Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lehrer fehlen überall, männliche Exemplare sind an den Grundschulen Exoten. Die Lindgren-Schule hat jetzt ihren ersten Lehrer: Marvin Nartey.

Schule
Als Mann Exot im Lehrerkollegium

Der Neue: Marvin Nartey ist seit Schuljahresbeginn Lehrer an der Astrid-Lindgren-Grundschule. Der ehemalige Handball-Profi ist der einzige männliche Kollege im Lehrerkollektiv und unterrichtet Sport und Wirtschaft-Arbeit-Technik.
Der Neue: Marvin Nartey ist seit Schuljahresbeginn Lehrer an der Astrid-Lindgren-Grundschule. Der ehemalige Handball-Profi ist der einzige männliche Kollege im Lehrerkollektiv und unterrichtet Sport und Wirtschaft-Arbeit-Technik. © Foto: Michael Dietrich/MOZ
Michael Dietrich / 14.08.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 06:59
Schwedt (MOZ) Der junge Mann ist durchtrainiert, 1,91 Meter groß, eine imposante Erscheinung. In den ersten Stunden waren die Schüler überrascht, mittlerweile kleben sie an seinen Lippen und Beinen. Marvin Nartey ist der erste Lehrer der Schule. "Solange ich denken kann gab es an der Schule außer dem Hausmeister keinen Mann. Wir sind froh und glücklich, dass die Stelle der Kollegin, die sich in die Rente verabschiedet hatte, nahtlos wieder besetzt wurde", sagt Schulleiterin Catrin Deleroi, "und natürlich freuen wir uns auch über den ersten Mann und hoffen, dass so ein junger Kollege wieder neuen Schwung und etwas Pepp mitbringt."

Marin Nartey ist erst seit kurzem in Schwedt. Im Juni zogen er und seine Frau Pia nach Schwedt. Pia Nartey, geborene Hildebrand ist in Schwedt geboren, hat wie Marvin viele Jahre professionell Handball gespielt. Im dänischen Wybourg haben sich der gebürtige Berliner mit ghanaischen Wurzeln und die Handballerin aus Schwedt, die dort ihr Abi ablegte, kennen und lieben gelernt. Für Sport und Studium hatten beide zuletzt in Hildesheim und Heidelberg zu tun. Marvin Nartey beendete nach mehreren Verletzungen  den Profisport  und wurde Fitnesstrainer, Pia schloss ihr Lehramtsstudium ab. Jetzt zog es beide in die Heimat zurück. In der Nähe von Berlin gaben sich beide das Ja-Wort und mit den Zusagen für die Anstellungen in Schwedt zogen sie in die Nähe ihrer Eltern nach Vierraden.

Entscheidung für Schwedt

"Berlin wäre mir viel zu hektisch und aufregend", sagt der 35-Jährige und blickt in die Zukunft: "Wenn wir eine Familie gründen, ist es hier auch viel schöner und gesünder für Kinder." Dass Marvin Kinder um sich herum mag, kann man schon jetzt an der Schule beobachten. Der frühere Stürmer auf dem Handballparkett, der sich voll für den Torerfolg ins Zeug legte, kümmert sich heute rührend um die Schulmilch der Kinder, holt die Erstklässler schon aus dem Unterrichtsraum ab, um dem einen oder anderen noch beim Taschepacken zu helfen. Sein Alltag dreht sich jetzt um Stundenpläne und Hofpausen, um Sportunterricht und Tipps für gute gesunde Ernährung im Fach WAT. Handball spielt das junge Lehrerpaar zwar nicht mehr. Aber früh vor dem Unterrichtsbeginn wurden beide auch schon zusammen beim Joggen gesehen.

Im Kollegium mit 20 Lehrerinnen nennen ihn einfach alle Kollege, auch wenn er genaugenommen ein Quereinsteiger ist und seinen pädagogischen Abschluss berufsbegleitend einmal in der Woche in Eberswalde nachholt.

"Lehrer an Grundschulen sind ohnehin Exoten, so selten trifft man Männer in dem Job", sagt Kollegin Susann Scheerer-Graudenz. "Die Schüler aber sind begeistert, und die Jungs finden es auch richtig cool, zum ersten Mal von einem Mann unterrichtet zu werden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Willi Bald 23.08.2019 - 07:29:26

Nachtrag: @ W. Schulze

zufällig gab es gestern Abend einen Beitrag im RBB ( 19.30 Brandenburg Aktuell) zum Thema. Schauen Sie sich das an und treten dann mit dem Sender in einen Dialog. Ich gestehe nun Ihnen und auch dem Sender Fortschrittlichkeit zu, also sollten Sie sich dort mal aufklären lassen.

