Die Volkssolidarität begeht in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Auch in Angermünde wirkt der Sozialverband schon seit vielen Jahrzehnten. Die Mitarbeiter und viele Ehrenamtler kümmern sich um das Miteinander der Generationen und sorgen dafür, dass im Alter niemand allein gelassen wird, ob als Interessenvertreter oder sozialer Dienstleiter. Eigentlich sollte das Jubiläum dieser Tage auch im Land Brandenburg mit einer Festveranstaltung würdig begangen werden. Doch sie fiel Corona zum Opfer. Deshalb konnte die Angermünderin Andrea Hübeler-Buike ihre Auszeichnung nicht auf der Bühne in Potsdam entgegennehmen. Dafür wurde ihr die Ehrennadel der Volkssolidarität in Silber für ihr langjähriges Engagement bei einer Dienstberatung übergeben. „Das ist wirklich eine tolle Wertschätzung, über die ich mich sehr gefreut habe“, sagt sie.

Aus dem Labor in die Küche

Ihr Metier ist die Ernährung. Andrea Hübeler-Buike ist Chefin des Menü-Service im Verbandsbereich Uckermark. Sie kümmert sich um Kalkulationen, Wirtschaftlichkeit und Organisation ebenso wie um gesunde Ernährung vom Kita-Kind bis zu Senioren. Gelernt hat sie einst Chemiefacharbeiter im PCK Schwedt und sattelte später um. 1993 kam sie als Küchenleiterin der Kita „Knirpsenland“ zur Volkssolidarität, absolvierte ein Grundstudium über Aufbau, Führung und Steuerung von Mahlzeitendiensten und wurde Fachberaterin für Mahlzeitendienste und Verpflegungssysteme. Heute ist sie zuständig für die technischen Kräfte der Kitas sowie der Mahlzeitendienste in Angermünde, Gartz und Tantow.
320 bis 350 Portionen Mittagessen für die Kitas „Haus der kleinen Zwerge“ und „Knirpsenland“ sowie für Senioren in Angermünde und den umliegenden Ortsteilen werden täglich von drei Köchen frisch zubereitet und von drei Menü-Kurieren ausgefahren. Dazu gibt es Frühstück und Vesper für die Kita-Kinder. Auch nach so vielen Jahren im Job wird es nicht langweilig. Täglich muss sie sich auf neue Situationen einstellen. Zudem gibt es immer neue Erkenntnisse und Herausforderungen in der Ernährung, erzählt die Angermünderin. „Wir sind ,Kita mit Biss‘. Der Vormittag ist zuckerfrei und mindestens einmal in der Woche gibt es ein vegetarisches Gericht zum Mittag. Soweit es finanziell möglich ist, stellen wir auf Bio um und versuchen, Fleisch zu minimieren und durch andere Lebensmittel zu ersetzen“, erklärt sie. Die gesunde Ernährung für alle Kinder steht im Vordergrund. Für die zunehmenden Intoleranzen, ob gegen Nüsse, Eiweiß oder Gluten, finden sie und ihre Kollegen ebenso Lösungen wie bei Fleischverzicht aus religiösen Gründen. „Durch unser System und die Zusammenarbeit mit Partnern können wir verschiedene Komponenten anbieten.“

Ernährung im Wandel

Bei den älteren Leuten stehen nach wie vor Grützwurst mit Sauerkraut, Grießbrei, Kassler und Roulade hoch im Kurs. Aber auch bei den Senioren ist ein Generationswechsel zu spüren. Das Bewusstsein für Ernährung verändert sich. Der Trend geht zu Vegetarischem. Salatteller schmeckt auch im Winter.
Corona hat in diesem Jahr auch das Essen auf Rädern beeinflusst. „Wir haben bei der ersten Welle Regeln entworfen, die kontaktloses Anliefern ermöglichten, vom Abstellen des Essens an der Tür bis zur Umstellung auf Kassierung per Lastschrift. Vom Arbeitgeber wurden wir gut mit Desinfektionsmitteln und Masken ausgestattet“, sagt Andrea Hübeler-Buike. „Die Geschirrteile und Behälter kamen schon immer bei 90 Grad in unsere Geschirrspüler.“ Dennoch machten sich 8000 fehlende Portionen durch die Kita-Schließungen im ersten Lockdown schon bemerkbar.
Leider musste auch das neue Projekt „Auf Rädern zum Essen“, das seit drei Jahren Senioren aus den eigenen vier Wänden und der Einsamkeit locken sollte und das Andrea Hübeler-Buike vor drei Jahren mit ihren Kollegen startete, 2020 pausieren. Alle hoffen, dass der gemeinsame Mittagstisch bald wieder möglich ist.
Erst einmal sind alle gespannt, wie es bis zum Jahresende aussieht. „Wir werden uns auf alle Fälle zu Weihnachten einen schönen Speiseplan einfallen lassen“, verspricht die ausgezeichnete Menü-Service-Chefin.