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Die PCK Raffinerie hat ihre Belegschaft informiert, dass in wenigen Tagen wie gewohnt Rohöl aus der Pipeline Freundschaft fließen soll.

Erdölversorgung
"Drushba" pumpt wieder

Ende der Leitung: Auf dem Gelände der PCK endet die Erdölleitung "Drushba", worüber eine Tafel nahe dem Rohrende informiert. Die Pipeline transportiert Erdöl aus Westsibirien nach Westeuropa. Sieben Wochen lang war sie wegen Verunreinigungenabgestellt.
Ende der Leitung: Auf dem Gelände der PCK endet die Erdölleitung "Drushba", worüber eine Tafel nahe dem Rohrende informiert. Die Pipeline transportiert Erdöl aus Westsibirien nach Westeuropa. Sieben Wochen lang war sie wegen Verunreinigungenabgestellt. © Foto: Oliver Voigt/MOZ
Michael Dietrich / 12.06.2019, 21:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Belegschaft der PCK ist am Mittwoch von Geschäftsführer Wulf Spitzley persönlich über die erfreuliche Nachricht informiert worden. In wenigen Tagen, genauer könne man das derzeit noch nicht sagen, erwarte PCK wieder Rohöl aus der Pipeline "Drushba" aus Russland. "Wenn alles gut läuft, dann können wir nach den Meldungen, die wir von der weißrussisch-polnischen Grenze erhalten, in den nächsten Tagen mit sauberem Öl aus der Leitung rechnen", sagte Wulf Spitzley. Die Erdölleitung ist dann länger als sieben Wochen außer Betrieb. "Unsere Mitarbeiter können sich nicht erinnern, dass es jemals einen so langen Stillstand gab", erklärte Spitzley.

Pipeline seit Abstellung dicht

Die Schwedter Raffinerie wurde vom Stopp des Erdöls an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen am 24. April kalt überrascht. Die Schwedter Anlagenfahrer waren gerade dabei, die eben im Großstillstand "Step 2" gewarteten und erneuerten Anlagen wieder anzufahren, als der 1963 in Gang gesetzte Erdölstrom über die "Drushba"  jäh abbrach. Für ein paar Tage konnten noch Reserven aus Lagertanks und das in der Pipeline befindliche Rohöl vor den mit Chloriden verseuchten Chargen genutzt werden. Die drei Gesellschafter der PCK organisierten eine Alternativversorgung über den Seeweg und die Rostocker Pipeline nach Schwedt. Über sie erreichte auch weiterhin russisches Öl, aber auch von anderen Lieferanten Schwedt, wenn auch in geringerer Menge und unter erhöhtem Aufwand. PCK konnte dadurch aber über die gesamte Sperrzeit der Drushba produzieren. Bis auf Einzelfälle von Lieferengpässen an Tankstellen konnte die Versorgung  der Region Ost- und Mitteldeutschland, die von den beiden betroffenen Raffinerien Schwedt und Leuna beliefert wird, bis heute abgesichert werden, hieß es in Schwedt

Das kontaminierte Erdöl aus der Pipeline soll den Worten Spitzleys zufolge nicht in Schwedt verarbeitet werden. Es wird aus der Leitung gepumpt und abtransportiert. PCK hatte technologisch bedingt und notgedrungen eine kleine Menge des verunreinigte Erdöls aufnehmen und verarbeiten müssen. Das geschah nach Auskunft der PCK Raffinerie jedoch in einer so stark verdünnten Form, dass die Anlagen dabei keinen Schaden nahmen. Dies konnten nicht alle betroffenen Raffinerien vermelden.

Der Verband der Mineralölwirtschaft hatte die Wiederaufnahme der Öllieferung über die Drushba-leitung am Dienstag bestätigt. "Die Weichen dafür wurden schon vor Pfingsten gestellt,  wir rechnen damit, dass Ende der Woche wieder sauberes Erdöl aus der Pipeline Schwedt und Leuna versorgt", gab Sprecher Alexander von Gerstdorff vom Bundesverbandes der Mineralölwirtschaft hörbar erleichtert zur Auskunft.

Spritversorgung fast stabil

Weil die Mineralölkonzerne während der Drushba-Krise selbst keine Statements abgaben, waren alle Presseanfragen bei dem Verband aufgelaufen, der wochenlang nur unisono zu beruhigen versuchte, dass die Versorgung der Tankstellen und Flughäfen grundsätzlich sichergestellt sei.

Das funktionierte bis auf Einzelfälle wirklich. Als wegen des Niedrigwassers im Rhein Ende 2018 die Erdölbelieferung westdeutscher Raffinerien in Gefahr war, lieferten Leuna und PCK, die über die Pipeline sicher versorgt waren, verstärkt Produkte in den bevölkerungsreicheren Westen, um dort Engpässe an Tankstellen zu vermeiden.

Die PCK-Belegschaft war in der Zeit verminderter Kraftstoffproduktion nicht von Kurzarbeit oder ähnlichem Arbeitszeitausfall betroffen.

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