Im Herbst 2020 soll eine zweite Freie Schule im Raum Angermünde den Unterricht aufnehmen. Die Gründungsaktivisten haben jetzt das Schulkonzept fertig und öffentlich diskutiert. Kernpunkt ist selbstbestimmtes Lernen.
Maximal 85 Kinder soll die neue freie Grundschule aufnehmen, wenn sie im vollständigen Betrieb läuft. Zwölf Mädchen und Jungen pro Klassenstufe, dazu eine nullte Klasse als Vorschule und ein Hortbereich. Beginnen will man klein, mit einer gemeinsamen ersten und zweiten Klasse. Dann wächst die Schule Jahr für Jahr.
Noch immer steht nicht fest, wo der endgültige Standort ist. Doch damit lassen sich die Initiatoren noch etwas Zeit. Der Start könne auch irgendwo zur Miete erfolgen, um in Ruhe ein geeignetes Gebäude zu finden. Derzeit sind zwei Objekte in die engere Wahl gekommen. Offenbar beide in Greiffenberg. Alternativen in Angermünde haben sich in der Zwischenzeit zerschlagen.
Kernfrage: Warum noch eine freie Schule, wo es doch schon eine gibt? „Aus dem Frust heraus“ ist die Entscheidung getroffen worden, antwortet die Gründungstruppe. Es gibt derzeit einfach nicht genügend Plätze für die Anmeldung von weiteren Kindern. Und so sitzen die Aktivisten stundenlang zusammen und tüfteln über moderne und alternative Pädagogik, über Essenszeiten und Morgenkreis, über Ausstattung, Finanzen und Organisation.
Das Herzstück – das eigentliche inhaltliche Schulkonzept – liegt nun vor. Es enthält im Kern drei Säulen: Selbstbestimmtes Lernen, sichere Beziehungen und Natur als Erfahrungsraum. „Aus Freude und Begeisterung heraus“ sollen die Kinder lernen, erklärt Desiré Schuler. Und eben nicht aus Angst vor Bestrafung, wie es häufig an konventionellen Schulen der Fall sei. „Keine Pflanze wächst schneller, wenn man an ihr zieht.“
Gegenseitiger Respekt, Gewaltfreiheit, gleichwürdiger Umgang zwischen Lernbegleitern und Schülern, selbstbestimmtes Lernen, Wertschätzung und Inklusion – all das sind Schlagworte aus dem Schulkonzept. Ein Teil des Alltags findet draußen statt. Es geht einerseits um den Bewegungsdrang, um Neugier und Spieltrieb, andererseits um die gewollte Berührung mit der Natur.
Freies Spiel, Projekte, Kurse, Exkursionen, Waldtage und Expertenbesuche machen die Lernformen aus. Die Schule beginnt mit einer Hortzeit, es sollen Morgenkreis und aktive Lernzeit folgen, dazwischen gibt es Entspannungs- und Bewegungszeiten, außerdem Dienste mit täglichen Putzaufgaben. Einmal pro Woche versammeln sich alle Interessenten auf einer offenen Schulbühne zum gegenseitigen Austausch.
Im März soll der Antrag auf Genehmigung gestellt werden. Dann kümmern sich die Gründer um Finanzen, Hort, Gebäude und Lehrer. Engagierte Mitstreiter sind weiterhin gesucht. Die ersten drei Jahre werden die schwierigsten, das wissen die Initiatoren. Denn in dieser Zeit muss sich die Einrichtung völlig frei und ohne staatliche Gelder tragen. Dazu beitragen soll eine „Leih- und Schenk-Gemeinschaft“, an der sich jeder beteiligen kann.
Informationen: keck-entdecken@web.de