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Die gerade erst begründete Stolper Tradition wurde nach dem ersten Festival im vergangenen Jahr nun mit einer Veranstaltung fortgesetzt.

Filmnacht
Junges Kino im alten Grützpott

Daniela Windolff / 13.08.2019, 07:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Der Film in Stolpe lebt. Zum zweiten Mal bot der imposante mittel-­alterliche Burgturm "Grützpott" die Kulisse für Kino der besonderen Art und ein Podium für jungen, unabhängigen Film. Nach der erfolgreichen Premiere des internationalen Filmfestivals "Woderous Storys" vor einem Jahr musste die geplante zweite Auflage zwar kurzfristig abgesagt werden, weil ein Hauptsponsor ausfiel. Doch dank der Unterstützung des Angermünder Bürgermeisters Frederik Bewer und des Stolper Dorfvereins schloss eine Filmnacht zumindest in kleinerer Form die Lücke.

Die lange Filmnacht im Grützpott erwies sich als alles andere als ein Lückenbüßer. Mehr als 60 Besucher drängten in den zum Kino umgewandelten Rundsaal des Turms, wichen auch auf Treppenstufen und Kissen aus, wenn die Stühle nicht ausreichten. Es wurde ein spannender, anregender Kino- und Gesprächsabend, der die Philosophie des Festivalgründers und Filmproduzenten Marcel Grant mit Leben erfüllte.

Phoenix aus dem Betonwerk

In Stolpe sollen junge Filmschaffende aus aller Welt ihre Werke öffentlich präsentieren können, die ohne Filmförderung und Kapital abseits der mächtigen Filmindustrie arbeiten – Filme mit hohem künstlerischen Anspruch, die nicht unbedingt zum gängigen Programm der Multiplex-Kinos gehören und dennoch ihr Publikum finden. So waren im vergangenen Jahr neben Berlinale-Beiträgen auch internationale Produktionen einer jungen Film- Avantgarde zu sehen.

Der Grützpott-Abend in diesem Jahr bot drei ganz unterschiedliche Filme. Mit besonderer Spannung besonders von einheimischem Publikum erwartet wurde der Dokumentarfilm "Phoenix aus dem Betonwerk" von Silke Gänger. Sie hat fast drei Jahre lang in Stolpe gedreht und die Veränderungen des Betonwerkes zu einer Kulturfabrik dokumentiert. Sie fängt in eindringlichen Bildern und unkommentierten Interviews mit Betonarbeitern, Leuten aus dem Dorf und zugereisten Künstlern, die das Industrie-Arial als Kulturbühne erobern, die langsame Transformation ein, die zugleich ohne Sentimentalitäten und doch sehr berührend ein Stück Zeitgeschichte im Wandel dokumentiert.

In den drei Jahren Filmarbeit sind in einem Teil des Geländes noch Betonringe produziert worden, wurde das Werk verkauft und von den letzten Arbeitern die Halle nach besenrein leer geräumt. Auf der anderen Seite des Werkes tanzen schrillbunte Künstler und nageln Gussformen als Kunst an Werkstattwände. Und mittendrin verwirklicht sich in der ehemaligen Werkskantine ein deutsch-irisches Pärchen den Traum vom eigenen Fahrradcafé.

Abschied als Europäerin

Drei Welten auf engstem Raum, die unterschiedlicher nicht sein können und ein Film, der nirgendwo besser hin passt als in eine Filmnacht in Stolpe. Das bot Stoff für angeregte Gespräche nach dem Film mit Regisseurin Silke Gänger und Protagonisten des Films, wie Betonarbeiter Siegmund Jakob, Fahrradmechaniker und Wirt Mike Nass oder Kulturparkchef Uli Kayser. Auch das macht die Kinoatmosphäre in Stolpe so einzigartig.

Ganz anders wirkte der Film "Datsche" der jungen Engländerin Lara Hewitt, die mit ihrer rollenden Datsche gerade quer durch Europa reist, um Abschied als Europäerin zu nehmen. Stolpe ist eine Station. Hier hatte ihr Spielfilm im vergangenen Jahr Premiere, der bisher nur in Amerika gezeigt wurde und es erst jetzt über einen Berliner Filmverleih am 3. Oktober ins Kinos schafft. In Stolpe wurde er bereits gefeiert, ehe die große Kinowelt ihn kennenlernt.

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