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Ex-Angermünder Trainer übernimmt in Eberswalde

Matthias Kandula war bis Februar Coach beim Angermünder FC – seine nächste Trainerstation wird ihn ab 1. Januar 2021 zum Brandenburgligisten FV Preussen Eberswalde führen. Eine echte Herausforderung.
Matthias Kandula war bis Februar Coach beim Angermünder FC – seine nächste Trainerstation wird ihn ab 1. Januar 2021 zum Brandenburgligisten FV Preussen Eberswalde führen. Eine echte Herausforderung. © Foto: Carola Voigt
Jörg Matthies / 05.05.2020, 19:39 Uhr
Angermünde (MOZ) Am 1. Januar 2021 wird Matthias Kandula Cheftrainer der ersten Männermannschaft beim FV Preussen Eberswalde in der Brandenburgliga. Diese Meldung dürfte dieser Tage in der Region Barnim/Uckermark, in welcher der 31-Jährige in den zurückliegenden Jahren seine Spuren hinterlassen hat, für Aufsehen gesorgt haben. Jörg Matthias hat mit Kandula gesprochen, der im Februar beim Angermünder FC seinen Trainerjob aufgekündigt hatte.

Herr Kandula, nach fünf Jahren in der Landesliga und -klasse geht es nun in Brandenburgs höchste Männer-Spielklasse. Da wird geklotzt und nicht gekleckert, was den Trainerjob angeht. Ein mutiger Schritt für einen dann 32-Jährigen, oder?

Kurz gesagt: Ich traue mir die Sache zu. So einiges an Erfahrungen habe ich in Britz und Angermünde ja gesammelt. Dabei bin ich, so schätze ich es ein, immer gut angekommen bei den meisten Spielern und in den Vereinen. Ich sehe den FV Preussen jetzt als echte Herausforderung an.

Wie kam es zu diesem "Deal"?

Eine Anfrage des Vereins hatte es schon im vergangenen Sommer gegeben. Da aber hatte AFC-Präsident Thomas Bönisch mein Wort zum Weitermachen. Jetzt gab es nach meinem Abschied aus Angermünde die nächste Kontaktaufnahme durch die Preussen-Verantwortlichen. Wir haben uns einmal zusammengesetzt und geredet und dann die nun bekannte Entscheidung getroffen.

Und warum steigen Sie erst zum 1. Januar 2021 ins Amt ein?

Das hat ganz persönliche Gründe. Wir haben uns ein altes Haus gekauft, das aus- und umgebaut, praktisch komplett saniert werden soll. Dafür ist noch das gesamte Jahr viel Zeit zu investieren. Deshalb bin ich sehr froh, dass Torsten Maerz zunächst als Interimstrainer das Team führt.

Gucken wir doch noch mal auf die Zeit in der Uckermark, beim Angermünder FC zurück. Der Abschied kam abrupt, recht unvermittelt kurz vor dem Rückrundenstart. Warum?

Zurückgetreten ist ja der gesamte Trainerstab. Eine Erklärung dazu? Von meiner Seite würde ich es vielleicht so formulieren: Ich war der Ansicht, die von mir gesetzten Ziele nicht mehr auf die Art und Weise zu erreichen, wie ich es für möglich gehalten hatte. Da gehören auch Regeln dazu, die eine solche Spielergemeinschaft anerkennen und umsetzen muss. Das ist nicht immer und bei jedem auf Gegenliebe gestoßen. Um es klar zu sagen: Ich hatte weiterhin große Lust, mit dieser Mannschaft etwas zu erreichen. Übrigens bin ich mit Vereinschef Thomas Bönisch in dieser Angelegenheit komplett im Reinen. Wir haben uns im Nachhinein noch mal getroffen und gute Gespräche geführt.

Was bleibt als positive Erinnerungen an die beiden AFC-Jahre?

Auf alle Fälle das erste halbe Jahr, als wir mit einer 24-Punkte-Rückrunde letztlich den sicheren Landesliga-Klassenerhalt  schafften. Es gab zudem viele Menschen, mit denen ich von Anfang an und bis heute sehr gut auskomme – beispielsweise Martin Rakoczy. Naja, und das Erlebnis des Pokalspiels gegen Energie Cottbus vor weit mehr als 1000 Zuschauern nimmt mir und den Jungs auch niemand, das bleibt!

