Wie ein Steinbruch mutet der große Platz vor den historischen Mauern der Angermünder Franziskanerklosterkirche an. Hier liegen dutzende tonnenschwere Findlinge, die in den kommenden vier Wochen zu Kunstwerken gestaltet werden. Sieben Bildhauer aus Deutschland, Italien und Holland wollen die Kolosse der Eiszeit unter den Augen der Öffentlichkeit bearbeiten und verwandeln den Klosterplatz in ein großes Freiluftatelier. Sie geben dem internationalen Hartgesteinsymposium in Angermünde ein Gesicht, das nach zwölf Jahren Pause wiederbelebt wird. Am Mittwoch wurde diese einzigartige Kunstaktion unter dem Titel „Glaziale Brandenburg“ feierlich eröffnet.

Einzigartiges Projekt in Nordeuropa

Das Besondere daran ist nicht nur das Material der riesigen uckermärkischen Findlinge, sondern auch die öffentliche Präsenz der Künstler, denen Einwohner und Gäste nun jeden Tag direkt beim Arbeiten über die Schulter schauen und den Schaffensprozess live mit verfolgen können. Das Open-Air-Symposium bringt Kunst und Tourismus zusammen. „In dieser Form ist ein solches Symposium einmalig im gesamten nordeuropäischen Raum. Denn eigentlich erhalten Bildhauer für ein Symposium einen fertig geschnittenen Block des massiven Materials in gewünschter Größe und gehen mit vorbereiteten Konzepten an die Arbeit. Die Glaziale Brandenburg macht das Gegenteil: Hier weiß der Künstler vorher nicht, was ihn erwartet. Er kennt vorher weder Größe, noch Form, noch Aussehen des Materials, das er bearbeiten wird, und kann erst vor Ort seine künstlerischen Ideen Ideen entwickeln“, erklärt Jörg Steinert.

Sieben Künstler aus drei Ländern

Der uckermärkische Bildhauer aus Schönermark bei Angermünde ist Initiator und Organisator des Hartgesteinsymposiums 2020, das er „Glaziale Brandenburg“ nennt. Der Titel nimmt Bezug auf die Symbiose von Kunst und Landschaft der Uckermark, die von der letzten Eiszeit geformt und ihre gewaltigen steinernen Schätze hinterlassen hat.

Vier Jahre Vorbereitungen im Vorfeld

Vier Jahre lang hat Steinert hartnäckig gekämpft, um die 1991 begründete Tradition der Angermünder Hartgesteinsymposien wieder mit Leben zu erfüllen. Der konzeptionelle, organisatorische und vor allem auch finanzielle Aufwand ist gewaltig. Und Steinert gelang es, die Stadtverwaltung, die Stadtverordnetenversammlung und schließlich auch viele Sponsoren von seinem Projekt zu überzeugen, ohne die so ein großes Symposium nicht möglich gewesen wäre, sagte der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer in seiner Eröffnungsrede anerkennend.
Doch die wichtigsten Partner sind die Künstler selbst. Jörg Steinert gelang es, sieben renommierte Kollegen nach Angermünde einzuladen. Mit dabei sind Thomas Reifferscheid aus Deutschland, Ton Kalle aus Holland, Antonino Grosso und Pierluigi Portale, Chris Peterson und Karin van Ommerern aus den Niederlanden. Zwei eingeladene Künstler aus Puerto Rico konnten wegen Corona nicht anreisen.

Skulpturengalerie am Mündesee zeigt Werke

Ton Kalle ist schon ein „alter Hase“. Der Holländer war seit 1994 fünf mal dabei. Seine Kunstwerke, wie der Leuchtturm“ am Mündesee, sind zu Angermünder Wahrzeichen geworden. „Ich bin besonders stolz, dass ich wieder zu diesem Symposium eingeladen wurde. Das ist für mich eine große Ehre und das Arbeiten mit Findlingen, die es in Holland nicht gibt, etwas Außergewöhnliches“, sagt Ton Kalle. Thomas Reifferscheid ist zum ersten Mal dabei und freut sich nicht nur auf die ungewöhnliche Atmosphäre des Open-Air-Symposiums, sondern auch auf die individuelle Auseinandersetzung mit dem Naturmaterial.
Zur Eröffnung kam auch der Gründer des Angermünder Hartgesteinsymposiums Joachim Karbe. Der Altkünkendorfer Bildhauer veranstaltete 1991 das erste Symposium mit Findlingen auf seinem Hof und organisierte in den Folgejahren bis 2008 acht weitere Symposien mit internationaler Besetzung in Angermünde. Das letzte fand 2008 an der Mälzerei statt. Die Ergebnisse sind überall im Stadtbild zu sehen. Die Skulpturengalerie am Mündesee mit ihrer Findlingskunst ist einzigartig. Und sicher werden auch einige der 2020 entstehenden Werke hinzukommen.