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Reisebüros in der Krise
Auch in der Uckermark Reisebüro erst vergessen, jetzt vertröstet

Die nächste Reise kommt bestimmt: So machen sich Reisebüros wie hier in Angermünde selbst und ihren Kunden Mut. Die Corona-Krise hat den Reisetourismus komplett zum Erliegen und viele Reisebüros an den Rand ihrer Existenz gebracht.
Die nächste Reise kommt bestimmt: So machen sich Reisebüros wie hier in Angermünde selbst und ihren Kunden Mut. Die Corona-Krise hat den Reisetourismus komplett zum Erliegen und viele Reisebüros an den Rand ihrer Existenz gebracht. © Foto: Oliver Voigt
Daniela Windolff / 22.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 22.05.2020, 07:53
Angermünde (MOZ) Die langersehnte Kreuzfahrt, Entspannung im Wellnesshotel, Familienferien im Klub – Urlaub und Reisen gehört für viele Deutsche zusammen. Dafür wird gespart und sorgfältig geplant. Und wer es bequem und sicher haben möchte, geht ins Reisebüro seines Vertrauens und lässt sich persönlich beraten.

Doch dieser Komfort könnte bald Geschichte werden. Die Zukunft der Reisebüros ist in Gefahr. "Wir haben ja schon einige Katas­trophen mit- und überlebt, von Terrorwarnungen in einigen Reiseländern über die Pleite von Air Berlin bis jüngst zur Insolvenz des großen Veranstalters Thomas Cook", sagt Susanne Wolff, die eine kleine Reisebürofiliale in Angermünde führt. Doch was sie und ihre vielen Kollegen jetzt erleben müssen, übersteigt alle Katastrophenszenarien. Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche komplett zum Erliegen gebracht. Weltweit. Ganz besonders bluten die Reisebüros vor Ort, die als Dienstleister zwischen alle Stühle gerutscht sind.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Rückzahlung von Provisionen

Seit Wochen besteht die Arbeit in den Reisebüros nur darin, Stornierungen abzuarbeiten und Rück­zahlungen vorzubereiten. Das Problem: Es fehlt nicht nur an Einnahmen, weil keine neuen Reisen mehr verkauft werden. Die Reisebüros müssen auch bereits erhaltene Provisionen für gebuchte Reisen zurückzahlen oder bekommen sie erst gar nicht. "Wir leben ja von den Provisionen unserer verkauften Reisen und haben somit umsonst gearbeitet, obwohl wir Leistungen wie Kundenberatung und Buchungsabwicklung für die Veranstalter erbracht haben", beschreibt Susanne Wolff das Dilemma, das schon lange vor Corona kritisiert wurde. Bisher fanden die Reisebüros damit in der Politik kein Gehör und selbst im Corona-Crash scheinen sie ohne Rettungsschirm im Regen vergessen zu werden. Viele Reisebüros müssen Insolvenz anmelden, wenn nicht sofort geholfen wird. "Die Koalitionsfraktionen haben sich bisher verweigert über den Antrag von Bündnis 90’/Die Grünen zur Unterstützung der Tourismuswirtschaft abzustimmen. Das ist eine schallende Ohrfeige für die gesamte Tourismuswirtschaft", ärgert sich die Reiseexpertin. Doch selbst wenn Reisebüros wieder öffnen dürfen, ist vielen Kunden die Lust aufs Reisen erst einmal vergangen. Einige Kunden verschieben die gebuchte Kreuzfahrt aufs nächste Jahr oder reisen statt ans Mittelmeer an Nord- oder Ostsee. "Doch auch diese Möglichkeiten sind begrenzt, wenn die Hotels nur halb ausgelastet werden dürfen. Und mal ehrlich, wenn sich nun Tausende am Ostseestrand tummeln, ist der Coronaschutz doch auch für die Katz."

Auch Dirk Köhler sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels. Sein kleines Reisebüro am Markt in Angermünde ist ein Ein-Mann-Unternehmen.

Kein Licht am Ende des Tunnels

"Ich muss wenigstens keine Lohnkosten zahlen, sondern nur mich selbst irgendwie über Wasser halten. Das ist schwer genug, obwohl ich ja eigentlich viel Arbeit habe mit der Abwicklung von Stornierungen und Kundenanfragen nach Rückzahlungen oder Gutscheinen."  Geld verdient er momentan trotzdem nicht, auch wenn er sein Büro wieder öffnet.  Zwar hat er als Einzelunternehmer Soforthilfe beantragt, doch die überbrückt nur eine kurze Zeit. "Spätestens ab Juli muss es im Reiseverkehr wieder losgehen, sonst sieht es sehr düster aus." Die Pers­pektive? Insolvenz und Hartz IV. Neubuchungen hat er bisher kaum. Allenfalls einige Umbuchungen. Die Kunden warten ab. "Viele haben keine Lust, im Urlaub mit Mundschutz rumzulaufen. Manche haben  Angst oder können sich durch Kurzarbeit schlicht finanziell keinen Urlaub mehr leisten. Es wird also noch sehr lange dauern, bis es wieder anläuft, selbst wenn Reisen wieder freigegeben werden", fürchtet Dirk Köhler.

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