Konstanz in Baden-Württemberg machte im Mai 2019 den Anfang, auf Initiative der weltweiten Bewegung Fridays for Future wurde nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss der Klimanotstand ausgerufen. Mittlerweile zählt die Liste deutscher Städte immerhin 70 Orte und Gemeinden. In Brandenburg haben bisher Potsdam, Eichwalde und Frankfurt/Oder den Klimanotstand ausgerufen.
Geht es nach Bündnis90/Die Grünen, ist Angermünde die vierte Stadt in Brandenburg und Vorreiter in der Uckermark. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion eingereicht, über den die Stadtverordnetenversammlung im September entscheiden soll.
Erklärtes Ziel der Angermünder Grünen ist es, dass kommende Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung (SVV) zunächst bewertet werden müssen, welche Auswirkungen sie auf den Klimawandel haben. "Uns als Vertreter in der SVV muss bei jeder Entscheidungsfindung bewusst sein, dass diese Auswirkungen haben können auf das Klima, positiv oder auch negativ, zum Beispiel bei Baumaßnahmen oder anderen Entwicklungen", sagt der Fraktionsvorsitzende Robert Schindler. "Auch Angermünde wird die Auswirkungen des Klimawandels direkt spüren. Wir müssen daher unseren Beitrag leisten, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser-Klimaabkommens zu erreichen", ergänzt Schindler die Notwendigkeit.

Klimawandel lokal begrenzen

Die Grünen fordern, dass die Verwaltung und die Stadtverordneten den Klimaschutz als kommunale Aufgabe mit hoher Priorität anerkennen, sowie das Unternehmen mit städtischer Beteiligung ebenso Maßnahmen erarbeiten und ergreifen, um den Klimawandel in seiner Entwicklung zu begrenzen. Auch sollen Informationen zur Verfügung gestellt werden, wie Privatpersonen eigene Klimaschutzmaßnahmen durchführen können.
Für die Angermünderin Tina Prager wird es höchste Zeit. Sie ist Sprecherin des Grünen Kreisverbandes und sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss der Stadt. "Die weltweite Klimabewegung, die meteorologische Faktenlage und die Gerechtigkeit gegenüber kommenden Generationen zwingen uns zum Handeln. Angermünde kann und sollte jetzt die Weichen stellen, um eine nachhaltige Entwicklung als Mittelzentrum in der Uckermark, in Brandenburg und somit in Europa zu ermöglichen."
Fraktions-Chef Schindler sagt: "Es geht uns keineswegs um Verbote oder um das Verhindern von notwendigen Maßnahmen. Es geht uns um das Bewusstsein eines jeden einzelnen. Jede Person in und um Angermünde kann einen Beitrag leisten."
Die Grünen hoffen auf breite Unterstützung in der Stadtverordnetenversammlung und das im Nachgang weitere Städte der Region dem Beispiel folgen. Der Antrag zur Erklärung des Klimanotstandes wird erstmals im Bau- und Umweltausschuss am 11. August behandelt. Die Sitzung findet coronabedingt in der Turnhalle der Puschkinschule in der Fischerstraße statt.