Die Corona-Pandemie hat das Leben auch im Amtsbereich Gartz in vielen Bereichen ziemlich lahmgelegt. Dass allen Einwohnern 2020 viel abverlangt wird, Kitas und Schulen zeitweilig wegen Erkrankungs- und Quarantänefällen schließen müssen, ahnte beim Weihnachtsbaumverbrennen Anfang Januar auf dem Gartzer Sportplatz noch keiner.
Dass die letzte Faschingsveranstaltung der Gartzer Carnevalsgesellschaft im Februar auch der Abgesang für eine längere Zeit sein wird, wusste zu diesem Zeitpunkt auch noch niemand. Das Ausmaß des Sanierungs-Staus für den Gartzer Kanonenschuppen kam erst nach und nach ans Licht. Doch es gibt Hoffnung. Zu einer coronafreien Zukunft gehört der Gartzer Karneval einfach dazu. Im Herbst haben sich viele Leute zusammengefunden, die das Schlachtschiff wieder flottmachen wollen. Das hat auch schon mit Aufräumarbeiten und baulichen Untersuchungen begonnen. Jetzt muss sich jemand den Hut aufsetzen, damit klare Eigentums- oder Pachtverhältnisse herrschen und zügig mit den Sanierungen begonnen werden kann. Ideen und Freiwillige gibt es, nur noch keine Festlegungen. Die Mühlen der Verwaltung mahlen manchmal langsam.

Bahnhöfe Petershagen und Schönow in Gefahr

Jedoch nicht in Verkehrsfragen. Da zaubert der Amtsdirektor zum Ende des Jahres flugs einen Vorschlag aus dem Ärmel, der nicht nur Leute aus seinem Amtsbereich, sondern auch aus der Nachbarschaft auf die Palme bringt. Für eine schnelle Verbindung zwischen Berlin und Stettin sollen nach dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke die Züge nicht mehr auf den Bahnhöfen Petershagen und Schönow halten. Es kommt nicht oft vor, dass Bund und Länder mehr für die Infrastruktur tun wollen als die eigenen Kommunen. Eigentlich sollten alle Unterwegsbahnhöfe sogar ausgebaut werden. Die Argumentation des Gartzer Amtsdirektors, der sich auf nüchterne Zahlen stützt, muss ja nicht falsch sein. Aber sie ist ein Beleg dafür, dass die Menschen im Amtsbereich von Planungen oftmals ganz schön kalt erwischt werden. Vielleicht gibt es noch einen Kompromiss, indem zum Beispiel nicht alle Züge halten müssen, sondern nur die wichtigsten für Berufspendler. Oder aber Landkreis und Busunternehmen ziehen ebenso überraschend einen Plan aus dem Ärmel, wie die Busverbindungen noch effektiver mit denen der Bahn verknüpft werden können. Sonst suchen sich vielleicht immer mehr Jugendliche und junge Familien eine neue Heimat mit besserer Infrastruktur.

Viel getan für Kinder und Senioren im Raum Gartz

Für kleinere Kinder und alte Menschen legt man sich im Amtsbereich ganz schön ins Zeug. In diesem Jahr sind in vielen Dörfern auch mit Unterstützung von Elterninitiativen und Vereinen Spielplätze entstanden, so in Gartz, Wartin, Mescherin und Woltersdorf. Im Blumberg ist einer im Entstehen. Der Petershagener konnte kurz vor Jahresende gerade noch durch die Gemeindevertreter Casekows gerettet werden, indem der Landverkauf verhindert wurde. Ebenso wurden Plätze im Betreuten Wohnen und der Tagespflege unter anderem in Gartz geschaffen. In Biesendahlshof residieren jetzt Senioren im ehemaligen Schloss. Kein Wunder, dass so langsam auch die Jugend auf sich aufmerksam macht. Der hoffnungsvolle Gartzer Nachwuchs wartet immer noch auf ein Plätzchen, wo man sich im Freundeskreis treffen kann und bei ersten zaghaften Küssen nicht auf dem Präsentierteller sitzt. Ein abgestecktes kleines, kahles Gelände im Ortszentrum ist nicht gerade einladend. Vielleicht wären Vorschläge von jemand anderem als der ehrenamtlichen Gartzer Bürgermeisterin, die sich dafür engagiert hat, eher auf offene Ohren gestoßen. Sie beißt seit ihrem Amtsantritt vor anderthalb Jahren oft auf Granit, auch wenn sie Fragen über die Vorbereitungen der Schulsanierung oder zu Alltagsproblemen stellt, die sie aus Gesprächen mit Einwohnern mitbringt. Selbst ihre Wünsche für die Tagesordnungen der Stadtverordnetenversammlung, die sie selbst leitet, finden sich selten wieder. Ignoranz und Aussitzen helfen selten, Probleme zu lösen. Wen so viele Wähler ins Ehrenamt berufen, hat Achtung verdient, auch wenn er ein Neuling in der Kommunalpolitik ist.

Sacharbeit statt Kindertheater in Gartz gefragt

Mehr mit- als übereinander zu reden, wäre ein gutes Vorhaben im neuen Jahr. Dann werden vielleicht auch die Sitzungen für die Abgeordneten und Bürger im Publikum noch interessanter, die sich mehr Sacharbeit als Kindertheater wünschten. Gesprächsbereitschaft würde auch zahllose Beschwerden beim Landkreis überflüssig machen.
Mehr Bürgernähe könnte auch der Internetauftritt des Amtes Gartz vertragen. Vielleicht könnten in Zeiten der Digitalisierung Sitzungen der Gremien künftig zeitiger und mit den geplanten Beschlüssen veröffentlicht werden. Man erspart Wege zum Aushang oder muss sich die Unterlagen nicht per Post schicken lassen. Letztere scheint im Amtsbereich ja auch nicht so schnell zu sein, wenn donnerstags in Gartz abgeschickte Vorlagen dienstags immer noch nicht in Casekow angekommen sind.