"Wir machen uns Sorgen um den alten Buchenwald und die Region." So beginnt ein leidenschaftlicher Brief an die Uckermark-Landrätin Karina Dörk. Wir, das sind drei Naturführer im Weltnaturerbe Grumsin. Roland Schulz, Thomas Volpers und Tobias Schramm haben einen Hilferuf an die Landrätin gesandt und um Unterstützung bei der Lösung der Parkplatzsituation in Altkünkendorf gebeten.
An Wochenenden und Feiertagen ist das Dorf komplett zugeparkt. Auch am Waldrand zum Grumsin reihen sich Dutzende Autos und versperren sogar Waldwege der Forst. Das verärgert die Altkünkendorfer immer mehr. Der Druck wird unerträglich. Die Naturführer befürchten, dass durch die unbefriedigende Park- und Besucherlenkung die Akzeptanz dieses Schutzgebietes von internationaler Bedeutung in der einheimischen Bevölkerung weiter sinkt. In der Vergangenheit gab es viele Querelen um das Weltnaturerbe im Dorf und mit privaten Waldbesitzern, die erst nach einem mühsamen Moderationsprozess mit der Biosphärenreservatsleitung und der Stadt Angermünde besänftigt werden konnten.
Nun droht die Stimmung erneut zu kippen. Zum wiederholten Male wurden Infotafeln und Wegemarkierungen mutwillig zerstört. Wer dahinter steckt, ist noch unbekannt. Inzwischen ermittelt die Polizei. Die Botschaft scheint erkennbar: Sie richtet sich offenbar gegen Touristen im Wald. "Die aufgebrachten Bürger in Altkünkendorf verstehen wir zum Teil", schreiben die Naturführer und betonen: "Wir möchten beitragen, dass der Streit um das Welterbe beigelegt wird. Wir bleiben überzeugt, dass der Welterbewald eine bedeutende Funktion im Tourismuskonzept des Landkreises ausübt - wenn die Menschen zu ihm stehen." Vor diesem Hintergrund wird die Landrätin gebeten, die Parkplatzsituation in Altkünkendorf zu analysieren. Die Straße zwischen Altkünkendorf und Althüttendorf, die am Grumsiner Wald vorbeiführt, ist eine Kreisstraße. Die Naturführer wünschen sich, dass dort ein Parkverbot eingerichtet wird und auch im Dorf an Wochenenden und Feiertagen nicht mehr geparkt werden darf.
In der Ortsmitte hinter der Feuerwehr hatte die Stadt Angermünde einen Parkplatz für Grumsinbesucher gebaut und weist durch Hinweisschilder sowie im Infopunkt darauf hin. Allerdings kann er mit zwölf Stellplätzen nicht annähernd den Besucheransturm fassen. Also wird wild geparkt, auch am Heiligen See, wo an Wochenenden nicht nur Tagesgäste, sondern Dutzende Wohnmobile Halt machen und das Gebiet in einen Campingplatz verwandeln. Die Stadt Angermünde reagiert darauf und richtet derzeit durch den Bauhof am Heiligen See einen Behelfsparkplatz ein.
Doch immer mehr und größere Parkplätze sei nicht das, was die Naturführer, die Biosphäre und der Angermünder Tourismusverein wollen. Es gelte, Alternativen zum Auto aufzuzeigen.

Welterbebus statt Auto

"Wir möchten nachhaltigen Tourismus fördern. Die Besucher sollen umweltfreundlich mit Bahn und Bus anreisen", betont auch Johanna Henschel, Geschäftsführerin des Tourismusvereins. So soll in Kürze ein "Welterbebus" Fahrt aufnehmen, der ähnlich wie der Biberbus als Kooperationsprojekt von Stadt, Landkreis und Biosphäre auf seiner Linie vom Angermünder Bahnhof aus verschiedene Stationen mit dem Welterbe verbindet. So könnten bestehende Parkplätze am Bahnhof, bei Hemme-Milch in Schmargendorf und am Geopark in Groß Ziethen genutzt und Besucher von dort aus bequem mit dem Welterbebus zu den "Eingangstoren" des Grumsin und wieder zurück gelangen. "Wir möchten diesen wunderbaren Wald für alle erlebbar machen und nicht den Streit, sondern die Schönheit der Region in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehören auch die Menschen, die hier leben", sagt Naturführer Roland Schulz.