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Corona
Strengste Regeln für Schulen und Heime in der Uckermark

Oliver Schwers / 13.03.2020, 17:52 Uhr - Aktualisiert 14.03.2020, 10:39
Prenzlau (MOZ) Bis Freitag hat es in der Uckermark offenbar noch keinen bestätigten Corona-Fall gegeben. Von den bislang 45 Verdachtsfällen erwiesen sich nur 25 als wirklich begründet. Fünf Laborergebnisse stehen noch aus, alle anderen sind negativ. Darüber informiert das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung. "Im Moment zirkuliert der Erreger hier noch nicht", sagt Amtsärztin Dr. Michaela Hofmann. "Ich bin immer noch relativ gelassen. Für die richtig große Seuche fehlt uns die kritische Masse. Es gibt hier keine U- oder S-Bahnen und ähnliche Dinge. Doch was wir heute sagen, kann morgen schon anders sein."

Liveticker: Coronavirus und seine Folgen in Brandenburg und Berlin 

Aufgrund der steigenden Fälle in Brandenburg hat der Landkreis auf Anweisung von Bund und Land eine Allgemeinverfügung erlassen. Sie zielt darauf ab, die Übertragungswege zu unterbrechen und das Risiko einzudämmen, "ohne dabei das öffentliche Leben gänzlich zum Stillstand zu bringen".

Ab sofort sind alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen zu untersagen, soweit im Einzelfall keine Ausnahmegenehmigung erfolgt. Alle Veranstaltungen ab 100 Teilnehmern sind vorher beim Gesundheitsamt anzuzeigen. Ob es auch in Brandenburg zu Schulschließungen kommt, muss die Landesregierung entscheiden. Hier würden unterschiedliche Auffassungen herrschen, so Kreissozialdezernent Henryk Wichmann.

Wer aus einem vom Robert-Koch-Institut benannten Risiko-Gebiet kommt oder von dort zurückkehrt, darf in den folgenden 14 Tagen Schulen, Kitas, Kindertagespflegestellen und Heime, in denen überwiegend minderjährige Personen betreut werden, nicht betreten. Ebenso stationäre Pflegeeinrichtungen und Hochschulen. Sollten nach 14 Tagen keine Krankheitssymptome auftreten, ist der Besuch wieder erlaubt, auch ohne ärztliche Bescheinigung. Ausnahmen gelten nur für Angehörige von Polizei, Rettungsdienst und ähnlichen Berufsgruppen.

Die Verfügung hat große Auswirkungen. In der Kreisverwaltung klingeln die Telefone Sturm. Die Amtsärztin mahnt weiterhin zur Ruhe und appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen. Es gehe darum, besondere Risikogruppen wie Ältere und Kranke zu schützen. Es müsse alles unterlassen werden, was dazu beitrage, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Das Gesundheitsamt steht in Kontakt mit Bürgermeistern, Amtsdirektoren, Schulleitern und Kitas. In einer Telefonkonferenz am Freitagnachmittag hat Dr. Michaela Hofmann über die Auswirkungen ihrer Anordnung informiert. Öffentliche Einrichtungen vorsorglich zu schließen, sieht sie jedoch zum jetzigen Zeitpunkt kritisch. Viele Kommunen, Theater und Veranstalter haben aber bereits reagiert und größere Treffen jeglicher Art abgesagt. "Jeder Veranstalter muss aber selbst die Entscheidung treffen."

Operationen verschoben

Alteneinrichtungen sollten Angehörige von Bewohnern darauf drängen, von Besuchen in den Heimen vorerst Abstand zu nehmen. "Man kann auch mal mit seinen Angehörigen telefonieren", so Michaela Hofmann. Schulleiter sollten ebenfalls darauf achten, was erforderlich ist, um Bildung zu vermitteln. Spaß- und Freizeitveranstaltungen müssten nicht unbedingt sein.

Nach Angaben von Landrätin Karina Dörk will die Gesellschaft für Leben und Gesundheit alle verschiebbaren Operationen aussetzen, um sich auf einen möglichen Corona-Ansturm vorzubereiten.

Der Landkreis bereitet gegenwärtig ein Bürgertelefon vor, um Fragen zu beantworten.

Quarantäne und Vorsorge

Mit Stand von Freitag sollen mehr als 20 Menschen in der Uckermark unter Quarantäne stehen. Sie haben persönliche Ansprechpartner. Hygiene-Ingenieure messen regelmäßig Fieber. Alle regionalen Krankenhäuser müssen auf die Behandlung von Corona-Infizierten eingestellt sein. Nach Angaben des Gesundheitsamtes existieren Maßnahmepläne. Da es in der Regel nur eine begrenzte Zahl an Isolierzimmern mit Schleuse gibt, bleibt es Entscheidung der Krankenhäuser, notfalls ganze Flügel zu sperren. Eine grundsätzliche stationäre Behandlung ist aus Sicht von Medizinern aber nicht notwendig. Das Gesundheitsamt hat mit allen Krankenhaus-Hygienikern gesprochen. Hygiene-Maßnahmen seien generell vorhanden, weil es auch andere Infektionen gibt. Viele niedergelassene Ärzte stehen derzeit in engem Kontakt mit der Amtsärztin. Dr. Michaela Hofmann warnt davor, Ängste zu schüren. Dies führe zu Verunsicherung.⇥os

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