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Am 14. September führt das theater 89 den dritten und letzten Teil des Open-Air-Spektakels "Die Heiden von Kummerow" auf.

Theater
Einmarsch in die Weltstadt Randemünde

Probe: Regisseur Hans-Joachim Frank gibt den jungen Darstellern für das Theaterprojekt "Die Heiden von Kummerow" Tipps. Der dritte Teil beginnt in diesem Jahr in der Angermünder Marienkirche.
Probe: Regisseur Hans-Joachim Frank gibt den jungen Darstellern für das Theaterprojekt "Die Heiden von Kummerow" Tipps. Der dritte Teil beginnt in diesem Jahr in der Angermünder Marienkirche. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 16.08.2019, 07:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Hinaus in die Ferne mit Butterbrot und Speck", lässt Ehm Welk die Dorfkinder singen, die sich zum ersten Mal auf den weiten Weg hinaus aus ihrem kleinen Kummerow in die große Stadt Randemünde begeben. Zu Fuß, nur mit Holzpantinen oder barfuß, ohne Stullenproviant, aber mit ganz viel kindlicher Abenteuerlust, ziehen sie heimlich los in die weite Welt, erleben unterwegs viele gefährliche Abenteuer und Schlachten mit Lehmklüten und Kartoffeln gegen die Welsowschen und Bietikowschen Lausebengels. Es ist die berühmte "Völkerwanderung", mit der am 14. September der  letzte Teil des einzigartigen Theaterspektakels "Die Heiden von Kummerow" beginnt.

Dreijahresprojekt als Wagnis

Damit hat das theater 89 unter der Regie von Hans-Joachim Frank künstlerisches Neuland betreten. Er führt den Roman als Dreijahresprojekt in der Landschaft auf, an Originalschauplätzen, die Ehm Welk beschreibt und macht die poesievolle Sprache, die tiefsinnige wie humorige Handlung und Ehm Welks Liebeserklärung an seine Heimat mit allen Sinnen erlebbar. Zehn Stunden Theaterspiel und Lesung, Naturerlebnis und Musik nonstop, das verbindet Publikum, Mitwirkende, Landschaft und Literatur so intensiv miteinander, wie es keine andere Theaterbühne vermag und zaubert eine Magie, die süchtig macht.

Das Projekt ist ein großer Erfolg, die dritte Vorstellung schon fast ausverkauft. Das Publikum hat sich darauf eingelassen, Wort für Wort dem gelesenen Originaltext zu lauschen, andächtig in die beschriebenen Bilder einzutauchen, von denen sie selbst ein Teil werden, und dem Spiel der Darsteller zu folgen, das ohne großes Brimborium und Action auskommt. Mehr als 20 Laiendarsteller aus dem Dorf schlüpfen in die Romanfiguren. Die meisten sind von Anfang an dabei und haben dabei nicht nur ihren berühmten Dorfdichter Ehm Welk für sich neu entdeckt, sondern auch die Liebe zum Theaterspiel und zu ihrer Heimat Biesenbrow. Die Inszenierung, die Geschichten, die Spielorte sind allerdings immer wieder neu. Nichts wiederholt sich. Jede Aufführung ist eine Premiere. In diesem Jahr beginnt die Aufführung mit der berühmten Völkerwanderung erstmals in Angermünde in der Marienkirche. Hans-Joachim Frank hat immer und immer wieder mit dem Roman in der Hand und den Bildern im Kopf die Schauplätze besucht und nachgespürt, wo sich die Handlungen am authentischsten und eindringlichsten erzählen und nachempfinden lassen. Die Ehrfurcht der Kinder vor der großen Stadt und der mächtigen Kirche könne man eben auch nur dort nachempfinden. Deshalb bezieht Frank auch dieses "wunderschöne Angermünde" in das Spiel ein. Danach geht es  nach Biesenbrow und der lange beschwerliche Marsch der Kinder lässt sich vielleicht ein wenig nachvollziehen, wenn auch im Auto viel komfortabler.

Kuhkoppel als Bühne

In Biesenbrow wird unter anderem auf einer Kuhkoppel und in einem alten Stall gespielt. Dorfbewohner und Landwirte stellen wieder ihre Grundstücke für die Theaterleute zur Verfügung. "Es ist wundervoll, Ehm Welks Worte dort zu lesen, wo die Handlung auch spielt und so diese Landschaft zu erleben, die er als Kind gesehen und als Dichter beschrieben hat", schwärmt Hans-Joachim Frank.

Doch noch mehr berührt den Regisseur die tiefe Botschaft von Menschlichkeit und Mitgefühl, die Ehm Welk in seinem Roman ausdrückt. "Es ist kein lustiges Kinderbuch, auch wenn ich mich manchmal kaputtlache. Ehm Welk teilt tüchtig aus gegen Missgunst, Machtgier, Dummheit und Feigheit und lässt keinen Erwachsenen ungeschoren. Er hat leider noch immer Recht."

Programm "Die Heiden von Kummerow"

Die Eröffnung des 3. und letzten Teils der "Heiden von Kummerow" beginnt in diesem Jahr am 14. September um 10 Uhr in der Angermünder Marienkirche.  Nach einer Andacht von Pfarrer Eisentraut und Begrüßung durch die Landrätin und den Bürgermeister beginnt das Kapitel "Die Völkerwanderung".

Um 12 Uhr ist individuelle Abfahrt nach Biesenbrow, um 13 Uhr Begrüßung vor der Kirche. Es folgen die Kapitel "Der Gerechte erbarmt sich seines Vieh", "Aber die Papiere", "Die Martinsgans", "Mächte der Finsternis", "Das Scherbengericht", "Die Austreibung". Die Kapelle "The Rathmines" führt zu den Schauplätzen. Gastronomie ist vor Ort.⇥dw

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