In Endlosschleife rast ein zum Rennwagen getuntes Auto über eine Betonpiste. Das monotone Motorengeheul betäubt die Ohren. Eine Staubwolke folgt träge dem Geschwindigkeitsrausch. Wer käme auf die Idee, das als Kunst zu bezeichnen? Lena Marie Emrich. Die junge Berliner Künstlerin hat in einem Experiment die Kunstszene und die Autotuningszene zusammengebracht. Das Ergebnis ist in der Galerie auf Gut Kerkow zu erleben. Dort wurde am Sonntag mit Lena Marie Emrichs Projektkunst die zweite Ausstellung eröffnet. Die Mitbesitzer des Biohofes und Kunstliebhaber Jochen und Christof Beutgen nennen die Galerie auf dem Speicherboden bescheiden Projektraum und geben ihm den Namen „spaced out“, was übersetzt „entrückt“ bedeutet. So wollen sie den ungewöhnlichen Ort für Kunst auch verstehen. Zwischen Kühen, Traktoren und Hofladen präsentiert sich internationale Kunst. Gemeinsam mit der Berliner Galeristin Sabine Schmidt wollen sie in dieser ursprünglichen und ungezwungenen Atmosphäre moderne und experimentelle Kunst aus der elitären urbanen Kunstversteherszene „entrücken“ und hier auf dem Speicherboden unter alten Holzbalken für Jedermann erlebbar machen. Hierher kann jeder jederzeit kommen, ohne Anmeldung, ohne Eintritt und Tuchfühlung aufnehmen mit Kunst, unbeobachtet oder im Gespräch mit Galeristen und Künstlern. So wie zur Ausstellungseröffnung am Sonntag. Ein Video zeigt ein Auto, das über die Piste rast und mit qualmenden Reifen sichtbare rote Spuren auf den Beton malt, wieder und wieder. So entstehen bleibende Bilder, die Bewegung und Geschwindigkeit festhalten. Emrich will diesen Kontrast zwischen Geschwindigkeit und Stillstand vergegenständlichen. Diesen Reiz spürte die 27-Jährige selbst, als sie nach ihrem ersten Besuch in Kerkow am Peetzigsee baden war. In die Idylle brach eine Clique junger Männer mit getunten Fahrzeugen. „Mir wurde bewusst, dass auch hier Leute leben mit Hobbys, dass es auch hier eine Subkulturszene gibt,  während viele Großstädter mit Erwartungen von absoluter Naturidylle aufs Land kommen“, erzählt Emrich, die in Warschau und Berlin Kunst studierte. Mit der einheimischen Autotuningszene setzte sie ihre Idee für ihr Projekt „Infinity Drift“ um, fotografierte, filmte und konfrontierte die Landjugend dabei wohl auch erstmals mit der Kunstszene. „Es war für uns alle sehr inspirierend.“