Wolletz ist ein ganz besonderes Dorf. Hier gibt es keine Durchgangsstraßen, dafür Wald und See. Wo einst die Herrschenden im Jagdschloss residierten, erholen sich seit 1990 schwer kranke Menschen in einer Reha-Klinik. Es gibt noch einen DDR-Dorfkonsum, aus dem ein Café mit Kultcharakter geworden ist, aber es gibt in Wolletz keine Dorfkirche. Dafür wird es hier demnächst einen kunstvollen Andachtsraum geben, der allen Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, zum Gebet oder zur inneren Einkehr offen stehen wird- ein Kunstwerk am See.

Die Dorfkirche in Wolletz wurde 1965 abgerissen

Die Kirche, ein Fachwerkbau auf dem Friedhof, wurde 1965 wegen Baufälligkeit abgerissen. Eine schlichte Baracke diente seitdem 50 Jahre lang als provisorischer Kirchenraum, bis auch sie vor Kurzem entwidmet wurde und dem Abriss preisgegeben wird.
Die Stadt Angermünde baut nun in ihrem kleinen Ortsteil mit rund 120 Einwohnern ein neues Dorfgemeinschaftshaus als modernes Begegnungszentrum, zu dem auch ein separater interkonfessioneller Andachtsraum gehört. Er soll als begehbares Kunstwerk künftig für Gebete, Andachten, Meditationen und Ort der Stille für jedermann zugänglich sein. Gefördert wird das Projekt aus dem EU-Förderprogramm Leader zur Entwicklung ländlicher Räume.

Begehbares Kunstwerk am See

Mit der Planung ist die erfahrene Architektin Elke Hähnel aus Gramzow beauftragt worden. Die Ausschreibung für die Baugewerke ist mit guter Beteiligung einheimischer Firmen beendet worden. Das Gemeindezentrum entsteht als Neubau auf dem Gelände zwischen KaffeeKonsum und Feuerwehr, ganz in der Nähe der Fachklinik Wolletzsee. Es ist als ebenerdiger, eingeschossiger, massiver Klinkerbau geplant, informiert Architektin Elke Hähnel.

Treffpunkt für alle Einwohner des Dorfes

Das Gebäude soll einen großen Begegnungsraum, ein Foyer sowie eine Küche und Sanitäreinrichtungen enthalten. Hier entsteht für alle Einwohner des Ortes ein barrierefreier Treffpunkt und Ort für Veranstaltungen, Vereine, Ortsbeiratssitzungen, Wahlen, Seniorennachmittage, Kinder- und Jugendfreizeit, multikulturelle Begegnungen mit den ausländischen Mitbürgern, Dorffeste und Familienfeiern.
Bisher gibt es so ein Begegnungszentrum in Wolletz nicht. Die im Ort ansässige Unternehmerfamilie Fiege, die auch das Grundstück für das neue Begegnungszentrum zur Verfügung stellt, unterstützte zwar zwischenzeitlich die Einrichtung eines kleinen Jugendklubs. Außerdem wurden in einem der kommunalen Wohnblocks Begegnungs- und Freizeiträume für Dorfbewohner und zugezogene Flüchtlingsfamilien eingerichtet.

Grundsteinlegung am 25. September

Gottesdienste wurden meist im Nachbarort Altkünkendorf gefeiert, wo auch bei Wahlen ein gemeinsames Wahllokal eingerichtet wurde. Doch nun bekommt Wolletz ein eigenes attraktives Gemeindezentrum an zentraler Stelle mitten im Ort, das auch der wachsenden touristischen Bedeutung des Dorfes gerecht wird. Es ist eines der großen Wunschprojekte, das in den Workshops und Einwohnerbefragungen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Insek immer wieder hervorgehoben wurde.
Die Baugenehmigung ist bereits erteilt, die Bauleistungen sind an regionale Unternehmen vergeben worden. „Wir wollen ganz schnell loslegen. Die feierliche Grundsteinlegung ist für den 25. September geplant“, informiert Elke Hähnel.

Offener Blick in den Himmel

Der interkonfessionelle Andachtsraum entsteht in Sichtweite des Begegnungszentrums direkt am Wolletzseerundweg mit Blick auf den See. Das Besondere: Es ist ein offener Raum mit Fundament und Wänden unter freiem Himmel, der dennoch Intimität, Ruhe und Atmosphäre ausstrahlt und für jede Religion oder einfach nur zum Innehalten genutzt werden kann. Er steht Einwohnern, Klinikpatienten, Gästen, Wanderern oder Touristen offen. Der Andachtsraum ist als Kunstwerk eingestuft und soll Natur, Kunst, Religionen und Spiritualität einzigartig verbinden.