Ein neues Museum ohne Eröffnung. Keine Besucher, die sich vor den ausgestellten Schätzen drängen. – Dieses Schicksal ist dem Museum Angermünde am Wochenende widerfahren. Bürgermeister Frederik Bewer hat die Eröffnung für das völlig neu gestaltete Haus Uckermark, in dem Museum und Tourist-Info vereint sind, abgesagt. Grund sind zwei aktuelle Corona-Fälle in der Stadtverwaltung.

Viel Herzblut für die neue Ausstellung

Die größte Enttäuschung lag auf Seiten von Museumsleiter Ralf Gebur. Er und viele Helfer hatten in den vergangenen Wochen auf den Eröffnungstermin hingearbeitet und ihr ganzes Herzblut in die Gestaltung und den Aufbau der Räume, Vitrinen und Schaukästen gesteckt. Trotz der Absage war Gebuhr bereit, die Märkische Oderzeitung am Sonnabend durchs Museum zu führen. Wir baten ihn, uns ein paar Lieblingsstücke zu zeigen.

Behindertengerechtes Haus

Recht schnell hatte sich Ralf Gebuhr für zehn unbedingt sehenswerte Exponate entschieden. Doch zuerst machte er auf drei herausragende Vorteile des Museum aufmerksam: Beide Fachwerkhäuser seien architektonisch miteinander verbunden worden, und ein Anbau beherberge die Bibliothek und das Depot mit Schätzen der Regionalgeschichte. Zum Zweiten gebe es einen Fahrstuhl und sanfte Übergänge, die das ganze Haus behindertengerecht machen. Dritter Vorteil sei die Glasgalerie, über die Besucher auf die Freifläche schauen können, die 2021 gestaltet wird. „Was für ein wunderschöner Freiblick“, schwärmte Ralf Gebuhr schon jetzt. „Außerdem haben wir viel Raum für Sonderausstellungen, sodass wir immer etwas Neues bieten können.“

Äxte aus der Steinzeit

Als Ralf Gebuhr das Konzept für das Museum erarbeitete, hat er zwei starke Strömungen in Angermünde ausgemacht. Das ist der Verein für Heimatkunde und die literarisch Interessierten. Beide Strömungen sollten im Museum sichtbar werden, sich ergänzen und befruchten. Das Konzept ist aufgegangen. Beim Rundgang spürt der Besucher die Nähe zur Literatur ebenso wie zu archäologischen Kostbarkeiten.
Es überrascht nicht, dass steinzeitliche Äxte zu den Lieblingsstücken von Gebuhr zählen. „Sie sind bis 1000 vor Christi genutzt worden. Bauern haben sie auf ihren Äckern gefunden. Wir haben hier eine Axt aus Crussow. Die wurde in einem Bauernhaus im Dach verbaut, um das Haus gegen Blitzschlag zu schützen. Ein bisschen Heidenproblematik spielt hier rein“, erzählt Gebuhr.

Schatzfund von Groß Ziethen

Mindestens genauso viel liegt ihm der Schatzfund von Groß Ziethen am Herzen. Das sind 23 Zinn- und Kupfergeräte aus wohlhabenden Haushalten – geraubt, versteckt und um 1900 bei Meliorationsarbeiten wiederentdeckt. Und dann ist da noch die original erhaltene Kinokasse von Anfang der 1970er-Jahre mit Eintrittspreisen von 50 Pfennig bis 1,50 Mark.

Neuer Termin 26. Oktober

„Es ist eine grandiose Idee der Stadt gewesen, dieses Museum genau hier zu bauen, mitten im Zentrum, direkt am Markt. Bald stellen wir wieder unser Objekt des Monats vor. Museum ist eine lebendige Sache“, ist Ralf Gebuhr überzeugt und kündigt außerdem Veranstaltungen für Kinder an.
Das Museum wird wegen Corona noch eine Weile auf Publikum warten müssen. „Aber anstelle des Bürgermeisters hätte ich genauso entschieden. Wir haben viele Neugierige erwartet und bei dem Andrang keine Sicherheitsabstände gewährleisten können“, erläutert Ralf Gebuhr. Nächster erhoffter Termin für erste Besucher ist der 26. Oktober.
MOZ-Rundgang - neues Museum von Angermünde noch ohne Besucher

Geschichte MOZ-Rundgang - neues Museum von Angermünde noch ohne Besucher

Denkmalgerechte Sanierung


Das Haus Uckermark besteht heute aus zwei Fachwerkhäusern im Hohen Steinweg 17 und 18. Sie wurden 1694 erbaut und frühzeitig als Gastwirtschaft genutzt. Die Wirtschaft hatte Schank- und Braurecht. Der Begriff Hoher Steinweg kommt daher, dass er die erste gepflasterte Straße von Angermünde war. Hier lebte das gehobene Bürgertum.

Im Haus Uckermark hat sich auch einmal ein Kino befunden und bis zur Wende eine Gaststätte. Die Stadt Angermünde ist Bauherr der denkmalgerechten Sanierung, die mehrere Jahre gedauert hat. Architekt ist Olaf Beckert aus Prenzlau.