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Sportschießen
Den Samen für den Schwedter Verein legt die GST

Carola Voigt / 22.05.2020, 19:17 Uhr
Schwedt (MOZ) Im Wendeherbst 1989 existierte in der Kreisstadt Schwedt eine Gruppe von Schießsportbegeisterten, die über die verschiedenen Einrichtungen und Betriebe in dieser Stadt verteilt, den Schießsport mit Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen betrieben. Den Samen des Vereins legte noch die damalige Gesellschaft für Sport und Technik (GST) unter Leitung von Horst Pause. Am 9. Mai 1990 konnte durch die Gründung der Schwedter Schützengilde die bis dahin umfangreiche materielle Basis des sportlichen Schießens in dieser Stadt erhalten werden.

Von den damals 700 organisierten Personen, die zum Schieß- und Wehrkampfsport auf dem Papier gezählt wurden, fanden sich am 9. Mai 1990 knapp 30 Personen zur Gründung zusammen.

Der Name ist Geschichte

Aber wie sollte sich die neue Gemeinschaft der Schützen nennen? Den Namen mit Schwedt zu verbinden, musste nicht begründet werden. Alle Anwesenden lebten oder arbeiteten hier. "Lasst uns doch einen historischen Namen übernehmen und weiterführen. Hat nicht jemand einen Bekannten, der etwas über das Schützenwesen in Schwedt weiß?", war damals in der Runde zu hören. Man erfuhr, dass es vor dem Zweiten Weltkrieg in Schwedt drei Schützenvereine gab, den Hohenzollernverein betuchter Bürger, die Schwedter Schützengilde der Handwerker und Gewerbetreibenden und die Vereinigung der Schwedter Garnison. "Das Wort "Gilde" war uns angenehm. Durch das PCK wurde dem Verein als langjährigem Pächter ein großes Gelände an der Breiten Allee und der Passower Chaussee übergeben", erzählte Dieter Pohlann. Somit waren die drei Buchstaben PCK im Namenszug ein Bedürfnis.

Woher kommt der Zusatz 1812?

Bleibt noch die Zahl 1812. Als die Anmeldung beim Kreisgericht erfolgen sollte und die Frage nach einem bekannten historischem Datum stand, wusste niemand eine Antwort, da half aber die Chronik des Schützenwesens weiter. 1812 kam es in Schwedt durch die preußische Armee zur Aushebung von männlichen Bürgern für den Krieg gegen Napoleon. Ein preußischer Offizier merkte damals an, dass kein Mann hier eine Ausbildung an der Waffe hatte. "Dem konnten wir keinen Glauben schenken. Wohl eher haben sich alle Waffenfähigen vor einem kriegerischen Einsatz zurückgehalten. So können wir dem nur beipflichten und behaupten, auch 1812 gab es Bürger in Schwedt, die einem Verein von Schützen die Treue hielten und damit unser neuer Name auch seine Berechtigung erlangte", so Pohlann.

Die Vereinsfahne

Das Symbol der Einheit des Vereins ist seine Vereinsfahne. Im Jahr 1993 kam es während einer Veranstaltung zum "Westpunktschießen" der den Verein unterstützenden Firmen der Stadt und Umgebung zu einer tollen Aktion. Der damalige Sprecher der PCK AG, Klaus Götze, brachte durch seine Fürsprache eine größere Spendenaktion der Gäste zustande, durch die das Geld für die Vereinsfahne endlich zur Verfügung stand. Das sogenannte "Westpunktschießen" wurde alljährlich gemeinsam vom Verein und der Firma Rohrplan für die Vertreter der Wirtschaft als Dank und Anerkennung für ihr Wirken an den weichen Faktoren der Stadt Schwedt, wie Kultur, Sport und Infrastruktur durchgeführt. Da noch kein eigener Vereinssaals vorhanden war, wurde am 17. September 1994 im damaligen "Kosmonaut" der Schützenball mit Fahnenweihe durchgeführt.

Die Schießstätten

Ein veralteter 50- und 25-Meter-Stand aus den 60iger-Jahren waren auf dem Sportgelände des damaligen PCK vorhanden, und es gab einen unbehaglichen Traditionsraum. Mit viel Geld, Zeit, Schweiß und umzusetzenden Auflagen wurde von den Gildemitgliedern in all den Jahren in mühsamer Kleinarbeit das geschaffen, was es heute ist – ein Kleinod des Schießsports in der Uckermark. Auch viele Familienangehörige, Helfer und einheimische Firmen trugen dazu bei, dass der hohe technische Stand erreicht wurde.

Bei mehreren älteren Sportschützen gab es nach 1990 den  Wunsch, Wurfscheibenschießen in Schwedt durchführen zu wollen. Am 10. Oktober 2003 fand der erste Spatenstich zur Errichtung der neuen Sportstätte statt. Letztendlich konnte am 10. Juni 2005 der Wurfscheibenschießstand endlich eröffnet werden. Nach einer letzten größeren Reparatur gab der Wurfautomat seinen Geist auf. Durch einen Sponsor, der nicht genannt werden wollte, wurde 2018 eine nagelneue Maschine gekauft.

Seit März 2017 gehört die SGi Schwedt zum Immateriellen Kulturerbe

Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissenund Können getragen, vonGeneration zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden.Sie sind im Gegensatzzu unbeweglichen Bauten und beweglichen Gegenständen (zum Beispielden bekannten Welterbestätten oder dem Weltdokumentenerbe) nicht materiell und damit nicht anfassbar (englisch intangible).

Das immaterielle Kulturerbe ist international und oft national rechtlich geschützt. Die UNESCO mit seinen Partnerorganisationen versucht dabei den tatsächlichen Schutz zu koordinieren und sicherzustellen. Das immaterielle Kulturerbe umfasst Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume […], die Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.⇥red

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