Die Piratenpartei will auch in der Uckermark und dem Barnim ihre Segel setzen. 65 Mitglieder zählt sie dort bereits. Alexander Kempf sprach mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Regionalverbandes Barnim-Uckermark Florian Winkler über den Stammtisch der Partei am Samstagabend in Prenzlau.
Märkische Oderzeitung: Herr Winkler, die Piraten haben zu einem Stammtisch eingeladen. Wie war die Resonanz?
Florian Winkler: Gut. Wir waren 13 Mann. Sechs davon sind bereits Mitglied der Partei. Die Anderen waren neue Gesichter. Hauptsächlich kamen ältere Menschen. Keiner war unter 40. Bei vielen merkte man, dass sie einen politischen Background haben. So hat ein Mann beispielsweise erzählt, dass er früher SED-Mitglied war. Nach der Wende habe er lange gebraucht, um sich im neuen System zurechtzufinden. Mit den demokratischen Zielen der Piraten kann er sich nun identifizieren.
Welche Inhalte bewegen die Menschen, die sich an sie gewandt haben?
Sie kommen erst einmal, um zu sehen ob wir Spinner sind oder ernsthaft Politik machen wollen. Schnell wurden regionale Themen angesprochen. Zum Beispiel die Schweinemastanlage in Haßleben.
Und wie stehen die Piraten dazu?
Es gibt dazu bei uns einen Diskussionsstand. Genau wie das Thema Windenergie wird bei uns darüber in Arbeitsgruppen gesprochen. Darauf haben wir die Menschen beim Stammtisch hingewiesen. Unsere Strukturen sind so offen, dass sich jeder an der Diskussion beteiligen kann. Er muss dafür kein Mitglied sein.
Viele ältere Menschen in der Uckermark haben aber gar kein Internet.
Das war auch ein Thema bei der Veranstaltung. Wir überlegen noch wie wir diese Leute partizipieren lassen können.
Fällt es den Piraten im ländlichen Raum schwer, Fuß zu fassen?
Ja. In Ballungsgebieten, wo es viele Universitäten gibt, ist die Partei mittlerweile ein Selbstläufer. Im ländlichen Raum hingegen müssen wir Leute in Sachen Internet schulen. Banale Sachen wie das Eingeben einer Internetadresse bereiten manchen Menschen schon Probleme. Der PC ist oft da, der Umgang damit aber nicht so einfach.
Einzelne Mitglieder der Piraten vertreten rechtsradikale Thesen. Der Berliner Landesverband macht sogar ein Nazi-Problem aus. Der Bundesvorsitzende wiederum bestreitet das.
Es gibt in unserer Partei teilweise Menschen mit einer zweifelhaften Gesinnung, die sich zu etablieren versuchen. Wir screenen Mitglieder im Vorfeld nicht. Ich finde man muss sich bei Bekanntwerden aber von so etwas distanzieren.
Das sieht bei den Piraten wohl nicht jeder so.
Unsere Parteimitglieder, die nun im öffentlichen Licht stehen, sind keine Politprofis. Sie quatschen wie sie das gewohnt sind. Schnell wird etwas aus dem Kontext gerissen. Davor sind wir nicht gefeit.