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Stadtpolitik
Bürgermeister betont: "Wir dürfen nicht beliebig werden"

Voll Zuversicht: Frederik Bewer, Bürgermeister der Stadt Angermünde.
Voll Zuversicht: Frederik Bewer, Bürgermeister der Stadt Angermünde. © Foto: Christin Neujahr
Daniela Windolff / 14.02.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 14.02.2020, 07:42
Angermünde (MOZ) Anspruchsvoll sind die Aufgaben, vor denen die Stadt Angermünde derzeit steht, die in den kommenden Jahren auf Verantwortliche zukommen. Details ließ sich die Märkische Oderzeitung vom Stadtoberhaupt erklären.

Herr Bewer, welche drei Schlagworte prägen für Sie als Bürgermeister das Jahr 2019?

Frederik Bewer: Zuerst: Mittelzentrum. Dass Angermünde das geschafft hat, ist für mich eine historisch gute Nachricht und auch der bisher schönste persönliche Erfolg in meiner Amtszeit, denn ich habe mich sehr dafür eingesetzt, obwohl es auch Skeptiker gab, die mir abrieten. Jetzt erarbeiten wir ein Mittelbereichskonzept, das auch unsere Umlandfunktionen beschreibt, die bis in die Ämter  Oder-Welse, Joachimsthal und Britz-Chorin reichen, mit denen wir ja schon zusammenarbeiten. Es ist kein Schachbrettspiel, sondern soll die tatsächlichen Lebensbeziehungen der Menschen widerspiegeln, für die wir als Verwaltung die Rahmenbedingungen schaffen.

Zweitens: Bahnausbau. Das 2. Gleis nach Stettin und die geplante halbstündige Taktung nach Berlin ist für die Stadt als Drehkreuz zwischen den Metropolen eine große Chance, für Pendler noch attraktiver zu werden.

Drittens: Insek. Mit dem Integrierten Stadtentwicklungsprogramm hat Angermünde erstmals gemeinsam mit den Ortsteilen ein einheitliches Leitbild. Auch der damit verbundene Bürgerbeteiligungsprozess war für uns als Verwaltung eine neue Erfahrung.

Wo sehen Sie für 2020 die größten Herausforderungen?

Wir haben, wie aufgezählt, viel auf den Weg gebracht und in der SVV wichtige Beschlüsse gefasst. Jetzt müssen wir uns darauf konzentrieren, das auch mit aller Energie umzusetzen.

Was kann die Stadt in Sachen Bahnausbau tun?

Wir sind selber aktiv geworden, um die Parkplatzsituation zu verbessern. Dazu hatte ich  Anfang 2019 Gespräche mit der Bahn geführt und deutlich gemacht, dass wir mehr Parkflächen für ihre Kunden brauchen! Wir konnten als Stadt nun 4000 Quadratmeter Bahnflächen auf dem Gelände neben dem bestehenden großen P&R-Parkplatz ankaufen. Außerdem haben wir die städtische Fläche vor der Braue in der Heinrichstraße als Parkplatz neugestaltet, den sowohl Bahnreisende als auch Besucher der Braue nutzen können. Das passt gut ins Insek. Denn die Entwicklung des Bahnhofviertels ist ein wichtiger Schwerpunkt dieses Konzeptes.

Insek weckt Erwartungen.

Ja, es gab durch die rege Bürgerbeteiligung vor allem in den Ortsteilen zahlreiche konkrete Anregungen, Ideen und Wünsche. Insek ist jedoch nur ein Leitbild, ich bezeichne es als Philosophie, die die Richtung weist. Statt kleinteilig zu denken und zu planen, müssen sich alle Maßnahmen künftig in dieses Große und Ganze einfügen.  Ohne Insek wird es auch keine Fördermittel geben. Ich wünsche mir, dass der Schwung und das Gemeinschaftsgefühl des Insekprozesses anhält und der Slogan "Wir sind 24" ins Bewusstsein dringt.

Und wie kann das gelingen?

Ich möchte die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten intensivieren und habe erstmals nicht nur die Ortsvorsteher, sondern auch alle Mitglieder zu Treffen eingeladen und neue, handlichere Formen für die Arbeit mit den Ortsbeiratsprotokollen eingeführt, damit nichts durch die Lappen geht. Die Mitarbeiterin im Büro der SVV, Hedwig Müller, ist nun auch direkte Ansprechpartnerin für die Ortsteile. Die Ortsbeiräte sind für mich Kollegen vor Ort, die am kompetentesten die Probleme ihrer Orte kennen und wichtigstes Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgern vor Ort sind.

Bürgerbeteiligung ist mir bei allen wichtigen Themen ein Anliegen. Dafür wollen wir auch  neue, attraktive Formate finden, wie die Friedhofsbegehung im letzten Herbst, die überraschend gut ankam. Wir haben  seit einem Jahr eine Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung, Christin Neujahr, die unter anderem die Homepage neugestaltet hat, Presse und Facebook als Informationskanäle nutzt, Initiativen betreut und Ansprechpartner für viele Netzwerke ist. Das erste Jahr wollen wir jetzt auswerten und gucken, was verbessert werden kann, damit die Bürger sich informiert und einbezogen fühlen. Denn vieles, was im Rathaus passiert, ist nach außen hin kaum sichtbar.

Wie sehen Sie Angermünde in 10 oder auch 20 Jahren?

Ich hoffe, dass das, wovon wir heute reden, dann sichtbar ist: eine bunte Bildungslandschaft mit verschiedenen Schulformen und einer neuen, modernen staatlichen Grundschule, einer neu gegründeten freien Grundschule, Eigenheim- und Wohnungsbau, wofür wir derzeit intensiv Flächen im Stadtbereich prüfen, stabile Einwohnerzahlen und vielleicht Zuwachs, ohne so groß wie möglich werden zu wollen, weil der Charakter unserer Kleinstadt sie so einzigartig und lebenswert macht. Wir dürfen nicht beliebig werden.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2020?

Dass unser Kind gesund auf die Welt kommt!

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