Altkünkendorf hat wieder eine Schule. Fast alle Fächer können hier gelehrt werden, von Kunst über Biologie bis Chemie. Und alles, was man dafür braucht, passt in einen Rucksack. Die ersten Schüler der "Rucksackschule", die für Exkursionen steht, sind Jugendliche des Berliner Gymnasiums Steglitz, die sich bei einer ganztägigen Fachtagung in Altkünkendorf mit dem Ökosystem Moor beschäftigten.
Das Gymnasium hat in den vergangenen Jahren in Eigeninitiative von Schülern, Lehrern, Eltern, Sponsoren und Förderern hier im uckermärkischen Altkünkendorf einen verlassenen Bauernhof zu einem modernen Schullandheim ausgebaut, das heute sowohl vom Gymnasium selbst als auch von anderen Schulen der Region als außerschulischer Lernort, für Projekttage, Seminare, Feste oder für Klassenfahrten mit 30 Übernachtungsplätzen genutzt werden kann. "Es war ein langer Weg von 2003 bis zur Eröffnung 2008, um aus der verfallenen Scheune dieses Refugium zu gestalten und es wäre ohne die Unterstützung des hier geborenen Besitzers Ernst Gesch, der heute in den USA lebt, und dem Dorf nicht gelungen", erinnerte Dietrich Galow, Vorsitzender des Fördervereins des Gymnasiums als Träger des Schullandheims.
Der Altkünkendorfer Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bewer begrüßte die jungen Gäste persönlich und fühlt sich auch dem Anliegen der Fachtagung verbunden. "Wir haben mit dem Grumsin einen Schatz vor der Haustür und engagieren uns nicht nur für Naturschutz, sondern auch dafür, diese Natur erlebbar zu machen, um dadurch ein Nach- und Umdenken anzuregen. Das geht ja nicht so einfach: Schalter umlegen und ab morgen machen wir alles anders."
Das schon fast inflationär benutzte Schlagwort Nachhaltigkeit soll im Steglitzer Gymnasium gelebt werden. Hier gibt es eine AG Nachhaltigkeit, die praxisnahe Projekte entwickelt, zu denen auch die nun schon zweite Fachtagung im Schullandheim Altkünkendorf gehört. "Naturerlebnisse sind für uns Städter selten geworden. Wir müssen sie uns organisieren, denn sie sind wichtig, um Respekt für die Umwelt zu erlangen. Das Schullandheim in Altkünkendorf bietet für uns dafür ideale Voraussetzungen", betonte Schulleiterin Antje Lükemann. Und auch Peter Fritsch, Mitarbeiter im Bundesumweltministerium, der selbst Kinder auf dem Steglitzer Gymnasium hat, unterstützt dieses Anliegen. "Wir sind Städter und kennen Boden nur als Schmutz unter den Füßen. Deshalb ist Wissen so wichtig, nachhaltige Bildung über unsere Ressourcen, um verantwortungsvoller mit ihnen umzugehen", erklärte Fritsch, der als Referent der Fachtagung die Entwicklung der Klimapolitik seit der Weltkonferenz in Rio 1992 beleuchtete. "Moore speichern doppelt soviel klimaschädliches CO2 wie alle Wälder zusammen. Doch 99 Prozent aller Moore sind bereits vor allem für die Land- und Forstwirtschaft entwässert", machte Dietrich Galow den Zusammenhang zwischen Klima- und Moorschutz deutlich.
Die Wissenschaftler Heike Wiedenhöft, Benjamin Herold und Prof. Vera Luthard beschrieben an aktuellen Beispielen und bei einer Exkursion zu den Mooren im Grumsin Maßnahmen der Moor-Renaturierung im Biosphärenreservat-Schorfheide-Chorin. Die Rucksackschule hat ihre Feuertaufe bestanden.