Auch in Zukunft wird es in der Uckermark keine Bio-Abfalltonnen geben. Zwar nimmt der Druck seitens des Landes und der Politik stetig zu, ein solches Sammelsystem zusätzlich zu den bereits bestehenden einzuführen.
Doch würde diese gut gemeinte Sortierung eine eher negative Umweltbilanz nach sich ziehen. Der Grund: Verglichen mit den weiten Wegen, einer zusätzlichen Tonne, den Transportfahrzeugen und der Sortierung wäre das Bio-Abfallaufkommen viel zu gering.
Dieses Ergebnis hat eine aktuelle Hausmüllanalyse ans Licht gebracht. Dabei wird regelmäßig untersucht, was der Durchschnittsuckermärker so alles in die Hausmülltonne donnert. Rein rechnerisch produziert jeder Einwohner derzeit 159,7 Kilogramm Abfall pro Jahr. Das reicht häufig kaum aus, um die Tonnen richtig voll zu bekommen. Denn der Analyse zufolge hat der Füllgrad der Behälter gerade bei Mehrgeschoss-Blöcken weiter abgenommen.

Größter Anteil ist Organik

Den größten Anteil aller Fraktionen macht die Organik aus. Das sind Blätter, Essensreste, Äste, vergammelte Blumensträuße, Grünschnitt und ähnliche organische Substanzen. Hauptsächlich also Küchenabfälle aller Art. 45 Kilogramm pro Einwohner und Jahr kommen dabei zusammen.
Erstaunlicherweise sortiert der Uckermärker seinen Müll immer noch nicht so gut wie gedacht. Denn es finden sich weiterhin Glas, Papier, Kartonagen, Kunststoffe und Holz im Restmüll. Sie lassen sich bei der mechanischen Aufbereitung später kaum noch heraustrennen, gelangen also dann meist zur Energiegewinnung durch Verbrennung.

Keine Verwertungsanlage

Für die Bio-Tonne interessant wären nun die im Hausmüll enthaltenen 5373 Tonnen an Küchenabfällen und sonstigen biologischen Bestandteilen. Die durch eine Trennung realistisch abschöpfbare Menge würde sich jedoch derzeit nur auf 2418 Tonnen reduzieren. Hierfür ein eigenes Sammelsystem mit Tonnen und Abfuhr einzuführen, würde im Vergleich zu den Kosten in keinem Verhältnis stehen, heißt es aus der Kreisverwaltung. Außerdem wären die Schadstoffemissionen zu betrachten. Eine hochwertige Verwertungsanlage über eine Vergärung sei in zumutbarer Entfernung auch in Zukunft nicht absehbar. Aus diesem Grund soll der Anteil der organischen Bestandteile im Hausmüll auf herkömmlichem Wege weiter reduziert werden.

Rekord bei Grünschnitt

Eine Möglichkeit sind die gut angenommenen Wertstoffhöfe. Denn die Uckermärker gelten als Rekordhalter bei der Anlieferung von Grünschnitt, Garten- und Parkabfällen. Der Gesamtberg liegt bei fast 21 000 Tonnen pro Jahr. Tendenz steigend. Zu Spitzenzeiten stehen die Autos mit Anhänger Schlange, um das Grünzeug abzuladen. Das Material sei gut zu kompostieren und werde gern abgenommen, so Frank Czeslick, zuständiger Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Mit dieser Erfolgsbilanz will die Uckermark die aufwendige Einführung der Bio-Tonne verhindern, weil sie kaum zusätzlichen Gewinn bringe.
Wie der Landkreis, die Uckermärkische Dienstleistungsgesellschaft und die Hauseigentümer mit den sonstigen Ergebnissen der Hausmüllanalyse umgehen, bleibt abzuwarten. Denn die Abfuhr halb leerer Container kostet zusätzlichen Aufwand und damit Geld. Außerdem hat man einen relativ hohen Anteil an Textilien im Hausmüll festgestellt.

Hausmüllanalyse


Im Vergleich zur Erhebung von 2013 hat es kaum Veränderungen beim Abfallverhalten der Uckermärker gegeben. Die Gesamtabfallmenge ist geringfügig von 161,5 auf 159,7 Kilogramm pro Einwohner und Jahr zurückgegangen. Der Füllgrad der Behälter hat abgenommen. Bei Großwohnanlagen sind die Behälter teilweise nur noch zu 74 Prozent befüllt. Der Organikanteil im Hausmüll nimmt weiter ab. Die Organikfraktion besteht zu 91 Prozent aus Küchenabfällen. Gerade in Neubaubereichen und in dicht besiedelten Stadträumen sind auffällig viele Wertstoffe, vorwiegend Kunststoffverpackungen, im Hausmüll enthalten. Insgesamt acht Kilogramm Textilien pro Einwohner und Jahr stecken in den Abfalltonnen.