Rund 100 Schüler und Lehrer des Einstein-Gymnasiums haben sich bei einer Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS registrieren lassen.
Wie kannst Du zum Lebensretter werden? Diese Frage stellen sich Schüler der 11. und 12. Klassen des Angermünder Gymnasiums. Die Antwort: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein. So simpel klingt der Slogan, mit dem die DKMS Menschen wirbt, sich typisieren und registrieren zu lassen. Und so einfach werden Superhelden gemacht. Das Angermünder Einstein-Gymnasium wird am Dienstag zu so einer potenziellen Heldenschmiede. Hier haben sich rund 100 Schüler und Lehrer für die DKMS registrieren lassen. Mund auf, Stäbchen rein.
Doch so einfach haben es sich die Mitarbeiter der DKMS, Marina Müller und Benjamin Lieb, dann doch nicht gemacht. Sie haben zuvor mit Vorträgen, Filmbeiträgen und Erfahrungsberichten die Schüler ausgiebig informiert, aufgeklärt und auch motiviert. Da ist die kleine Greta. Sie ist mit nur drei Jahren an Leukämie erkrankt und gestorben, weil für sie weltweit kein passender Stammzellenspender gefunden wurde. Da ist Michelle, heute 20 Jahre alt, gesund. Ein hübsches junges Mädchen mit einer Zukunft, die es ohne einen passenden Stammzellenspender nie mehr gegeben hätte. Und da ist Toni, 24, Spender für einen todkranken zehnjährigen Jungen.
Seine Stammzellen stimmten in ihren wichtigsten Merkmalen mit denen des Kindes überein, ein genetischer Zwilling. Eine Chance, die kleiner ist als ein Sechser im Lotto, aber für Patienten die letzte Chance, zu überleben. Ohne Garantie.
Tonis Empfänger hat es nicht geschafft. Für ihn kam die Rettung zu spät. Dennoch ist Toni nicht wehmütig: "Ich hab ihm und der Familie ein Lebensjahr geschenkt, Zeit für ein letztes gemeinsames Weihnachten, Zeit zum Abschiednehmen. Das macht mich stolz." Toni Wasniak aus Passow erzählt seine Erfahrungen den Angermünder Schülern, um sie zu ermutigen und ihnen die Angst davor zu nehmen, was geschieht, wenn man wirklich als Spender infrage kommt.
Immerhin erkrankt allein in Deutschland alle 15 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Es ist die häufigste Krebsart, an der Kinder sterben. Dabei ist Blutkrebs heilbar, wenn rechtzeitig ein passender Stammzellenspender gefunden wird, erklärt Benjamin Lieb in einem Vortrag. Die Schüler erfahren, was Blutkrebs eigentlich ist, wie eine Stammzellentransplantation hilft und wie die Spende abläuft.
"Mich haben der Vortrag und die Filme sehr bewegt. Es ist ein gutes Gefühl, so einfach helfen und Leben retten zu können", erklärt die 17-jährige Julie Kunz. Auch Pauline Zillmer hat der Vortrag motiviert. "Vieles hab ich so genau noch nicht gewusst."
Spender darf jeder im Alter ab 17 bis 55 Jahre werden. Deshalb haben sich die 12. Klassen die Typisierungsaktion in ihrer Schule, die der stellvertretende Schulleiter Heiko Seefeldt initiiert hatte, zu ihrem Herzensprojekt gemacht. Ihnen zur Seite stand die DKMS. "Typisierungen in Schulen sind für uns natürlich immer besonders wertvoll, weil es wichtig ist, sich möglichst jung registrieren zu lassen, um dann um so länger in der Datei zu verbleiben und die Chance, helfen zu können, damit zu vergrößern", erklärt Benjamin Lieb.
Die Typisierung an sich ist schnell und einfach. Die Schüler füllen einen Fragebogen zu persönlichen Daten aus. Der Personalausweis muss mitgebracht werden. Dann lassen sie ein Wattestäbchen im Wangen-Inneren eine Minute lang über die Wangenschleimhaut kreiseln. Fertig. Von der DMKS erhalten sie später einen Spenderausweis im Kreditkartenformat und müssen nichts mehr tun, bis sie vielleicht irgendwann für irgendjemanden auf der Welt zum Lebensretter werden könnten.
Die Angermünder Abiturienten wollen diese Aktion zur Tradition an ihrer Schule machen. Dafür haben sie einen Wanderpokal entworfen, "Das Goldene Stäbchen", das sie an die nachfolgenden Schülergenerationen weitergeben.