Etwas abseits stand die 75-jährige Renate Dreher aus Velten und schüttelte den Kopf über die Neonazi-Versammlung. „Ich finde das schlimm, schlimm, schlimm! Wenn sie das erlebt hätten, was ich erlebt habe, dann würden sie sich in die Hose machen.“Auslöser des Neonazi-Aufmarschs war die Absage eines rechtsradikalen Fußballturniers, das in Velten stattfinden sollte. Denn der Veltener Rugby-Verein sowie die Stadtverwaltung hatten die Nutzung des Platzes untersagt, nachdem sie vom Verfassungsschutz über den rechtsextremen Hintergrund der Veranstalter informiert worden waren (wir berichteten).Gegen 18Uhr trafen am Sonnabend die ersten Rechten zum Teil in einheitlich blauen Sporthosen und weißen Hemden vor dem Veltener Rathaus ein.
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Sie wurden lautstark von 80 bis 100Gegendemonstranten vom Bündnis „Oberhavel Nazifrei“ in Empfang genommen. Über dem Eingang des Rathauses hing ein Transparent der Initiativgruppe gegen Gewalt und Rassismus in Velten. Das hielt die harmlos aussehenden rechten Kicker nicht ab, sich demonstrativ auf dem Rasen am Rathaus einen Ball hin und her zu spielen.„Wir lassen uns nicht täuschen“, rief ihnen SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner entgegen. „Wir wollen den braunen Dreck nicht auf Veltens Straßen haben.“ Krüger-Leißner hält ein NPD-Verbot für dringend notwendig.
Gerrit Große (Linke) setzte sich vehement für ein „buntes Velten“ ein und sprach dabei vielen Teilnehmern der Gegenkundgebung aus dem Herzen. „Wir wollen gemeinsam gegen den braunen Sumpf vorgehen.“ Neben den Bündnis-Mitgliedern von „Oberhavel Nazifrei“, zu denen unter anderem die Antifa Oranienburg, die Jusos, die Linksjugend, SPD, Linke, Grüne und Piraten gehören, waren nur wenige Veltener gekommen.Was die Veltener Rentnerin Renate Dreher später nicht mehr mitbekam, ist, wie die mittlerweile auf 70 Personen angewachsene Gruppe der Neonazis ihre Transparente ausrollte und einen Bollerwagen mit Lautsprechern positionierte.
Doch als die Rechtsextremen ihrer Gesinnung verbal freien Lauf ließen, waren sie nicht zu hören. Sie wurden von der Gegendemonstration übertönt, deren Musikanlage deutlich stärker war.Zwei Stunden standen sich die beiden Gruppen, getrennt durch die Polizei, gegenüber. Die Beamten achteten darauf, dass sich jeder in seinen Veranstaltungsgrenzen aufhielt.20Uhr war die Kundgebung zu Ende. Die Polizei verwies alle rechten Demonstranten, die nicht in Velten leben, der Stadt. Gut zehn Minuten später war der Rathausvorplatz wieder nazifrei. Die Gegendemonstranten zogen zufrieden ab.Die Polizei flankierte die abziehende rechte Gruppe ohne Probleme zum Bahnhof. Nach Angaben der Polizei gab es während der gesamten „Kneipenacht in Velten“ keine Zwischenfälle.