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Glasfaser
Stadtwerke Schwedt gehen in Märkisch-Oderland auf Kundenfang

Die Stadtwerke Schwedt schicken sich an, auch in benachbarten Landkreisen und sogar in der Nähe von Greifswald neue Kunden zu gewinnen. Das Geld soll dann in Schwedt investiert werden.
Die Stadtwerke Schwedt schicken sich an, auch in benachbarten Landkreisen und sogar in der Nähe von Greifswald neue Kunden zu gewinnen. Das Geld soll dann in Schwedt investiert werden. © Foto: Sina Schuldt
Thorsten Pifan / 30.06.2020, 03:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Rund 30 000 neue Kunden wollen sich die Stadtwerke Schwedt in den kommenden Jahren im Landkreis Märkisch-Oderland, im Landkreis UM und im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern erschließen. Denn in Kooperation mit dem Unternehmen e.discom versorgen die Stadtwerke die Kunden mit Glasfasertechnik – und wollen dabei die Chance nutzen, auch andere ihrer Dienstleistungen zu vertreiben.

Die Idee ist ganz einfach: Während e.discom – eine Tochter der e.dis, an der wiederum der Energie-Riese Eon zu 65 Prozent beteiligt ist – mehrere Großaufträge zum Verlegen von Glasfaserkabeln erhalten hat, versorgen die Stadtwerke Schwedt die potenziellen Kunden dann mit dem eigentlichen Produkt, dem schnellen Internet. "Von diesem Geschäft haben wir beide etwas", erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Sasson.

Letztlich erreichten die Stadtwerke damit viele neue Kunden, denen sie dann auch Angebote für Strom und Gas machen können. Sasson rechnet für diese Sparten mit einem Potenzial von etwa 5000 Kunden, die neu zu gewinnen sind. Damit können sich die Stadtwerke Schwedt ganz neu aufstellen. Denn in der Heimat-Region gebe es kaum noch Potenzial zu wachsen. Genau das wäre aber nötig, um künftige Projekte wie den Ausbau des Glasfasernetzes in Schwedt selbst oder die geplante Investitionen in das Aquarium oder in das Kino zu schultern.

Während e.discom in den Ausbau der Netze insgesamt 450 Millionen Euro investieren muss, hat das Unternehmen kaum Erfahrung mit privaten Endkunden. "Diese gigantische Summe birgt ein hohes Risiko, das wir als Stadtwerke mit einem Umsatz von unter 70 Millionen Euro kaum stemmen können", sagte Sasson. "Dafür haben wir als Stadtwerke aber jahrelange Erfahrung mit den privaten Kunden und daher ist diese Partnerschaft so ideal."

Die e.discom versorgt in der Uckermark, Märkisch-Oderland und auch in Vorpommern-Greifswald Regionen, die ohne eine Förderung nicht an die schnelle Datenautobahn angeschlossen würden. "Das rechnet sich erst, wenn die Kosten für die Tiefbauarbeiten im öffentlichen Bereich, um beispielsweise ein Einfamilienhaus zu versorgen, bei rund 1000 Euro liegen", erklärt Sasson. In den Gebieten, in denen die Förderung greift, liegen diese Kosten bei bis zu 20 000 Euro – pro Haushalt.

Letztlich ist das Terrain, auf dem sich die Stadtwerke nun bewegen wollen, nicht ganz neu. Bereits in der Vergangenheit war das Unternehmen aus Schwedt in allen nun zu erschließenden Regionen aktiv – allerdings unter dem Namen Tio .  "Wir haben aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass dahinter die Stadtwerke Schwedt stecken", sagt Stefan Döring, Projektleiter Breitbandausbau. Mit Tio haben die Stadtwerke allerdings nur 3000 bis 4000 Kunden betreut, jedoch nicht über die moderne Glasfasertechnik, sondern noch über die veraltete Technik der sogenannten Kupferdoppelader (DSL).

50 000 Haushalte erreichen

In den nun zu erschließenden Regionen erreichen e.discom und die Stadtwerke etwa 50 000 Haushalte. Im Schnitt entscheiden sich etwas mehr als 70 Prozent dafür, einen Zugang zum Glasfasernetz zu nehmen. Das seien rund 35 000 Haushalte.

Da nicht alle Kunden auch gleich die dazu gehörenden Produkte kaufen, sondern erst nur den kostenlosen Anschluss nehmen, werde es im ersten Anlauf rund 20 000 neue Kunden geben, so die Rechnung bei den Stadtwerken. Sasson ist sich sicher: Nach und nach werden aber auch die übrigen Kunden ihre Anschlüsse nutzen. Denn eines hat die aktuelle Krise sicherlich gezeigt: Schnelles Internet ist wichtiger denn je.

Stadtwerke Schwedt

Die Stadtwerke Schwedt gibt es seit 1991. Im Portfolio hat das Unternehmen, das unter dem Dach der Technischen Werke eine Tochter der Stadt ist, Angebote für Strom, Gas, Fernwärme, Kabel TV, Telefon und Internet via Glasfaser, Breitband oder DSL. Zu den Technischen Werken gehören neben den Schwerpunkten Energie und Telekommunikation im Unternehmensverbund auch das Kino Filmforum und das Freizeitbad Aquarium. Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in Schwedt. Die Technischen Werke sind zudem Betreiber des Schwedter Hafens und auch aus diesem Grunde ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. ⇥pif

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