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Die meisten Menschen wollen zu Hause sterben. Doch es gibt zu wenig spezialisierte Fachkräfte, die ihre Versorgung am Lebensende leisten.

Palliativmedizin
Wenn die Kraft zu Ende geht

Zuwendung bis zum Ende: Eine Fachschwester betreut einen Sterbenden im Krankenhaus. Die meisten Menschen wollen aber zuhause sterben. Spezialisierte Teams aus Ärzten und Pflegekräften sorgen für sie. Es gibt zu wenige von ihnen.
Zuwendung bis zum Ende: Eine Fachschwester betreut einen Sterbenden im Krankenhaus. Die meisten Menschen wollen aber zuhause sterben. Spezialisierte Teams aus Ärzten und Pflegekräften sorgen für sie. Es gibt zu wenige von ihnen. © Foto: Werner Krueper
Eva-Martina Weyer / 17.07.2019, 06:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Schwerstkranke und sterbende Menschen nicht allein zu lassen und ihnen Linderung zu verschaffen, ist das Ziel der Palliativmedizin. Sie wird am Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt, das ein anerkanntes Tumorzentrum ist, von einem engagierten Ärzte- und Schwesternteam gewährleistet. Doch wenn es aufs Ende zu geht, wollen die meisten Menschen zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung sterben. Sie wünschen sich einen würdevollen Abschied, pflegerisch und medizinisch gut betreut, möglichst im Kreise ihrer Angehörigen.

Seit 2007 haben Versicherte einen gesetzlichen Anspruch da-rauf. Er nennt sich spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Die wenigsten Betroffenen wissen das. Andererseits kann dieses Recht in der Uckermark nicht zufriedenstellend umgesetzt werden. Der Grund: Es gibt zu wenig spezialisierte Ärzte und – das ist noch viel wichtiger – zu wenig qualifiziertes Pflegepersonal.

Weite Wege zum Patienten

In Schwedt sind nur drei Hausärzte palliativ tätig. Im ganzen Landkreis fehlen gar 1000 Schwestern und Pfleger, die auf diesem Spezialgebiet den Patienten beistehen, die manchmal auch Kinder sind. Gerade die Pflegedienste sind es, die in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt die Schmerzmedikamente verabreichen, den Patienten versorgen und ihn sowie seine Angehörigen trösten. – Eine belastende Arbeit, die fachlich und seelisch hohe Anforderungen stellt.

Carmen Ristow kann sich dennoch keinen erfüllenderen Beruf vorstellen. Sie ist ausgebildete Palliativfachkraft und hat einen eigenen Pflegedienst in Gartz. Wie andere Pfleger auch fährt sie weit über Land, um bei ihren Patienten Leiden und Ängste zu lindern. Gern würde sie noch mehr in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung tätig sein, aber sie hat kein Personal. "Ich habe willige Mitarbeiter, die sich qualifizieren wollen. Aber ich brauche einfach einen freien Kurs", sagt sie. Das ist das Dilemma: In der MeSo-Akademie Eberswalde, die Palliativpflegekräfte ausbildet, sind alle Plätze belegt. Die anerkannte Weiterbildung dauert 160 Stunden und kostet zwischen 1500 und 2000 Euro. Außerdem müssen die Fachkräfte mindestens sechs Wochen Praxis in einem Hospiz nachweisen. Die Pflegedienste tragen nicht nur die Kosten der Weiterbildung, sondern müssen den Mitarbeiter während seiner Ausbildung auch entbehren. Hinzu kommt die Forderung der Krankenkassen, dass Leistungen in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung ausschließlich durch spezialisierte Pflegefachkräfte zu erbringen sind.

Hindernisse für gute Versorgung

Prof. Dr. Axel Matzdorff, Chefarzt und Leiter des Tumorzentrums im Asklepios Klinikum Uckermark, sind das zu viele Hürden. "Ich nehme das alles als ein Hindernis für eine gute Versorgung der Patienten wahr. Kriegen wir keinen extra-Kurs zusammen? Dass wir zu wenig Ärzte und Pfleger in der Uckermark haben, darf kein Freibrief sein, nichts zu tun. Außerdem brauchen wir die Unterstützung von der Politik, und zwar nicht nur in Wahlkampfzeiten. Die Politiker müssen verstehen, dass ländliche Regionen wie die Uckermark stärker unterstützt werden müssen."

Er wolle auf keinen Fall die Ausbildungsanforderungen senken, aber den finanziellen Zugang erleichtern. Außerdem will er den Pflegeberuf attraktiv machen. "Denn dieser Beruf mag anstrengender als andere sein und steht deshalb bei manchen Berufssuchenden vielleicht nicht an erster Stelle ihrer Wunschliste. Er gibt aber viel Erfüllung, die Dankbarkeit der Patienten ist nieRoutine."

Prof. Matzdorff baut deshalb ein Netzwerk auf zu Berufskollegen in anderen Krankenhäusern und zu Pflegedienstleistern. Und er unterstützt das Palliativ-Care-Team Barnim/Uckermark. Es hat seinen Sitz in Eberswalde und koordiniert den Einsatz von Palliativärzten und -Pflegediensten in beiden Landkreisen. Andrea Heenemann vom Koordinierungsbüro sucht spezialisierte Pflegekräfte und zeigt eine dramatische Entwicklung auf: "2016 haben wir mit 215 Fällen angefangen. 2018 waren es 480 Patienten und dieses Jahr sind es schon deutlich über 500."

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