Es folgte dann das Abstiegsjahr und eine sehr holprige Hinrunde in dieser Landesklasse-Saison.

Auch der letztlich knappe Abstieg vor einem Jahr hatte nicht nur Negatives. Die Erfahrung, mit einem Abstieg, also einem echten Misserfolgserlebnis umgehen zu lernen, war sicher für meine weitere Entwicklung auch sehr wichtig. Man hinterfragt sich viel intensiver: Was hätte ich anders machen können? Warum konnte das Team die Ideen nicht umsetzen? Also positives Nachdenken.

Den Angermündern wünsche ich übrigens mit dem jetzt beschlossenen neuen Trainerstab ganz ehrlich allerbeste Erfolge!

Zurück zum neuen Engagement: Preussen-Präsident Danko Jur lobt Sie als eines der größten jungen Trainertalente im Land, das vor allem junge Spieler weiterentwickeln kann. Sein Verein habe etliche talentierte A-Junioren, welche die Chance haben, ins erste Männerteam hi-­neinzuwachsen. Für diesen Prozess seien Sie der richtige Mann. Schmeichelt die Einschätzung?

Ja, schon. Aber sie ist natürlich erst mal auch eine Bürde, denn in Eberswalde muss ich erst beweisen, dass es funktioniert. Natürlich habe ich mich schon mit dem Team befasst, habe Ideen, wie man in der Brandenburgliga mit der Mannschaft Fußball spielen könnte. Und ich bin selbstverständlich auch jetzt bereits in die Kaderplanung einbezogen – da stecken wir praktisch mittendrin.

Gibt es auch schon konkrete Ziele?

Da ist sicher schon einiges. Zum einen möchten wir gemeinsam, dass diese Mannschaft wieder viel regionaler wird. Den Klassenerhalt möglichst im gesicherten Mittelfeld der Brandenburgliga stelle ich mir als sportliches Ziel. Selbstverständlich weiß ich auch, dass wir dies nicht komplett nur mit Akteuren aus dem Barnim umsetzen werden können. Die ersten Einzelgespräche mit Spielern habe ich schon geführt.

Ansonsten ist bis Januar für Sie komplett fußballfreie Zeit?

Wie diese Saison noch verläuft, weiß auch ich freilich nicht. Ich bin ja Coach der B-Junioren von Oderberg und Lunow in der Landesklasse, wo wir im Mittelfeld stehen. Da sind Jungs dabei, die bei mir schon als Sechsjährige zum Fußball gefunden hatten. Die werde ich natürlich weiter im Blick behalten, nach Übernahme des Traineramtes bei den Preussen sicher auf andere Art.

Eine abschließende Frage: Ganz Fußball-Deutschland diskutiert das Pro und Kontra zur schnellen Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs. Was denken Sie darüber?

Wir alle wollen, dass Schritt für Schritt wieder mehr Normalität in unser Leben zurückkehrt. Da zähle ich die Fußball-Bundesliga schon dazu. Wenn ich aber von den vielen Corona-Tests dort höre und sie ins Verhältnis zu manchen Dingen im Gesundheits- und Pflegebereich setze, ist das Ganze schon echt bedenklich.

Herzlichen Dank fürs (Telefon-)Gespräch, viel Spaß beim Haussanieren und schon mal alles Gute für die neue Trainerstation in Eberswalde!

Dankeschön.

Zur Person: Drei Jahre Britz, zwei beim AFC

Fünf Jahre Trainer bei Männerteams war Matthias Kandula (31) in denzurückliegenden Spielzeiten, zudem betreute er eine Nachwuchsmannschaft der SpG Lunow/Oderberg.Die Bilanz mit den beiden Männerteams sieht so aus: Fortuna Britz –in den Spielzeiten 2014/15 bis 2016/17 insgesamt 90 Spiele, dabei 39 Siege, 23 Remis und 28 Niederlagen.Mit den Angermündern kam Kandula auf 57 Punktspiele, davon 44 in der Landesliga mit 13 Siegen, 11 Unentschieden und 20 Niederlagen. Für die erste Halbserie in der Landesklasse 2019/20 weist die Statistik 15 Punkte aus (3/6/4).⇥jm

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