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Arbeitslosigkeit
Wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise treffen Uckermark und Barnim

Oliver Schwers / 31.07.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 14:30
Angermünde/Schwedt (MOZ) Was wird aus Unternehmen der Messebranche, des Kulturbetriebs, der Gastronomie und der Reisebranche, die mit riesigen Umsatzeinbußen kämpfen? Welche Firmen verkraften die Folgen der Corona-Krise am Ende nicht?

Diese bange Frage stellen sich nicht nur Arbeitgeber und Angestellte, sondern auch die Arbeitsagentur Eberswalde. Denn die Arbeitslosenquote in den Landkreisen Uckermark und Barnim ist im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gestiegen. Im Juni 2019 gab es 1175 arbeitslose Frauen und Männer weniger als jetzt. Zieht man dazu in Betracht, dass in den vergangenen Jahren generell der Trend sinkend war, so ist die eigentliche Differenz noch größer.

Die Folgen der Krise sind spürbar: Unternehmen haben seit Jahresbeginn 1270 Stellen weniger gemeldet, ein Minus von 28 Prozent. Befristete Arbeitsverhältnisse laufen aus. Menschen in der Probezeit werden nicht verlängert. "Wir stecken wirtschaftlich nach wie vor mitten in der Krise", so Constanze Hildebrandt von der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Eberswalde. Die Rücknahme des Lockdowns habe noch keinen deutlichen Beschäftigungszuwachs gebracht. "In Anbetracht der jüngsten Corona-Fallzahlen lässt sich zurzeit keine seriöse Prognose für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes geben."

Berliner Rand stark betroffen

Es trifft überraschenderweise vor allem den Barnim. Allein im Raum Bernau ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um 28,6 Prozent gestiegen, in Eberswalde um 10,3 Prozent. Im Vergleich dazu kommt die Uckermark gut weg. In Schwedt bleiben die Zahlen unverändert, in Prenzlau und Templin sind sie nur leicht geklettert.

Das liegt an Entlassungen in Berlin und im Berliner Rand. Dort gibt es mehr Kultur-, Kunst- und Tourismusbetriebe, mehr ausgefallene Großveranstaltungen, mehr Einschränkungen und Verluste. Dort gab es deutlich höhere Corona-Zahlen als beispielsweise in der bevölkerungsarmen Uckermark. Demzufolge gibt es die meisten Arbeitslosmeldungen im Raum Barnim und dort in der Arbeitsagentur, während die Jobcenter weitaus weniger Zugänge haben.

Wie sich das entwickelt, werden die kommenden Wochen zeigen. Denn viele Menschen sind bis heute in Kurzarbeit. Für März liegen die abschließenden Zahlen jetzt vor: Allein in den beiden ersten Corona-Wochen haben 1125 Betriebe Kurzarbeit für 6475 Mitarbeiter bekommen. "Sollte davon am Ende noch ein großer Teil zu den rund 12 500 Arbeitslosen in Uckermark und Barnim hinzukommen, wäre das eine Katastrophe", so Constanze Hildebrandt. "Wir sind deshalb froh über jedes Unternehmen, das Kurzarbeit in Anspruch nimmt, ohne Beschäftigte zu entlassen."

Weniger Insolvenzen als 2019

Doch wie lange reicht der Atem bei Unternehmen, die immer noch keine Geschäfte machen können? Noch sind keine coronabedingten Insolvenzen in größerem Umfang gemeldet. Und die Gesamtzahl der Pleiten liegt kurioserweise unter der des Vorjahres. Ein gutes Zeichen?

Für die Jugendlichen offenbar nicht. Im Juni sind weitere 120 Arbeitslose zwischen 15 und 25 in Uckermark und Barnim hinzugekommen. Das liegt daran, dass Firmen Azubis im Anschluss nicht übernehmen. Auch erreicht die Agentur derzeit durch die Kontaktbeschränkungen auch weniger Ausbildungsabbrecher als unter normalen Umständen.

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