Von der kleinen Raupe Nimmersatt zum wunderschönen Schmetterling, diesen Kinderbuchklassiker kennen in der Angermünder Kita „Haus der kleinen Zwerge“ inzwischen alle Kinder. Sie haben die Geschichte der wundersamen Verwandlung nun sogar ganz lebensecht miterlebt und erforscht. Die Schmetterlingszucht ist das jüngste Projekt der Integrationskita, mit dem sie zum sechsten Mal das Zertifikat „Haus der kleinen Forscher“ erfolgreich verteidigte.

Mehr Bildung für alle Kinder

Das Haus der kleinen Forscher ist eine bundesweite Bildungs- und Fortbildungsinitiative der gleichnamigen Stiftung, die seit 2006 Frühbildung in Kitas und Grundschulen vor allem im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich fördern und praxisnah unterstützen will. Es geht um mehr Bildung für alle, um Chancengleichheit und Qualität in der Kita-Erziehung.
Im Landkreis Uckermark ist das Projekt in der Wirtschaftsfördergesellschaft Investor Center Uckermark (ICU) angesiedelt und wird von Raik Maiwald koordiniert und fachlich begleitet. 16 uckermärkische Kitas konnten inzwischen dieses Qualitätssiegel erreichen, das alle zwei Jahre rezertifiziert werden muss.

Forscherdrang frühzeitig wecken

Ein Haus der kleinen Forscher ist kein Ruhekissen, sondern ein permanenter Anspruch in der pädagogischen, inhaltlichen Arbeit, betont Raik Maiwald. Die Volkssolidarität-Kita „Haus der kleinen Zwerge“ darf bereits seit 2011 diesen Titel tragen und hat ihn gerade wieder erfolgreich verteidigt. Mit einer Schmetterlingszucht. Hier beobachten und erforschen die Kinder das Leben eines Falters, von der frisch geschlüpften Raupe über die Puppe bis zum schönen Schmetterling, und ergründen dabei Zusammenhänge in der Natur, von den verschiedenen Entwicklungsstadien des Insektes bis zu seinen Nahrungs- und Lebensgrundlagen und lernen dabei auch, wie der Mensch Einfluss nehmen kann auf eine intakte Natur, in der sich auch die bunten fröhlichen Schmetterlinge wohl fühlen. Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit steht bei den Forschungsprojekten im Vordergrund.

Brennnesseln und Malven als Futter

„Wir haben mit den Kindern erforscht, wie sich die Raupen verpuppen und was sie beziehungsweise Schmetterlinge in der Natur fressen. Dabei sind wir auch auf die Suche in unserem großen Garten gegangen“, erzählt Erzieherin Antje Tressat. So wurden Brennnesseln und Malven als Futter gesammelt. „Die Kinder sollen dabei selber beobachten und möglichst eigene Antworten für ihre Fragen suchen“, erklärt Kitaleiterin Martina Kundler.

Eltern wurden von der Neugierde angesteckt

Fasziniert beobachteten nicht nur die Kinder, sondern auch die Erzieher, wie sich die winzigen Raupen nach dem Sattfressen verpuppten und nach rund zwei Wochen hübsche heimische Distelfalter ihre Flügel entfalteten. „Wir haben auch als Erwachsene bei dem Projekt viel dazu gelernt und die Eltern mit dem Entdecker- und Forschergeist ihrer Kinder angestellt und oft überrascht. Viele sind jeden Tag gucken gekommen, was sich in dem Schmetterlingsterrarium tut“, so Martina Kundler. Der Moment, als schließlich die Schmetterlinge in die Freiheit entlassen wurden, war für alle ein ganz besonderes emotionales Erlebnis.

Kitas erhalten Experimentierausrüstung

Die notwendige Experimentier- und Forschungsausrüstung stellt das ICU den Kitas zur Verfügung und bietet in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt regelmäßig Fortbildungen und praxisorientierte Workshops für alle interessierten Erzieher und Lehrer an, unabhängig, ob sie schon zertifiziert sind oder nicht, erklärt Raik Maiwald. Für das Haus-der-kleinen-Forscher-Projekt gibt es ein extra Budget.
Zum Schmetterlingsforschungsset, das das auch „Haus der kleinen Zwerge“ bekam, gehören zum Beispiel Becherlupen, Anleitungs- und Anschauungsmaterial sowie Raupen und Nahrung in Form einer Nektarpaste und als Geschenk für die Angermünder Kita sogar ein hochwertiges Mikroskop, das auch für andere Projekte genutzt wird.