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Corona-Krise
Bürgerwerkstatt in Schwedt produziert Visiere für das Uckermark-Klinikum

Marco Härtel bei der Produktion der Visiere in der Bürgerwerkstatt. Das Visier, das er dabei trägt, braucht er nicht. Er hat es nur zur Demonstration für die Aufnahme aufgesetzt.
Marco Härtel bei der Produktion der Visiere in der Bürgerwerkstatt. Das Visier, das er dabei trägt, braucht er nicht. Er hat es nur zur Demonstration für die Aufnahme aufgesetzt. © Foto: Thorsten Pifan
Thorsten Pifan / 08.04.2020, 02:15 Uhr
Schwedt (MOZ) Vorbildliche Aktion: Die Bürgerwerkstatt im Schwedter Technikstützpunkt wird dieser Tage ihrem Namen voll und ganz gerecht. Denn Marko Härtel und Sven Ketel produzieren 100 Visiere aus Plastik, die für das Uckermark-Klinikum bestimmt sind. So produzieren Schwedter Bürger jetzt Ausrüstung für ihr Krankenhaus. In Zeiten der Corona-Krise sind Schutzmaterialien für das Personal äußerst rar, die kreative Initiative aus der Talsandschule ist daher sehr willkommen.

Zunächst haben Ketel und Härtel überlegt, ob sie Masken aus dem 3-D-Drucker herstellen sollen. Das ist allerdings äußert mühselig und vor allem überaus zeitintensiv. "Rund vier Stunden dauert es, bis eine Maske fertig ist", sagt Härtel. Da stünden Aufwand und Ergebnis in keinerlei Relation.

Internetvorlage modifiziert

Er surfte daher im Internet gezielt nach alternativen Lösungen und wurde fündig. "Solche Vorlagen gibt es inzwischen reichlich", erklärte Sven Ketel. Ziel war es, ein Schutz für medizinisches Personal herzustellen, der sich in kurzer Zeit kostengünstig produzieren lässt.

Härtel habe sich dann für eine Variante an schützenden Visieren entschieden und diese mit eigenen Überlegungen noch modifiziert, damit die Herstellung in Schwedt optimal möglich ist. Vom hiesigen Baumarkt haben die beiden Folie besorgt. Das Material PET kennt jeder, schließlich sind die meisten Einweg-Pfandflaschen aus diesem Plastik.

Die Folie aus dem Baumarkt schneiden Härtel und Ketel dann in der Bürgerwerkstatt noch zurecht in kleinere Blätter. "Leider können wir hier zurzeit nicht mehr Helfer einsetzen", sagt Ketel bedauernd. Aber das geht nicht, sonst könne nicht gewährleistet werden, dass der Mindestabstand zwischen den Akteuren eingehalten wird. "Und einige Aktive in der Bürgerwerkstatt gehören auch schon zur Risikogruppe", ergänzt Ketel.

Damit die Folie besser in den Laser eingespannt werden kann, hat Härtel eigens eine Form entwickelt und gefertigt. In zwei Minuten schneidet der Laser dann ein Muster in die Folie. Es dampft und zischt aus dem Gerät. Kaum ist der Produktionsprozess abgeschlossen, holt Härtel die Folie aus dem Laser. Sie ist nun perforiert und es lässt sich auch schon ein Muster des späteren Produkts erkennen.

Materialwert liegt bei zwei Euro

Nun müssen die Einzelteile aus der Folie herausgelöst werden. Letztlich sind es zwei Teile. Einmal das Visier selbst und zum anderen ein langes Band, das um den Kopf gewickelt wird, an dem das Visier dann befestigt werden kann. Ketel zeigt: Das Band lässt sich einstellen, um es für unterschiedliche Kopfformen optimal nutzen zu können.

Inzwischen haben auch weitere Akteure aus Schwedt von den tollen Visieren gehört, die so leicht herzustellen sind, ein Stück mehr Sicherheit bieten und obendrein noch so kostengünstig sind. Der Materialwert liege bei zwei Euro, sagt Härtel. Allerdings habe die Bürgerwerkstatt nicht mehr viel von der Folie zum Herstellen von Visieren übrig, sagt Härtel bedauernd. "Wir können zusätzlich zu den 100 Stück für das Klinikum noch rund 30 weitere produzieren", ergänzt Ketel. Diese seien auch schon bestellt: Sie gehen an eine Apotheke und eine Arztpraxis in Schwedt.

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