Nach einer eintägigen Rundfahrt quer durch die Uckermark hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch den Startschuss für eine neue Struktur in der katholischen Kirche der Region gegeben. In einem dreijährigen Prozess sollen die bisher bestehenden drei Pfarreien Schwedt/Angermünde, Prenzlau und Templin mit allen zugehörigen Orten und Einrichtungen zu einer Riesenpfarrei zusammenwachsen. Sie erstreckt sich über rund 3300 Quadratkilometern, in dem rund 6000 Katholiken leben. Die Veränderungen sind Bestandteil einer schon vor mehreren Jahren begonnenen Neuausrichtung im Erzbistum Berlin-Brandenburg unter dem Titel "Wo Glauben Raum gewinnt".
Ursprünglich hatte es Bestrebungen gegeben, Prenzlau und Templin als Pfarrei zu belassen, während sich Schwedt/Angermünde in Richtung Eberswalde orientieren wollte. Doch sind diese Pläne nicht zustande gekommen. "Die Region hat einen eigenen Standpunkt, eine eigene Sicht und ein eigenes Gesicht", so Heiner Koch. "Und sie hat eigene Herausforderungen. Wir schauen uns gerade an, wie wir uns seelsorglich neu ordnen und zukunftsfähig machen." In einem größeren Raum ließen sich hauptamtliche Stellen besser vernetzen. Der Bischof setzt auf mehr Eigenverantwortung. Der Prozess werde nicht vom grünen Tisch in Berlin entschieden, sondern mit allen Beteiligten vor Ort.
Die Kirche müsse vor Ort bleiben. "Wir wollen diejenigen, die da sind, halten und festigen." Sorge habe er, wie gerade junge Menschen in der großen Fläche künftig zueinander kämen." Während die Katholische Kirche in vielen Bereichen unter Mitgliederschwund leidet, verzeichnet die Schwedter Gemeinde, zu der auch der Gartzer Raum gehört, steigende Zahlen. Das liegt an der Zuwanderung von Polen. "Wir müssen uns heute Gedanken machen, wie wir unseren Glauben in Zukunft leben wollen", so Diakon Georg Richter aus Schwedt. "Wir müssen unsere Gemeinde so aufstellen, dass sie auch noch in 20 Jahren existiert." Die Kirche auf dem Lande leidet unter Personalproblemen. Derzeit gibt es in der Uckermark drei katholischePfarrer.
Sorgen und Widerstand
Die Strukturveränderungen, die Ende 2022 abgeschlossen sein sollen, haben auch Widerstand und Sorgen hervorgerufen. An die Aufgabe von Kirchengebäuden werde jedoch keineswegs gedacht. Man habe sehr viel Geld investiert. Die Häuser seien in gutem Zustand.
Auf seiner Rundreise besuchte Erzbischof Koch zehn Orte kirchlichen Lebens, darunter Gramzow, Angermünde, Schwedt und Rosow. Dabei gab es Gespräche mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften, mit dem Pastoralteam und anschließend einen liturgischen Start mit Heiliger Messe.
In Berlin und Brandenburg sollen aus den bisherigen 35 katholischen Pfarreien künftig 13 größere gebildet werden.