Niemand wagt derzeit eine genaue Prognose, welche wirtschaftlichen Folgen Corona in den kommenden Monaten nach sich zieht. Zurzeit gibt es in den Kreisen Uckermark und Barnim keinen Anstieg bei Firmenpleiten. Ganz im Gegenteil – die Zahlen deuten eher nach unten. Doch der Schein trügt. Monatelange Schließungen ganzer Branchen, Kurzarbeit, Auftrags- und Umsatzausfälle hinterlassen Spuren. Das zeigt der Arbeitsmarkt. Zwar ist die Arbeitslosigkeit in den beiden Landkreisen im August nicht wie erwartet weiter gestiegen, doch im Vergleich zum Vorjahresmonat gibt es 1275 Arbeitslose mehr.
Normalerweise würde jetzt im September und Oktober noch einmal ein Rückgang zu erwarten sein, weil die übliche Herbstbelebung nach Arbeitskräften verlangt. Doch wie sich nun Corona auswirkt, bleibt abzuwarten. „Um die Zahl der Arbeitslosen und die Kurzarbeit deutlich abzubauen, bedarf es eines starken Herbstaufschwungs“, so Petra Röhlinger-Hissnauer, Chefin der Arbeitsagentur Eberswalde.
Viele Unternehmen bleiben zurückhaltend, stellen nicht mehr so offensiv ein wie zu Jahresbeginn. Die seit Januar von der Wirtschaft angebotenen freien Jobs sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent eingebrochen. „Eine Trendwende ist auch in diesem Bereich noch nicht absehbar“, so Petra Röhlinger-Hissnauer. „Das Einstellungsverhalten hat sich sichtbar verändert. Die Firmen zeigen sich abwartend.“ Auch wenn der erste Schock überwunden scheint, sitzen die einschneidenden Veränderungen noch tief in den Knochen.

11.000 Menschen in Kurzarbeit

Aktuell liegen die Zahlen der Kurzarbeit vor. Vorerst für die Monate März und April, weil die Unternehmen drei Monate Zeit haben, die tatsächliche Kurzarbeit abzurechnen. Im März – zu Beginn der Pandemie - haben 1125 Betriebe in den Kreisen Uckermark und Barnim Kurzarbeitergeld für 6326 Beschäftigte erhalten. Im April sind es bereits 1941 Betriebe mit 11.392 Beschäftigten gewesen. Zwar klingen diese Zahlen äußerst dramatisch, aber die tatsächliche Kurzarbeit liegt deutlich unter der Zahl der vorsorglich gestellten Anträge. Das bedeutet: In vielen betroffenen Firmen und Institutionen ist die Kurzarbeit niedriger ausgefallen oder es mussten nicht alle Arbeitnehmer nach Hause geschickt werden. Das wiederum werten Experten als positives Zeichen.
Die beiden Jobcenter in Uckermark und Barnim merken die erhöhte Zahl von Selbstständigen, die aufgrund des Totalausfalls von Aufträgen Hartz IV anmelden mussten, weil sie kein Arbeitslosengeld von der Agentur bekommen. Wie sie mit ihnen umgehen sollen, steht in den Sternen. Denn eigentlich wollen die Betroffenen wieder in ihren alten Jobs arbeiten. Es kann aber auch passieren, dass sie aufgrund einer günstigen Vermittlung ihren Ein-Mann-Betrieb ganz aufgeben.

Barnim von Arbeitslosigkeit stärker betroffen

„Der Abbau der Arbeitslosigkeit wird aufgefressen von der Krise“, sagt Gaby Wehrens, Leiterin des Job-Centers Barnim. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern und die Zahl der Langzeitarbeitslosen über dem Vorjahreswert. In der Uckermark sieht es dagegen nicht ganz so schwierig aus. „Wir partizipieren grundsätzlich weniger vom Aufschwung, dafür schwanken bei uns die Zahlen dann auch nicht so stark in der Krise“, so die Einschätzung von Jobcenter-Chef Michael Steffen. Allerdings würde bei der Vermittlung deutlich werden, dass viele Arbeitgeber derzeit nur befristet neue Leute einstellen.
Keinen Einbruch durch die Corona-Krise gibt es beim Ausbildungsmarkt. Die Firmen haben ihre Lehrstellenangebote fast durchweg aufrecht erhalten.