Seit 140 Jahren betreibt die evangelische Kirche eigene Kindergärten. Ein ganz besonderer davon steht in Angermünde. Zum 125. Geburtstag der früheren Kleinkinderschule veranstalteten frühere und heutige Kita-Kinder eine gemeinsame Party.
An den Sandkasten kann sie sich noch erinnern, an eine alte Holzrutsche, auf der sie sich einen Splitter eingerissen hat. Die Narbe ist heute noch zu sehen. Und an die Küche, die alten Holzschlafpritschen. Und natürlich an Tante Ursel. „Die hatte so was Mütterliches“, sagt Bärbel Gramsch. Zum Festgottesdienst in der Marienkirche hat sie sich extra alte Bilder aus dem Fotoalbum mitgenommen. Da stehen die Mädchen und Jungen beim Morgenkreis auf dem Hof in der Richtstraße. Das war 1953. Bärbel Gramsch erinnert sich bis heute mit Liebe und Dankbarkeit an die Einrichtung. Zum Jubiläum läuft sie noch einmal durch die früheren Räume. Viele Details sind geblieben: Die Türklinken mit dem Engelskopf, die alte Veranda, der Hof. Die Einrichtung heute ist dafür viel heller, freundlicher, moderner.
Ihr Fotoalbum mit Kindheitsbildern hütet Ursel-Ute Jänicke. Eins zeigt ihren Vater, wie er die Kinder mit dem alten Lastwagen der Energieversorgung bis vor die Tür chauffiert. Ein Erlebnis. Prägend bis heute sind die liebevollen Küchenfrauen geblieben: „Da gab es manchmal Schoko-Suppe mit Brötchen drin.“
Und dann hält Pfarrer Uwe Eisentraut ein Schwarz-Weiß-Foto eines Kindergartenkinds in die Höhe. Von 1941. Zu der Zeit ist Gerda Lange in Obhut der Erzieherinnen gewesen, damals noch Diakonissen. „Ich hatte immer Probleme mit dem Händefalten zum Beten vor den Mahlzeiten“, erzählt Gerda Lange. „Da hat Schwester Hanni mir jedesmal die Händchen sorgsam zusammengelegt.“
Als blutjunge Praktikantin kommt Anke Kolow 1983 nach Angermünde. Die Kinderdiakonin stammt eigentlich aus Gartz und hat in Greifswald gelernt, bevor sie ihre ersten beruflichen Schritte in der Angermünder Richtstraße absolviert. „Wir mussten im Frühdienst erst einmal heizen“, erinnert sie sich. Die damals 17-Jährige bekommt ein Zimmerchen unter dem Dach und wird schnell in die „sehr herzliche Atmosphäre“ aufgenommen. Später beendet sie ihre Ausbildung, arbeitet viele Jahre anderswo und zieht im Jahre 2000 mit ihrem Mann nach Angermünde zurück. Und es ist ein Zufall, dass gerade in „ihrem“ Kindergarten ein Schwangerschaftsersatz gesucht wird. Anke Kolow ist geblieben. Bis heute.
Auch viele Gottesdienstbesucher an diesem Tag sind selbst einmal in den evangelischen Kindergarten gegangen. Oder haben ihren Nachwuchs in die Einrichtung gebracht. Ursprünglich sollte die Kleinkinderschule Müttern und Kindern eine Möglichkeit geben, gemeinsam das Spielen zu lernen. „Vielleicht sollte man auch heute wieder eine Elternschule einrichten“, mahnt Uwe Eisentraut angesichts unerfüllter Bedürfnisse von Kindern, fehlender Liebe und fehlendem Frühstück. Auch mit Wohlstandsverwahrlosung sehen sich kirchliche Einrichtungen konfrontiert.
„Eine herzliche Umarmung, ein liebes Wort, ein Trösten“, dies könne oft so viel bewirken, sagt der Pfarrer. „Und deshalb machen wir das als Kirche immer noch.“