrholz, Geschäftsführer von Dark Sky. Notwendig sei deshalb eine zügige Klärung offener rechtlicher Fragen auf Bundesebene, die trotz der Umsetzungspflicht bis 2020 nicht ausgeräumt seien.

Es geht dabei um die technische Funktionsweise der Systeme. Im Kommentar zum Gesetz sind Transponder benannt. Die gibt es schon seit vielen Jahren. Die Geräte senden aus dem Flugzeug ein Signal, welches von den Windkraftanlagen empfangen wird. Daraufhin setzt die Nachtbefeuerung ein. Allerdings sind die Transpondersysteme behördlich nicht zugelassen. Außerdem sollen nicht alle Luftfahrzeuge ein solches Gerät besitzen. Angeblich besteht sogar die Möglichkeit, Transponder abzuschalten.

Klarheit vom Gesetzgeber

Betreiber mit eigenen technischen Lösungen auf zugelassener Radarbasis verlangen Klarheit vom Gesetzgeber. "Es wäre ein Unding, wenn man sich mit dem Einsatz nicht zugelassener Transponder-Systeme von der Pflicht zur Abschaltung des Blinkens freikaufen könnte", so Thomas Herrholz. "Unsere Kunden brauchen Klarheit und Planungssicherheit in dieser Sache, sonst wird weiterhin nur abgewartet."

Enertrag hat jetzt einen Testbetrieb mit 87 firmeneigenen Anlagen gestartet. Dazu sind zwei Radartürme aufgebaut worden, einer bei Dedelow und einer bei Penkun. Sie könnten die Nachtabschaltung von rund 400 uckermärkischen Anlagen in ihrer Reichweite regulieren. Testflüge mit kleinen Flugzeugen sollen jetzt die Sicherheit des modernen Radars in jeder Hinsicht untersuchen. Fallen sie zur Zufriedenheit aus, hofft Dark Sky auf den Zuspruch der Windfeldbetreiber in der Region und möglicherweise sogar landesweit. Das Unternehmen bietet seine Schirme auch in anderen Bundesländern an.

Radarmast bei Pinnow

Allerdings reicht das derzeit operierende Dark Sky nicht in die südliche Uckermark. Der Radarkreis endet etwa in Höhe Passow. Hier will nun die Windfirma Teut, die rund um Angermünde viele Anlagen betreibt, ansetzen. Auch Teut nutzt ein Radarsystem. Unter der Firmenbezeichnung Quantec Operations Teut GmbH bietet das Unternehmen allen infrage kommenden Interessenten einen Betrieb mit gemeinsamem zentralen Sensor-Standort an. Auch hier das gleiche Problem: "Die gesetzliche Regelung ist nicht rund", so Projektleiter Christian Häfner. Unter den Schirm würden bis zu 70 Anlagen in einem Umkreis von zwölf Kilometern passen. Die Baugenehmigung für den Radarmast bei Pinnow liegt bereits vor. "Wir gehen hier in Vorleistung", so Häfner. Jetzt hofft auch er, dass sich möglichst viele Windkraftkollegen eingliedern und nicht weiter zögern.

Zugelassene Systeme

Vorgeschrieben ist eine Nachtbefeuerung von Windenergieanlagen ab einer Gesamthöhe von 100 Metern. Bei großen Anlagen blinken nicht nur Leuchten auf der Gondel, sondern auch an den hohen Masten. Um das zu verändern, werden momentan zwei technische Varianten bundesweit diskutiert. Nach Angaben des Bundesverbands der Windenergie sind derzeit Aktivradar und Passivradar zugelassen, Transpondersysteme noch nicht. Beim Aktivradar sendet die Anlage Impulse aus, die vom Flugzeug empfangen werden. Beim Passivradar ist es umgekehrt. Hier werden vorhandene Funksignale empfangen. In beiden Fällen schalten sich die Signalleuchten ein. ⇥os

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