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Das Ablassen der Fischteiche ist ein Touristenmagnet. Dieses Jahr sind die Karpfen etwas schmaler.

Schaufischen
Großes Karpfen-Spektakel an der Blumberger Mühle

Alles was kein Karpfen ist, kommt in einen gesonderten Bottich: Das Abfischen ist eine harte Arbeit. Die Fischer stehen bis zur Hüfte im Wasser, um die Netze zu halten. Drinnen zappelt der Fang.
Alles was kein Karpfen ist, kommt in einen gesonderten Bottich: Das Abfischen ist eine harte Arbeit. Die Fischer stehen bis zur Hüfte im Wasser, um die Netze zu halten. Drinnen zappelt der Fang. © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 21.10.2019, 08:00 Uhr - Aktualisiert 21.10.2019, 09:41
Angermünde (MOZ) Karpfen haben Kraft. Auch wenn ihnen das Wasser ausgeht. Die Fischer müssen schon mächtig in die Netze greifen. Bis zu den Hüften stehen sie im Teich der Blumberger Mühle. Dann "angelt" der Hebekescher eine ganze Ladung zappelnder Karpfen heraus. Ein kurzer Luftweg – schließlich schwimmen die Silberleiber im Wasserbecken eines Lastwagens. Bereit zum Abtransport. Ihre Reise endet in irgendeinem Gefrierfach oder in der Pfanne.

Das jährliche Spektakel an der Blumberger Mühle ist ein Touristenmagnet. Und obwohl es die meisten Menschen der umliegenden Orte schon mindestens einmal begleitet haben, zieht an diesem Morgen wieder ein endloser Strom von Wanderern durch das ausgedehnte Teichgebiet. Ganze Dorfgemeinschaften treffen sich am Rand. Mit Glühwein und Fischbuletten. Und einem frischen Karpfenstück aus dem Räucherofen.

An den Fischteichen der Blumberger Mühle fand der traditionelle Fischzug am Sonnabend statt.
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Fischzug an der Blumberger Mühle

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Der große Fischzug bei Angermünde hat etwas Ursprüngliches. Doch in diesem Jahr wäre die "Ernte" nicht ins Wasser, sondern fast ins Trockene gefallen. Wegen der extremen Dürre und der Wassernot bangte Klaus-Peter Gensch, Chef und Eigentümer, um seinen Fischereibetrieb. Schließlich ließ er einen angrenzenden Teich früher leeren und nutzte dessen Wasser, um das publikumsträchtige Abfischen doch noch zu retten. Fischerehre.

Unablässig zieht der Kescherarm die Karpfen heraus. Jedes Mal rund 100 Kilo. Zwischen 13 bis 15 Tonnen Karpfen sind im Teich. Andreas Schulz notiert – im Wasser stehend – auf einem Zettel penibel die Anzeige der elektronischen Waage. Vor 35 Jahren hat er hier sein Berufsleben mit einem Praktikum begonnen. Diesmal sind die Fische wesentlich kleiner, bringen statt zweieinhalb bis drei nur zwei Kilogramm auf die Waage. "Wir konnten wegen des Wassermangels nicht füttern", sagt Schulz. Doch der warme Sommer brachte dafür automatisch mehr Naturnahrung mit Wasserflöhen und Bodentieren. Ansonsten bekommt der Karpfen Getreide auf den Speiseplan, zum Beispiel Weizen. Er ist im Gegensatz zu anderen Fischen in der Lage, sogar härtere Körner zu zermalmen. Bei so vielen Fischteichen kommen bis zu 100 Tonnen Futtergetreide pro Jahr zusammen. Intensivhaltung mit Pellets aus DDR-Tagen gibt’s nicht mehr.

Gebraten zum Fest

Der Karpfen zählt zu den Lieblingen der Uckermärker. "Der ist immer zuerst alle", wundert sich Klaus-Peter Gensch einmal mehr. Direkt vor Ort holen sich die Besucher ihren "Beutezug" für das traditionelle Silvesteressen. Die Blumberger Mühle veranstaltet gar Ucker-Karpfen-Futtern mit Drei-Gänge-Menü in der Weihnachtszeit. Konkurrenz zur Gans.

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