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Tierliebe Greiffenbergerin päppelt seit einigen Wochen ein verwaistes stachliges Quintett auf.

Naturschutz
Igel vor sicherem Tod bewahrt

Kerstin Unger / 11.09.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 11.09.2019, 08:38
Greiffenberg (MOZ) Ungewöhnliche Schützlinge haben seit ein paar Wochen Quartier auf dem Hof der Familie Erlautzki in Greiffenberg bezogen. Fünf junge Igel wurden hier vor dem sicheren Tod bewahrt.

Als Elke Erlautzki vor etwa sieben Wochen abends ihre Runde auf dem Grundstück machte, um zu sehen, ob ihre Hühner, Kaninchen und Enten ihre Ordnung haben, kam eine Bekannte mit einem Problem vorbei. Das bestand aus einem Eimer mit sechs Mini- Igeln, so groß wie Mandarinen. Die Igelmutter war tot, wahrscheinlich von einem anderen Tier zerfleischt.

Elke Erlautzki hatte schon öfter untergewichtige Igel über den Winter gebracht. "Aber mit so kleinen hatte ich gar keine Erfahrung", erzählt sie. Ihre Tochter hat deshalb im Internet recherchiert. Wie sich herausstellte, steht Igelnachwuchs auf Kondensmilch und hat ihn auch gut vertragen. Eigentlich wird nur Wasser empfohlen. Anfangs bekamen sie die Milch mehrmals am Tag ins Mäulchen geträufelt. Nachts muss Elke Erlautzki arbeiten. Sie steht ab 2 Uhr in der Backstube der Bäckerei Schmidt in Greiffenberg.

Einer der jungen Igel hat es leider nicht geschafft. Vermutlich war er ebenfalls verletzt oder hatte eine Entzündung. Die anderen fünf Geschwister entwickeln sich jedoch prächtig und haben ihr Gewicht inzwischen bereits etwa verdoppelt.

Mittlerweile fressen die stachligen Gesellen Katzenfutter, Fleisch und Eier, allerdings nur nachts. Am Tag kuscheln sie sich im Schuppen ins Heu. "Die sehen so süß aus", ist Enkelin Lennia begeistert, die der Oma ab und zu bei der Betreuung hilft und keine Angst vor Piksern hat, wenn sie die Kleinen in die Hand nimmt.

Von Oma Elke weiß die Vierjährige, dass Igel Wildtiere sind und bleiben. Über Winter wird das Quintett bei freier Kost und Logis weiter aufgepäppelt, denn das Mindestgewicht für den selbstständigen Winterschlaf haben sie noch nicht erreicht. Im Frühling können sie dann hoffentlich in die Freiheit entlassen werden. Natürlich an einem geschützten Ort. "Hier auf der Straße werden viele Igel überfahren. Das macht mich traurig, vor allem wenn es welche sind, die ich über Winter durchgefüttert habe", sagt die 54-Jährige. "Ich erkenne sie. Alle haben ein anderes Gesicht."

Ente Schnöterli als Nachbarin

Elke Erlautzki opfert gerne Zeit für die Igel. Sie ist in Günterberg mit Tieren aufgewachsen. Die Eltern hatten Schweine und Kühe. "Als ich herzog, war mir klar: Ohne Tiere möchte ich nicht leben. Ein Beweis für ihre Tierliebe hat zwei Beine und einen roten Schnabel. Ente Schnöterli wird nächstes Jahr 20. Elke Erlautzki hat das im Wald ausgesetzte Tier vor Jahren gerettet und als Zuchtente behalten.

"Sie hat viele Nachkommen ausgebrütet, die zum Essen geschlachtet wurden. Dann sollte wenigstens sie eines natürlichen Todes sterben." Inzwischen hat Schnöterli die Lebenserwartung erreicht, die bei guter Pflege möglich ist und wird bestimmt noch eine schöne Zeit im Garten zwischen Kaninchen, Hühnern und Hunden haben.

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