In einem zweieinhalbseitigen Brief an Frank Bretsch, den Vorsitzenden des Planungsausschusses Uckermark-Barnim, hat Beate Blahy ihren Frust niedergeschrieben. Der resultiert aus der teils heftigen Diskussion um den demnächst zu beschließenden Windplan für beide Landkreise. Die Naturschützerin, die bei vielen Eignungsgebieten immer wieder auf Biotope, Tierarten und Eingriffe in Ökosysteme aufmerksam macht, schmeißt jetzt das Handtuch. Die Sitzungen würden in einem "unangenehmen Klima des gegenseitigen Misstrauens" verlaufen. Sprecher von Bürgerinitiativen würden "in herablassender, belehrender Weise" behandelt. Fachlich untersetzte Argumente fänden kein Gehör.
Beratende Mitglieder des Ausschusses seien die einzigen, die keine handfesten wirtschaftlichen Interessen zu vertreten hätten, sondern sich um die Lebensqualität der Menschen sorgten. "Dafür werden sie mit Häme, Spott und Verachtung, ja Zurückweisung bedacht", so Beate Blahy. "Ich habe Szenen miterleben müssen, die mich stark an frühere DDR-Versammlungen erinnert haben, derart rigide traten Sie, Herr Vorsitzender, uns gegenüber auf." Ein Vertreter einer Bürgerinitiative sei massiv verbal angegriffen, mit ungerechtfertigten Verdächtigungen überzogen und vor aller Ohren zusammengeschnauzt" worden.
Der seit Jahren währende Streit um neue und alte Windeignungsgebiete hat in den vergangenen Monaten an Schärfe gewonnen. Die Bürgerinitiativen machen sich nun auch landesweit stark. Die Debatte um den Netzausbau, um Energiepreise und die Zukunft der Stromversorgung beschäftigt ganz Deutschland. Regionalpläne werden gar von verschiedenen Seiten beklagt.
Mitten in diesem Prozess will die Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim nach teils zermürbender Diskussion einen aktualisierten Entwurf beschließen. Gegen die Kritik von Bürgerinitiativen und einiger Kommunen. Und mit großer Sorge von Naturschützern. Schwerwiegendster Vorwurf von Beate Blahy: Die Mitglieder des Planungsausschusses würden ihrer Aufgabe nicht gerecht werden. Die Planung sei "konsequent auf die Bedürfnisse und Forderungen der Windlobby ausgerichtet worden und im Sinne des Naturschutzes äußerst schädlich". Demnach seien sogar mehrere Schreiadlerbrutpaare bedroht. Rotmilane würden gar nicht berücksichtigt. Die Rohrdommel bei Crussow habe man so lange "verhört", bis sie in der passendsten Ecke verortet werden konnte. Bei Parstein stehen sich demnächst sogar Planungen gegenseitig im Weg. Hier kollidiert der Managementplan des Biosphärenreservats mit dem Windplan. Es sei den Bürgern nicht vermittelbar, "warum Landschaften dauerhaft entwertet, das Arteninventar beschädigt und die Lebensqualität der Brandenburger gemindert" werden sollen.
Der Chef des Planungsausschusses bedauert den Rückzug von Beate Blahy. Demnächst würden wichtige infrastrukturelle Planungen angeschoben. Dazu benötige man die beratenden Mitglieder. "Dem Vorwurf, die Windlobby zu unterstützen, widerspreche ich jedoch entschieden", so Frank Bretsch. "In den Planungen sind etliche Felder wegen des Naturschutzes herausgefallen, zum Beispiel Greiffenberg. Wir haben auch die Stadt dahingehend beraten. Und ich stapfe nicht umsonst und selbständig durch die Landschaft und mache mir persönlich ein Bild über die Lage von Windgebieten, um dann die Windkraft einseitig zu beglücken."
Lediglich zwei Felder bei Wandlitz und Crussow würden derzeit massiv kritisiert, bei allen anderen sei der Widerstand geringer. "Der Ausschuss hat eine vernünftige Arbeit geleistet und wir werden es bei so unterschiedlichen Bedürfnissen nicht allen Menschen recht machen können." Ausgangspunkt für die Planungen sind selbst festgelegte Kriterien, die die Regionalversammlung beschlossen hat.
Auch Bretsch empfindet die Debatten im Planungsausschuss nicht gerade als harmonisch. "Dass es zu Zuspitzungen und kontroversen Auffassungen kommt, war von vornherein klar und gewollt. Aber eine emotionale Debatte ist im Fachausschuss immer problematisch. Als Vorsitzender habe ich mir immer Mühe gegeben, den beratenden Mitgliedern genügend Raum zu geben." Bei den Bürgerinitiativen stünden aber eigene Befindlichkeiten im Vordergrund, nicht die Gesamtplanung. Ihrer Argumente hätten letztlich nicht die Kriterien aushebeln können.
Die Regionalversammlung Uckermark-Barnim will noch im Frühjahr den neuen Windplan beschließen.