Drei bewegte Jahrhunderte stecken in den Holzbalken und Lehmwänden des bekannten Fachwerkhauses am Marktplatz in Angermünde, das heute vor allem als Café bekannt ist. Welch spannende Geschichte dieses Haus trägt, erzählt eine rote Emailletafel, die der Heimatverein Angermünde hier kürzlich anbrachte. An vielen historischen Gebäuden der Altstadt gibt es bereits diese stummen Stadtführer.
Im Gebäude am Markt 21 wohnten viele Persönlichkeiten der Stadt. Erbaut hatte es 1720 der königliche Postmeister Johann Christian Müller, nachdem das Vorgängerhaus beim großen Stadtbrand 1705 vernichtet wurde. Es wechselte mehrmals den Besitzer.

Nach dem Krieg nutzte die HO das Geschäft

So erwarb Leutnant Hartmann von der Angermünder Garnison kurz nach dem Neubau das Gebäude. 1764 kaufte es die Generalin von Seydlitz, nachdem sie sich von ihrem Ehemann General von Seydlitz, dem berühmten Reitergeneral Friedrich des Großen, getrennt hatte. Der Kürschnermeister Carl Julius Rauschke betrieb dort von 1879 bis 1945 ein Hut- und Pelzgeschäft. Nach dem Krieg nutzte die DDR-Handelsorganisation HO das Geschäft.
Nach der Wende 1992 erhielten die Erben des früheren Besitzers Rauschke das stadtbildprägende Gebäude zurück und verkaufteen es 1995 an das Ehepaar Barthel aus Berlin, die das Gebäude umfangreich sanierten. Es wird heute noch als Wohn- und Geschäftshaus genutzt und beherbergt das beliebte Café „Hilde & Heinz“.