Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tierliebe Greiffenbergerin päppelt seit einigen Wochen ein verwaistes stachliges Quintett auf.

Protest
Flickwerk auf der Landesstraße bei Herzsprung

Die drei sind sauer: Michael Branding (l.) vom Ortsbeirat Bölkendorf, Tobias Kniebel, Ortsvorsteher Herzsprung, und Ralf Radebach, Ortsvorsteher von Bölkendorf, demonstrieren den desolaten Zustand einer Straße, die dem Land Brandenburg gehört.
Die drei sind sauer: Michael Branding (l.) vom Ortsbeirat Bölkendorf, Tobias Kniebel, Ortsvorsteher Herzsprung, und Ralf Radebach, Ortsvorsteher von Bölkendorf, demonstrieren den desolaten Zustand einer Straße, die dem Land Brandenburg gehört. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 11.09.2019, 06:15 Uhr
Herzsprung (MOZ) Ohne Vorankündigung stehen plötzlich Sperrschilder auf der Straße. Baustelle. Kein Auto kommt durch. Alle müssen einen Riesenumweg zurück über Angermünde fahren. Oder über Feldwege. Doch die Leute in Herzsprung und Bölkendorf murren zunächst kaum. Denn sie hoffen auf eine Sanierung der völlig desolaten Landesstraße, die ihre Orte verbindet. Die Strecke führt von der Abfahrt der Bundesstraße 2 (bei Angermünde) über Herzsprung, Bölkendorf bis nach Parstein und dort auf die B 158. Doch als die Baustellenschilder weg sind, macht das Ergebnis der Baumaßnahme die Menschen auf den Dörfern sprachlos. Der Landesbetrieb Straßenwesen hat Split und Bindemittel auf die Huckelpiste kippen lassen und breit gefahren. Das wars.

Schlaglöcher und tiefe Furchen

"Rausgeschmissenes Geld", sagt ein Anwohner und schüttelt den Kopf. Vor seiner Einfahrt hat er selbst kleine Feldsteine in einer ausgespülten Senke befestigt, weil er sonst nicht mal von der Straße auf seinen Hof kommt, ohne mit dem Auto aufzusetzen.

Mitten in Herzsprung sind auch die alten Schlaglöcher geblieben. Noch schlimmer: Ein in den 1960er-Jahren mit alten Betonplatten ausgelegter Abschnitt in Bölkendorf ist ebenfalls unberührt. Daneben zieht sich eine tief ausgespülte Furche entlang – eine von der Natur angelegte Regenentwässerung. Die scharfen Kanten sind Reifenkiller, deutlich sichtbar an den schwarzen Streifen.

"Seit der Wende ist außer an einem kleinen Stück im Ort nie etwas an der Straße gemacht worden", schimpft Michael Branding vom Ortsbeirat Bölkendorf. "Und das hier ist nach einem Winter wieder total kaputt. Das hat keinen Halt, da wurden keine Sanierungsarbeiten gemacht, keine Befestigung. Ein grauenvoller Zustand." Seit Jahren diskutieren die Ortsbeiräte in den betroffenen Dörfern immer wieder über die Situation. Nichts passiert.

"Es gibt keine Regenentwässerung innerorts, das Wasser steht in Pfützen auf der Straße, spritzt an die Häuser. Die Leute tun einem leid. Die ganze Nummer hier ist witzlos. Nonsens", ärgert sich Tobias Kniebel, Ortsvorsteher von Herzsprung. Touristen sind verunsichert, manche Berliner trauen sich nicht, bei Gegenverkehr mit den Autos über den Straßenrand zu fahren, bleiben gar stehen.

"Wir haben wirklich gedacht, dass jetzt endlich mal eine Bitumenschicht aufgebracht wird", erklärt Michael Branding. "Naiv. Stattdessen fühlt man sich völlig verscheißert."

Doch der Angermünder Straßenmeister Ralph Schmalz-Hoppe vom Landesbetrieb Straßenwesen hebt die Hände. Nur die bereits asphaltierten Flächen seien neu versiegelt worden. Neubau darf er gar nicht veranlassen. Er bestätigt, dass die Straße in schlechtem Zustand ist. Doch aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens gebe es anderswo Prioritäten.

Ein Fall für die Politik also. Doch genau hier liegt vermutlich das Problem. Denn die L 283 findet sich auf der Liste derjenigen Landesstraßen wieder, die das Land Brandenburg sowieso nicht mehr haben und den Landkreisen überhelfen will. Da bleibt die Sanierung aus. Ein Ausgleichbetrag soll das zweifelhafte Geschenk versüßen. Danach muss sich die Uckermark mit der Sache herumplagen. Die Ortsbeiräte befürchten, dass möglicherweise sogar Angermünde die Huckelstrecke als abgestufte Gemeindestraße erhält.

Bei Ortspolitikern und Einwohnern wächst die Wut. "Das ist reale Politik auf dem Lande", so Michael Branding. "Kein Wunder, wenn bei der nächsten Wahl 100 Prozent für die AfD sind."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG