Naturschützer stellen sie auf eine Stufe mit tropischen Regenwäldern, obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten: Trockenrasen. Dieser spezielle Biotop ist mittlerweile ebenso extrem bedroht, wie die Regenwälder im Amazonas und steht in seiner Artenvielfalt den tropischen Paradiesen kaum nach. Klingt ungewöhnlich. Doch am Beispiel der Schildberge in Crussow kann man mit eigenen Augen beobachten, was in der trockenen Steppenvegetation des Trockenrasens kreucht, fleucht und blüht. Wiesensalbei, Grasnelken, Kartäusernelken, Wiesen-Kuhschelle, Zauneidechsen, Ringelnattern und jede Menge summender Insekten finden hier ihren idealen Lebensraum, der anderenorts inzwischen rar geworden ist. Deshalb setzt sich die Stiftung Naturschutz-Fonds Brandenburg mit Partnern vor Ort für den Schutz und den Erhalt von Trockenrasen ein. Wichtigste und eigentlich recht einfache Maßnahme zum Schutz der gefährdeten Trockenrasen ist die Offenhaltung der Flächen, die deshalb regelmäßig gemäht oder beweidet und von Gehölzen und Büschen befreit werden muss. Das soll mit dem Pilotprojekt "Erhaltungsmaßnahmen auf Trockenrasen in Natura 2000-Gebieten" nun in der Uckermark gefördert werden. Ungesetzt wird es vom Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide, der sich Partner vor Ort sucht und die Pflege und Beweidung der Trockenrasen koordiniert.
Die Schildberge im Norden von Crussow gehören zu diesen wertvollen Trockenrasen-Biotopen. Partner vor Ort sind der Jugendökohof Crussow und die Agrar GmbH Crussow. Über den Landschaftspflegeverband wurden bereits Bäume gefällt, vornehmlich Robinien, die hier nicht heimisch und untypisch für die Landschaft sind. Außerdem wurden Sträucher und Büsche entfernt.
Ab Mai werden Dexter-Rinder des Jugendökohofes das insgesamt 6,5 Hektar große Trockenrasengebiet Schildberge beweiden.
Die Minirinder sind dazu gut geeignet, weil sie leicht und genügsam sind. Der Trockenrasen hat mit seinem kargen, nährstoffarmen, trockenen Boden kein wertvolles Grünfutter zu bieten. Die Minirinder sollen aufkeimende Bäume und Büsche verbeißen und sie fressen die konkurrenzstarken Gräser, die die typische Trockenrasenvegetation verdrängen und den Boden mit Nährstoffen anreichern würden. Durch die Beweidung wird der Boden regelrecht ausgehungert. Das schafft wiederum optimale Bedingungen für die typische, hochspezialisierte, wärmeliebende und artenreiche Trockenrasenvegetation, die sich hier auf dem sandigen Wall entwickeln konnte, wie etwa die Knackerdbeere.
Wer jetzt zu den Schildbergen bei Crussow wandert, kann nicht nur auf neu angelegten kleinen Rastplätzen mit Holzbänken vom Hügel aus einen wunderbaren Blick in die weite Landschaft genießen, sondern sich auch an einer großen Infotafel über das Naturkleinod Trockenrasen als bedrohter und geschützter Lebensraum informieren, der sich direkt vor den Wanderern ausbreitet. Die Bänke und das knorrige Holzgestell für die Tafel haben Jugendliche des Ökohofes gebaut, die hier in Fördermaßnahmen des Jobcenters betreut werden. Dazu wurde übrigens das Holz der gefällten Robinien verwendet.
Die Tafel selbst wurde inhaltlich über die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg gestaltet, die auch das Pilotprojekt zum Schutz der Trockenrasen in der Uckermark fördert.
Die Schildberge gehören zu insgesamt elf Maßnahmen in fünf FFH-Schutzgebieten (Flora-Fauna-Habitate) im Landkreiss. Die Gesamtkosten betragen 277100 Euro. Davon kommen 34500 Euro von der Stiftung aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, 18200 Euro EU-Mittel aus dem Eler-Programm sowie rund 60600 Euro vom Land Brandenburg.