Containerlösung abgelehnt
"Unsere Filiale im Grundmühlenweg wurde in den letzten Jahren gut angenommen. Mehrere Leute haben gefragt: Warum seid ihr nicht im Stadtzentrum?", erzählt der Geschäftsführer Alexander Prinz. "Aber für uns gab es dort bisher keine Möglichkeit." Nun soll der Netto-Markt umgebaut werden. Monatelanges Arbeiten in einem Container wollte der junge Chef seinen Angestellten  nicht zumuten. "Wir pflegen ein gutes Miteinander und das auf Augenhöhe", erzählt er. "Deshalb gab es nur die Wahl, zu schließen oder etwas zu suchen."
Alexander Prinz wurde fündig. Er erfuhr, dass der Greiffenberger Bäcker Schmidt aufhören will. Man setzte sich zusammen und kam überein, dass die Wriezener Backstube in den Untermietvertrag der Bäckerei Schmidt in der Berliner Straße eintritt und zum Ende des Jahres, wenn die Fleischerei Schütze ins neue Haus am Uckermark-Center umzieht, den Laden gänzlich übernimmt. Damit wird es hier auch künftig ein Angebot an Imbiss und Snacks geben. Konzepte gibt es schon.
"Wir wollen etwas Neues ausprobieren", sagt der Geschäftsführer. Am Montag wird noch etwas gewerkelt. Ab Dienstag beginnt die Interimsphase mit noch kleinerem Angebot. Ein Teil des Personals kommt mit. Die andere Filiale wird bis zur Baumaßnahme weiterbetrieben. Derzeit hat das Unternehmen in Angermünde vier Mitarbeiter, später werden es zwölf sein. Man schafft Arbeitsplätze und investiert in den Umbau fast 200 000 Euro.
Suche nach Ankerpunkten
Der Unternehmer weiß, dass er hier nicht der einzige seiner Zunft ist, hat seine Berufskollegen schon kennen und schätzen gelernt. "Wir brauchen Frequenz. Das ist ein alter Kaufmannsgrundsatz. Wir werden miteinander, nicht gegeneinander arbeiten." Die Wriezener Backstube sei keine Handelskette.
In den über 20 Geschäften zwischen Fürstenwalde und Angermünde wird noch selbst gebacken. Man engagiert sich auch für Vereine und Tafeln. "Wir wollen mit der Region gehen. Das ist ein aufwendiger, aber nachhaltiger Weg", sagt Alexander Prinz, der seine Standorte nicht cafélastig sieht, sondern als "Zentren der Begegnung".
Auch sein Unternehmen trägt an den Folgen der Corona-Krise. Der Verkauf läuft gut, aber das Café-Geschäft ist durch die Schließungen um 20 Prozent eingebrochen. "Wir haben mit Verkaufsfahrzeugen gegengesteuert und die Flotte, die über Land fährt, von sieben auf zehn aufgestockt", verrät Alexander Prinz. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, sich vernünftig aufzustellen. "Wo die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist, muss man Ankerpunkte finden." Gerade hat er zwei neue Filialen in Oranienburg gegründet.
Alexander Prinz hat selbst Bäcker gelernt und gleich danach seinen Meister gemacht. Dann ging er zum Studium nach Berlin, ehe er sich wieder dem Bäckerhandwerk zuwandte. Seinen Vorgänger und Gründer der Wriezener Backstube hat er bei einem Forschungsprojekt kennengelernt, verrät er. Der hat ihn in seinem Weg bestärkt und steht ihm auch zweieinhalb Jahre nach dem Einstieg als Geschäftsführer immer noch als Berater zur Seite. Außerdem kann er sich auf ein Team von 184 Kollegen stützen.
"Angermünde ist ein sehr spannender Standort mit einem wunderschönen Stadtkern", sagt Alexander Prinz. "Die Interimsphase ab Dienstag wollen wir nutzen, um zu lernen, damit wir noch besser den Geschmack unserer Kunden treffen."