Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Obwohl die Uckermärker so viel sortieren wie noch nie, müssen sie dafür immer mehr bezahlen. Ursache sind Preisschwankungen. Ein deutschlandweites Problem.

Abfallgebühr
Müllentsorgung wird teurer in der Uckermark und deutschlandweit

Oliver Schwers / 08.01.2020, 06:30 Uhr
Prenzlau (MOZ) Wer weniger Müll produziert, muss weniger zahlen – diese einfache Logik ist lange vorbei. Durch immer tiefere und kompliziertere Sammelsysteme wird heute mehr getrennt als je zuvor. Hausmüll darf in Deutschland nicht mehr einfach in Löcher oder auf Halden gekippt werden. Doch billiger wird es dadurch nicht. Das haben die Uckermärker zu Beginn des neuen Jahres erfahren, als die Abfallbescheide ins Haus trudelten. Wieder ist die Entsorgung teurer geworden. Diesmal um durchschnittlich zwölf Prozent. Auch im Barnim kommt eine kräftige Gebührensteigerung.

Tatsächlich würde es mit Sicherheit weniger kosten, wenn alle Abfälle aus den Haushalten einfach in eine große Tonne kämen und durch Verbrennung Strom oder Wärme produziert würde. Doch das ist politisch nicht gewollt, denn im Müll stecken wertvolle Rohstoffe. Was heute zur Entsorgung kommt, war noch nie so wertvoll. Viele Elektronikgeräte funktionieren noch. Möbel haben nur eine kurze Lebenszeit. Wegwerfartikel nehmen drastisch zu. Auch Verpackungsabfälle.

Also wird getrennt, was zu trennen ist. Mit immer neuen Technologien. Und genau das bestimmt die Preise: Höhere Tarife für die Beschäftigten, steigende Kraftstoffkosten, Lkw-Maut, gesetzliche Standards, Sicherheitsvorschriften. Um 1,5 Millionen Euro sind die Entsorgungskosten für dieses und nächstes Jahr gestiegen. Insgesamt schlägt der Müll im Landkreis mit 13 Millionen Euro zu Buche.

Was die kreiseigene Uckermärkische Dienstleistungsgesellschaft (UDG) einsammelt, fährt sie zum Schwedter Recon-Werk. Dort beginnt das Recycling. Eine eigene Mülltrennungsanlage würde sich nach Ansicht von UDG-Chef Thomas Hacker nicht lohnen. Dafür sei das Restmüllaufkommen mit nur noch rund 30 000 Tonnen im Jahr zu gering. Hinzu käme ein Akzeptanzproblem bei der Bevölkerung in solchen Fällen. Außerdem sei man mit dem Partner seit Jahren zufrieden. Die Verwertungsanlage vor der Tür spart zudem Transportaufwand.

Altpapierpreis sinkt und sinkt

Was die Entsorger wurmt, sind drastische Einbußen bei wertvollen Rohstoffen. Denn der Verkauf von Altpapier, Schrott oder Holz senkt die Müllgebühr. Doch seit 18 Monaten fallen nach Angaben der UDG die Altpapierpreise. "Tendenziell geht es gegen null", berichtet Hacker.

Gleiche Entwicklung bei Altholz, das zum Beispiel aus gebrauchten Möbeln kommt. Hier steigen die Verwertungspreise permanent. Aufgrund des generell hohen Holzaufkommens wegen Waldschäden durch Dürre, Schädlinge oder Windbruch sind überall die Lager voll. Noch vor ein paar Jahren lagen Holzverwerter um den nachwachsenden Rohstoff im Konkurrenzkampf. Außerdem ist der Winter so mild, dass viel weniger Material für die Verbrennung benötigt wird.

Durch europaweite Ausschreibungen hat die UDG eine gewisse Entsorgungs- und damit Kalkulationssicherheit. Ein zusätzlicher Kostentreiber ist aber das exorbitant hohe Aufkommen an Grün- und Parkabfällen in der Uckermark. Der Landkreis gehört zu den Spitzenreitern und liegt weit über dem Landesdurchschnitt. Das ist so gewollt. Weil die Bürger Laub, Äste, Rasenschnitt und Sträucher in unbegrenzter Menge zu den Wertstoffhöfen bringen können, wächst der Kompostberg. Dafür hat die Uckermark kaum noch illegale Ablagerungen dieser Art – eine politische Entscheidung. Die Entsorgungskosten sind in der allgemeinen Müllgebühr enthalten. Und so fahren eben auch gern Menschen aus angrenzenden Kreisen mit ihrem Grünzeug in die Uckermark hinüber, weil es daheim Geld kostet.

Die von landespolitischer Seite immer wieder geforderte Einführung einer eigenen Bio-Tonne lehnt der Kreistag ab. Eine Untersuchung hat ergeben, dass schon aufgrund der zusätzlichen Fahrkilometer ein solches System völlig unökologisch im ländlichen Raum wäre.

Dennoch steht die Müllabfuhr in der Kritik, weil das Entsorgungssystem die eigentliche Müllvermeidung quasi nicht belohnt. Der Bürger muss die 14-tägliche Entleerung bezahlen, egal ob er die Tonne herausstellt oder nicht. Ein dreiwöchiger Rhythmus soll aus hygienischen Gründen nicht möglich sein.

"Wir sind mit dem Trennverhalten der Bürger sehr zufrieden", bestätigt Frank Czeslick von der Kreisverwaltung. Die meisten Haushalte würden nur noch eine 60- oder 80-Liter-Tonne besitzen. Im Landesvergleich könne das Uckermark-System mithalten, weil in der Gebühr viele Leistungen enthalten seien, die andernorts extra bezahlt werden müssten.

"Unser großer Wert ist das kommunale Unternehmen", erklärt Landrätin Karina Dörk. "Beim Müll gibt es kein Gewinnstreben."

Abfallentsorgung wird digital

Bleibt dennoch die Frage nach dem Bonus für die Müllvermeidung. Die UDG will jetzt die Abfallentsorgung digitalisieren. Jede Tonne bekommt einen eigenen Chip. Das funktioniert andernorts schon längst. Künftig könnte auch hier durch Datenübermittlung das Entleerungssystem verändert werden, um die Fuhrparkkosten zu verringern. Denn die Hälfte aller Entsorgungskosten entfällt auf das Einsammeln, Transportieren und Behandeln des Hausmülls. Technisch möglich wäre zum Beispiel eine Meldung direkt ins Müllfahrzeug, welche Tonne voll ist und wo sie auf die Straße gestellt wurde. Automatisch könnte danach die Müllmenge eines jeden Bürgers berechnet werden sowie die Anzahl der Entleerungen.

Doch das funktioniert nur in Einfamilienhäusern, also auf dem Lande. In Städten und an Wohnblöcken könnte also ein anderes System greifen. Andererseits fahren Müllautos über die Dörfer viel weitere Wege, was Kosten verursacht. "Wir müssen bei allen Überlegungen auch für eine Gleichbehandlung in Stadt und Land sorgen", sagt Frank Czeslick. Daher bleibt die immer wieder kritisierte vorgeschriebene Mindestbehältergröße bestehen.

Kalkulationerstellen

Alle zwei Jahre müssen die Benutzungsgebühren für die Abfallentsorgung neu kalkuliert werden. Das schreibt das Kommunalabgabengesetz in Brandenburg vor. Die Landkreise sind damit beauftragt. Kommt es zu unverhofften Mehreinnahmen oder Mehrkosten, so fließen diese Differenzen in die Berechnungen der Folgejahre ein. Dabei werden auch Ergebnisse von Hausmüllanalysen berücksichtigt wie zum Beispiel der Füllgrad von Abfalltonnen oder der Entleerungsrhythmus. 2018 und 2019 gab es Negativergebnisse in der Bilanz.⇥os

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG