Eine weitere freie Grundschule wird derzeit in Angermünde gegründet. Eine Initiative aus Eltern und Interessenten hat einen Trägerverein gegründet. Die Suche nach einem geeigneten Schulgebäude läuft noch. Der Unterrichtsstart ist zum Schuljahresbeginn 2020 geplant.
Es gibt nicht genug freie Plätze an der bestehenden Freien Schule in Angermünde. Also herrscht Ratlosigkeit bei betroffenen Eltern, die leer ausgehen. Kurzerhand haben sie nun eine Initiative „keck entdecken“ gegründet, um eine eigene Schule auf die Beine zu stellen. „Der Bedarf ist hoch im Raum Angermünde“, sagt Sarah Krahl vom Gründungsteam. Sie lebt in Peetzig, ist hierhergezogen, hat Kontakt zu anderen Wahl-Uckermärkern, die mit Kind und Kegel aufs Land gekommen sind.
Schon seit dem Frühjahr wälzen sie Bücher, diskutieren über Reformpädagogik, Verantwortung und selbstbestimmtes Lernen. Aus der Idee ist schnell Ernst geworden. Wer eine eigene Schule auf die Beine stellen will, benötigt ein Konzept. Es soll eine in Brandenburg einzigartige Einrichtung werden, geschaffen „frei aus dem Herz raus“. So beschreibt das Gründungsteam die eigene Arbeit. „Wir stützen uns dabei auf das Umsetzen neurobiologischer Erkenntnisse“, erklärt Sarah Krahl. Es geht um die Fähigkeiten von Kindern in der Welt von morgen, um Lebensperspektiven, um eine Vielfalt in der Bildungslandschaft.
„Schule ist ein lebendiger Ort, an dem Kinder ihrer Neugierde folgen können, in der die Kinder in Beziehung mit sich und anderen wachsen und lernen können, ihre Selbstwirksamkeit erfahren, in der ein achtsamer wertschätzender Umgang miteinander gepflegt wird und in der Natur eine große Rolle spielt.“
Noch fehlt ein passendes Gebäude. Die Suche läuft. Ein leer stehender Bau der früheren Pestalozzischule in Greiffenberg kommt nicht mehr in Betracht, weil das Haus von der Stadt aufgegeben wurde und der Bauaufwand den Gründern viel zu hoch erscheint. Andere Objekte in der Umgebung bleiben noch auf der Warteliste. Am liebsten würden die Schulaktivisten das künftig frei werdende Haus des jetzigen Literaturmuseums – die frühere Ehm Welk-Gedenkstätte – in der Angermünder Puschkinallee von der Stadt kaufen. Eine Anfrage dazu läuft. Der Vorteil: Das kommunale Grundstück verfügt über viel freie Flächen, ist zentral gelegen und eignet sich für die pädagogischen Ansätze. Entscheiden müsste darüber die Stadtverordnetenversammlung.
Nächste Hürde: Die Suche nach einer geeigneten Lehrkraft, um den Unterricht der Startklasse abzusichern. Sie soll nach dem Willen der Eltern „mit Kindern auf Augenhöhe umgehen, fern von Lob und Tadel“, empathisch und authentisch auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen und gern auch Erfahrungen aus der Naturpädagogik mitbringen.
Bevor die Schule mit staatlichen Zuschüssen für die Lehrergehälter rechnen kann, muss sie sich drei Jahre lang vollkommen selbst finanzieren. Hier setzen die Gründer auf Kleinbürgschaften von Menschen aus der Region, von Unternehmen. Und auch ein Hort muss finanziert werden.
„Wir stoßen in der Region auf großes Interesse“, berichtet Sarah Krahl. „Wir hätten eigentlich jetzt schon mit einer vollen ersten Klasse starten können.“ Das soll nun im Herbst 2020 passieren.
Die Gründungsinitiative für eine weitere freie Grundschule im Raum Angermünde stellt sich heute Abend um 17 Uhr unter dem Motto „Alphabet“ mit einer Filmvorführung und anschließender Gesprächsrunde im Angermünder Rathaussaal öffentlich vor. Weitere Informationen zu Schule, Gebäudesuche und Konzept unter keckentdecken.wordpress.com im Internet. Kontakt: keck-entdecken@web.de