Der alte Kolonialwarenladen in Crussow lebt wieder auf. Das Haus mit der Inschrift und das Pferdefuhrwerk des Kaufmanns als Urform der heutigen Verkaufsmobile sind wieder mitten im Dorf sichtbar. Im Buswartehäuschen in der Felchower Straße bietet einen Blick in die Geschichte des Dorfes mit Kaufladen, Kirchturm und Schloss. Die Innenwände des Häuschens zeigen längst verschwundene Dorfansichten von historischen Fotografien aus privaten Archiven. Die Außenseiten zeigen Crussow heute aus der Vogelperspektive in bunten Luftaufnahmen. Da kann man sein Haus suchen, während man auf den Bus wartet.

Luftbilder vom Uckermark-Piloten Wilfried Bergholz

„Wir wollten das triste Wartehäuschen, das reparaturbedürftig war, moderner und attraktiver gestalten und haben uns die Idee der Gestaltung mit Dorfansichten im Ortssteil Mürow abgeguckt“, erzählt Ortsvorsteher Dieter Grenz stolz. Mit Unterstützung der Marktfotografen Angermünde, die die Fotos auf Tafeln vergrößert haben und mit Luftbildern des Ex-Crussower Piloten Wilfried „Willi“ Bergholz wurde das Wartehäuschen in einen echten Hingucker verwandelt. Wilfried Bergholz, der viele Jahre in Crussow zu Hause war und sich immer noch mit dem Dorf verbunden fühlt, stellte seine Luftbilder und Urheberrechte kostenlos zur Verfügung.

Junge Leute kennen Crussow von früher kennenlernen

Der ortsansässige Unternehmer Maik Kurzawa unterstützte bei den handwerklichen Arbeiten. Und der Ortsbeirat stellte Geld aus seinen Verfügungsmitteln zur Verfügung. „Wir sind sehr stolz, was wir mit viel Eigeninitiative aus der ollen Bretterbude gezaubert haben. Das ist ein Schmuckstück, da werdeen sicher die Leute gern mal stehen bleiben und junge Leute und Zugezogene lernen das Dorf auch von früher kennen“, freut sich Ortsvorsteher Dieter Grenz.

Angermünde

Schloss wurde 1945 gesprengt

Für Anwohnerin Edda Frick haben die alten Fotos eine ganz persönliche Bedeutung. Sie lebt in dritter Generation in Crussow und einige verschwundene Dorf-Ansichten kennt sie noch persönlich. Die Kolonialwarenhändler waren ihre Großeltern. Zu DDR-Zeiten hat ihre Mutter den Laden als Konsum, weitergeführt. „Im Schlosspark haben wir als Kinder gespielt. Das wunderschöne Schloss wurde 1945 gesprengt, der Kirchturm 1966 wegen Baufälligkeit abgerissen“, erzählt Edda Frick.
Jetzt kann man sie wieder entdecken. Jetzt will der Ortsbeirat auch im Crussower Ortsteil Henriettenhof ein Buswartehäuschen errichten, damit die Kinder dort nicht im Regen stehen müssen.