Willi Bald 22.08.2019 - 15:47:11

Den Erfolg von Maßnahmen

erkennt man am Ergebnis. Da Sie Herr Schulze der Meinung sind, dass es nicht darum geht Wissen abzufragen, muss ich an dieser Stelle auch nicht auf die Ergebnisse unseres Bildungssystems eingehen ( Schulabbrecher, nicht Erreichen des Schulziels , Studenten, die Schwierigkeiten haben Texte zu lesen, zu schreiben und zu verstehen, Ausbildungsbetriebe, die sich freuen, wenn mal eine "3" auf dem Zeugnis auftaucht). Da bleibt mir in der Tat nur übrig die Schüler zu fragen, ob sie einen Unterschied feststellen. Die Antwort kenne ich vorher, ebenso die Antwort auf die Frage, ob die Kinder bei diesem Wetter lieber baden gehen oder in der Schule sitzen. Ihre Meinungsäußerung könnte auch von Vertretern unserer aktuellen Brandenburger Regierungskoalition stammen, man ist ja schließlich fortschrittlich und muss sich im Gedankengut von antiquierter Sichtweise, ganz alter Schule und realitätsfernem Gedankengut trennen. Sie überzeugen mich nicht, auch wenn Sie sich hier doppelt äußern.

Matthias Schulze 22.08.2019 - 07:54:18

Ganz alte Schule und realitätsfern

@Willi Bald Genau diese antiquierte Sichtweise und die Vorstellung, es gäbe einen „Normalfall“, haben die erwähnten Probleme im Bildungswesen erst entstehen lassen. Sie disqualifizieren nicht nur das Angebot der HNEE in Eberswalde. Sie verkennen auch den dürftigen „Praxisanteil“ des universitären Bachelor- und Master Studienganges „Grundschulpädagogik“. Als ob der Mann nicht die curricula für das Fach WAT lesen könnte. Es geht im Übrigen darum, den Erwerb von Kompetenzen zu fördern und nicht darum zu testen, was Kinder wissen. Wenn Sie etwas wissen wollen, dann lassen sie sich von YouTube beschulen. Es geht Herrn Dietrich mithin nicht darum, sich über Quereinsteiger zu freuen, sondern darum zu zeigen, wie ein chronisch an fehlendem Personal leidendes Schulsystem versucht, die Herausforderungen der Gegenwart zu lösen. Fragen Sie erst einmal die Schüler, ob ihnen der Unterschied zwischen Quereinsteigern und dem „Modell Lehrer“ aufgefallen ist, bevor sie Wissen abfragen. Ich prognostiziere ein durchaus überraschendes Ergebnis in Sachen Output und Outcome.

Matthias Schulze 22.08.2019 - 07:51:06

Ganz alte Schule und realitätsfern

@Willi Bald Genau diese antiquierte Sichtweise und die Vorstellung, es gäbe einen „Normalfall“, haben die erwähnten Probleme im Bildungswesen erst entstehen lassen. Sie disqualifizieren nicht nur das Angebot der HNEE in Eberswalde. Sie verkennen auch den dürftigen „Praxisanteil“ des universitären Bachelor- und Master Studienganges „Grundschulpädagogik“. Als ob der Mann nicht die curricula für das Fach WAT lesen könnte. Es geht im Übrigen darum, den Erwerb von Kompetenzen zu fördern und nicht darum zu testen, was Kinder wissen. Wenn Sie etwas wissen wollen, dann lassen sie sich von YouTube beschulen. Es geht Herrn Dietrich mithin nicht sich über Quereinsteiger zu freuen, sondern darum zu zeigen, wie ein chronisch an fehlendem Personal leidendes Schulsystem versucht, die Herausforderungen der Gegenwart zu lösen. Fragen Sie erst einmal die Schüler, ob Ihnen der Unterschied zwischen Quereinsteiger und dem Modell Lehrer gemerkt haben, bevor sie Wissen abfragen. Ich prognostiziere ein durchaus überraschendes Ergebnis in Sachen Output und Outcome.

Willi Bald 14.08.2019 - 08:22:26

Große Begeisterung: Mann als Exot im Lehrerkollegium

bei aller Begeisterung glaube ich nicht, dass die Freude über Quereinsteiger Probleme im Bildungswesen lösen kann. lm Normalfall erfolgt ein Studium nach dem Abitur in den entsprechenden Fachrichtungen inclusive pädagogische-und psychologische Ausbildung. Eine Nebenbei Weiterbildung kann die Lehrerausbildung nicht ersetzen. Zukünftige Wissenstests in der Schülerschaft werden diese Tatsache abbilden.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG