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Prävention
Das Internet vergisst nichts

Kerstin Unger / 13.01.2020, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Vor Beginn der Stunde legen die Schüler der siebten bis neunten Klassen des Einstein-Gymnasiums ihre Mobiltelefone ab. Die Älteren dürfen sie in der Schultasche lassen, weil sie es ab und zu im Unterricht brauchen. Und das aus gutem Grund. Damit andere Schüler oder Lehrer zu filmen und ins Internet zu stellen, kann vor Gericht enden, wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden und daraus noch Schlimmeres resultiert. Manch einem Schüler ist das nicht klar. "Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", warnt Elenore Nabel, die kürzlich am Gymnasium darüber aufklärte, wann man Grenzen überschreitet und was das für Folgen haben kann.

Die Polizistin der Inspektion Uckermark vom Sachgebiet Prävention ist oft an Schulen unterwegs, um über Cyberkriminalität und die Gefahren durch leichtsinnigen Umgang mit dem Handy zu sprechen. Auch Eltern informiert sie über ihre Fürsorge- und Aufsichtspflicht und rät hinzugucken, wo und wie ihre Kinder im Netz unterwegs sind.

Eigenkompetenz ist gefragt

"Wir leben in einer Mediengesellschaft. Es geht keinesfalls um Medienschelte. Das Problem liegt auf der Seite der Nutzer. Die Frage ist also: Wo fängt Cybermobbing an und hört damit der Spaß auf", sagte der Lehrer Heiko Seefeldt zur Einführung. Auch im Unterricht werde darüber gesprochen. Doch aus berufenem Mund wirken Warnungen vielleicht noch mehr, hofft er.

Elenore Nabel hat jahrelang bei der Kripo gearbeitet. "Wir hatten immer wieder mit Kindern und Erwachsenen als Tatverdächtigen und Geschädigten zu tun, die sagten: "Es war doch nicht so gemeint", erzählte sie. Soziale Medien als Kommunikationsmittel seien heutzutage nicht mehr wegzudenken. "Aber es werden oft zu viele Dinge preisgegeben, weil man denkt, man ist allein und draußen sind alles Freunde. Mit der Nutzung sozialer Medien werden Rechte abgegeben. Kommentare, Bilder und Videos gelangen in die Öffentlichkeit, ohne dass wir es wissen, für kriminelle Machenschaften das beste Terrain", so die Polizistin. Vorsicht sollten die Jugendlichen bei freizügigen Fotos und anzüglichen Aufforderungen walten lassen. Elenore Nabel berichtete von einem 13-jährigen Mädchen. Es fühlte sich in seiner Klasse nicht wohl und schilderte ihre Sorgen in den sozialen Medien. Dort traf es auf jemanden, der sich ihr Vertrauen erschlich und aufforderte, freizügige Fotos zu machen, um das Mädchen schließlich damit zu erpressen. Zum Glück vertraute es sich seinen Eltern an. "Das Internet vergisst nichts. Es fehlen Kontroll- und Sanktionsmechanismen", weiß Elenore Nabel.

Auch Weiterleiten wird bestraft

Kein Kavaliersdelikt seien Äußerungen gegen andere Personen- und Völkergruppen, machte sie klar. Bestraft werden zudem gewaltverherrlichende Inhalte, auch wenn man sie nur weiterleitet. Die Verletzung von Persönlichkeits- und Urheberrechten wurde ebenso angesprochen wie die Gefahr, sich mit der Preisgabe persönlicher Informationen den Berufsweg zu verbauen.

Mit einigen Hinweisen zu möglichen Strafen und was man tun kann, wenn man selbst Opfer von Cybermobbing wird, endete der Vortrag. "Überlegt, was ihr preisgebt", riet Elenore Nabel den Schülern und hofft, dass ihnen für den Umgang mit Internet und sozialen Medien manches bewusster geworden ist.

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